HQ Trust: Börsenjahr 2026 wird kein Selbstläufer
FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Vermögensverwalter HQ Trust ist für den Aktienmarkt 2026 verhalten optimistisch gestimmt. Der Rückenwind lasse nach und die Börsen dürften "einen Gang herunterschalten", sagten die Experten am Mittwoch während eines Pressegesprächs in Frankfurt. Angesichts der hohen Bewertungen - vor allem in den USA - dürften die Erträge moderater ausfallen und im mittleren einstelligen Prozentbereich liegen. Ambitionierte Unternehmensgewinnschätzungen von Analysten könnten obendrein Enttäuschungen bergen und so zu höheren Schwankungen führen.
Dennoch: Der Boom rund um Künstliche Intelligenz (KI) bleibt laut Chefanlagestratege Christian Subbe ein wichtiger Treiber für die Börsen. Eine Blase wie 2002/03 sei nicht erkennbar. Die Basis sei weitaus solider, da hochprofitable Konzerne die Treiber seien, insgesamt unter Anlegern immer noch eine gewisse Vorsicht spürbar sei und KI Innovationen beschleunigen dürfte.
Als weiterer wichtiger Impulsgeber für Aktien wird der - wenn auch verhaltene - Aufschwung der Weltwirtschaft gesehen. Getragen werde dieser von Investitionen in KI, von Asien und auch einer soliden US-Konjunktur. Nach einem weltweiten Wachstum von 2,5 Prozent im vergangenen Jahr rechnet Chefökonom Michael Heise für 2026 mit einem Wachstum von 2,4 Prozent.
Die weltgrößte Volkswirtschaft USA dürfte um 2,0 Prozent zulegen, nach 2,2 Prozent im Jahr zuvor. Grund der erwarteten Abflachung sei der Arbeitsmarkt und damit die weniger dynamische Massenkaufkraft. Auch China als zweitgrößte Volkswirtschaft dürfte zwar weniger stark wachsen als 2025, aber mit einem Plus von 4 Prozent immer noch beeindrucken. Für die Eurozone rechnet Heise mit einem gleichbleibenden Wachstum von 1,4 Prozent. Deutschland als größtes Mitgliedsland dürfte um 1,2 Prozent zulegen, hauptsächlich getragen von Investitionen in Rüstung und Infrastruktur, und zudem auch angetrieben durch mehr Konsum dank gestiegener Reallöhne.
Nur wenn es zu einer ernsthaften Eskalation zwischen den USA und Europa komme, müsse diese Einschätzung korrigiert werden, ergänzte Heise. Er erwartet jedoch, dass der Konflikt um Grönland in einem Kompromiss münden wird, zumal Europa nicht in der Lage sei, den USA ernsthaft die Stirn zu bieten. Ein Inkrafttreten der neuen Sonder-Zölle Anfang Februar und eine Reaktion der EU wären ihm zufolge "für die Kapitalmärkte aber noch verkraftbar". Ändern würde sich die Lage, falls der im Sommer 2025 vereinbarte Handelsdeal hinfällig würde.
Was Aktien und Regionen betrifft, raten die Experten von HQ Trust zu genauer Auswahl und dazu, die Gewichtung von US-Aktien im Portfolio etwas herunterzufahren. Statt einer Quote von um die 70 Prozent seien 50 bis 60 Prozent ratsamer. Da Asien ein Wachstumsmotor der Weltwirtschaft bleiben werde und Aktien von Schwellenländern trotz robuster Gewinnprofile im Vergleich zu den Industrieländern mit großem Bewertungsabschlag gehandelt würden, sieht Chefanlagestratege Subbe hier dagegen Aufholpotenzial. Auch für europäische Aktien sowie solche aus Australien und Japan sieht er Chancen.
HQ Trust selbst ist angesichts der erhöhten Risiken in Aktien und Anleihen untergewichtet, während der Geldmarkt übergewichtet wird. Gold wird neutral gesehen. Trotz des rekordhohen Preises sei das Edelmetall ein "Krisenhedge", also eine Absicherung in Krisenzeiten, sagte Subbe. Die Nachfrage nach Gold sieht er angesichts seiner Bedeutung für die Zentralbanken aber vor dem Hintergrund des hohen Interesses der indischen Bevölkerung an Schmuckgold als stabil an.
Per Stand Ende Dezember verwaltet das Multi Family Office der Familie Harald Quandt eigenen Angaben zufolge ein Vermögen von insgesamt rund 20 Milliarden Euro und betreut 180 Kunden./ck/jsl/mis