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Devisen: Euro gibt etwas nach - Zollkonflikt verschärft sich

04.04.2025
um 16:58 Uhr

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Euro hat am Freitag seine deutlichen Vortagsgewinne größtenteils verteidigt. Der von den USA ausgelöste globale Zollkonflikt bestimmt weiterhin das Geschehen an den Märkten. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete am Nachmittag 1,0968 US-Dollar. Das ist etwas weniger als im frühen Handel. Zeitweise war er Euro über 1,11 Dollar gestiegen. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1057 (Donnerstag: 1,1097) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9044 (0,9114) Euro.

Am Donnerstag hatte eine ausgeprägte Dollar-Schwäche dem Euro starken Auftrieb verliehen. Eine weitere Verschärfung der aggressiven Zollpolitik der US-Regierung mit der Ankündigung von Zöllen gegen nahezu alle Länder der Welt hatte die amerikanische Währung deutlich belastet. Vor der Ankündigung der US-Zölle war der Euro bei 1,08 Dollar gehandelt worden.

Hinzu kam am Freitag eine scharfe Reaktion Chinas auf die US-Zölle. Das chinesische Finanzministerium kündigte Gegenzölle auf US-Importe in Höhe von 34 Prozent an, die am 10. April in Kraft treten sollen. Zudem hat Peking elf amerikanische Unternehmen auf eine schwarze Liste gesetzt, welche es den betroffenen Firmen de facto unmöglich macht, weiter Handel in China oder mit chinesischen Unternehmen zu betreiben.

Die Finanzmärkte erwarten offenbar vor allem eine deutliche Abschwächung der US-Konjunktur. Inflationssorgen scheinen weniger eine Rolle zu spielen. Die Anleger preisen derzeit vor allem eine deutliche Wachstumsabschwächung in den USA ein. So werden in den Vereinigten Staaten im weiteren Jahresverlauf mittlerweile vier Leitzinssenkungen um jeweils 0,25 Prozentpunkte erwartet.

Der im März robust ausgefallene US-Arbeitsmarktbericht spielte am Markt kaum eine Rolle. "Ich kann mich nicht entsinnen, dass ein US-Arbeitsmarkt jemals so zur Nebensache geriet wie heute", kommentierte Dirk Chlench, Volkswirt bei der LBBW. Die Märkte stehen ganz in Bann des Zollstreits.

Commerzbank-Volkswirt Bernd Weidensteiner erwartet in den nächsten Monaten eine Abschwächung des Arbeitsmarktes. Die Rahmenbedingungen von Unternehmen und Konsumenten seien durch zunehmende Kosten und eine steigende Verunsicherung geprägt. "In dieser Lage dürfte die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen abnehmen."

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,84985 (0,84163) britische Pfund, 160,56 (162,17) japanische Yen und 0,9407 (0,9538) Schweizer Franken fest. Die Feinunze kostete am Nachmittag in London 3.044 Dollar. Das waren etwa 71 Dollar weniger als am Vortag./jsl/bek/he

LS - EUR/USD

WKN 965275 ISIN EU0009652759