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ROUNDUP: Polizei durchsucht Sparkasse nach Millionen-Coup

06.01.2026
um 18:35 Uhr

GELSENKIRCHEN (dpa-AFX) - Nach dem spektakulären Einbruch in eine Gelsenkirchener Sparkasse hat die Polizei das Institut am Dienstag durchsucht. Ziel sei die Sicherstellung von Datenträgern sowie von notwendigen Kundendaten. Es gehe dabei nicht um einen Verdacht gegen die Sparkasse oder einzelne Mitarbeiter, stellte ein Polizeisprecher klar. "Wir haben keinen Verdacht gegen irgendwen." Es gehe darum, sich so schnell wie möglich einen objektiven Überblick zu verschaffen. Zu dem Millionen-Coup ermittelt eine besondere Aufbauorganisation der Polizei mit dem Namen "Bohrer".

Die Täter sind weiter auf der Flucht. Sie waren in einen Archivraum der Sparkassen-Filiale im Stadtteil Buer eingedrungen, von dem aus sie ein großes Loch in den Tresorraum bohrten. Sie brachen fast alle 3.250 Kunden-Schließfächer auf. Einsatzkräfte hatten den Einbruch vergangene Woche Montag nach einem Alarm der Brandmeldeanlage entdeckt. Die Beutetour zog sich möglicherweise über mehrere Tage hin. Der Schaden wird noch ermittelt. Er soll nach ersten Schätzungen der Polizei im mittleren zweistelligen Millionenbereich liegen, könnte aber sogar noch deutlich höher sein.

Filiale bleibt weiter geschlossen

Die Sparkasse bleibt nach Angaben eines Sparkassensprechers vorerst weiter geschlossen. Der geplünderte Tresorraum sei von der Polizei versiegelt worden. Bevor die Bank ihre Tätigkeit wieder aufnehmen könne, müssten Unterlagen und Gegenstände in dem Raum für die Kunden gesichert werden. Es sei aktuell schwer zu sagen, wie lange das noch dauern werde.

Kontakt mit mehr als 1.500 Kunden

Inzwischen hätten mehr als 1.500 Kunden über eine telefonische Hotline oder auf anderem Weg Kontakt mit der Bank aufgenommen, sagte der Sparkassensprecher. Mit Zustimmung der Kunden würden die Daten an die Polizei weitergeleitet, die automatisch Anzeige erstellt. Die Schließfächer sind laut Sparkasse pauschal bis zu einer Summe von jeweils 10.300 Euro versichert.

Allein daraus ergibt sich bei mehr als 3.000 Schließfächern eine mögliche Schadenssumme von rund 30 Millionen Euro. Über 100 Kunden hätten aber Zusatz-Versicherungen über höhere Summen abgeschlossen, sagte der Sparkassen-Sprecher. Auch bei der Polizei seien teilweise Schadenssummen deutlich über dem versicherten Wert genannt worden, teils sechsstellige, sagte ein Polizeisprecher.

Vorwürfe gegen die Sparkasse

Der Marler Anwalt Burkhard Benecken, der nach seinen Angaben knapp 50 Geschädigte vertritt, warf der Bank eine mögliche Verletzung der Aufklärungspflicht vor. Dass es eine Versicherungshöchstgrenze gab, sei vielen Mandanten erst nachträglich klargeworden. "Sie sind aus allen Wolken gefallen", sagte er.

Zwar stehe dies in den Schließfachverträgen, aber die Einleger seien meist juristisch unerfahren, die Bank hätte sie aktiv darauf hinweisen müssen, sagte Benecken. Dies könne möglicherweise zu einer Grundlage für zivilrechtliche Ansprüche gegen die Sparkasse werden. Der Sparkassensprecher sagte, dass die Begrenzung der Haftung in den Verträgen "klar und explizit enthalten" sei.

300.000 bis 400.000 Euro im Schließfach

Bei seinen Mandanten liege der Schnitt der eingelagerten Werte bei mindestens 100.000 Euro pro Schließfach, manche hätten 300.000 bis 400.000 Euro gelagert, sagte Benecken. Der Anwalt widersprach Spekulationen über Schwarzgeld in den Fächern. Ein Großteil seiner Mandanten habe bereits Nachweise über einen seriösen Erwerb - etwa Videos von der Einlagerung von Bargeld oder Goldschmuck - vorgelegt. Benecken hatte zuvor mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger" gesprochen.

Der spektakuläre Einbruch mit Millionenbeute soll kommende Woche Dienstag in einer Sondersitzung des Innenausschusses im Landtag aufgearbeitet werden. Die SPD hatte einen entsprechenden Antrag eingereicht, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Demnach soll es neben dem Sachstand der Ermittlungen auch um Fragen nach Schwachstellen im Sicherheitskonzept der Sparkasse und mögliche Verbindungen zur organisierten Kriminalität gehen./rs/DP/nas