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Ärzte in Deutschland verschreiben weniger Antibiotika als früher

23.01.2026
um 14:14 Uhr

BERLIN (dpa-AFX) - Ärztinnen und Ärzte in Deutschland verschreiben einer Analyse zufolge heute seltener Antibiotika als noch vor gut 15 Jahren. Seit 2010 sind die Verschreibungen um knapp ein Viertel (rund 24 Prozent) zurückgegangen, wie das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI) berichtete. Während es im Jahr 2010 rechnerisch 559 Verordnungen pro 1.000 gesetzliche Versicherte gab, waren es 2024 noch 426.

Die Auswertung basiert auf vertragsärztlichen Abrechnungsdaten aller gesetzlichen Krankenkassen und wurde am Freitag im "Deutschen Ärzteblatt" veröffentlicht.

Starker Einbruch während der Corona-Pandemie

Besonders stark eingebrochen ist die Verschreibung von Antibiotika demnach in den Corona-Jahren 2020 und 2021. Wahrscheinlich auch, weil andere Atemwegserreger zu dieser Zeit viel seltener vorkamen, wie das ZI erklärte. 2020 gab es 305 Verordnungen pro 1.000 Versicherte, 2021 nur 277. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 waren es noch 414. Am stärksten gingen die Verordnungsraten in diesen Jahren bei den 2- bis 5-Jährigen und den 6- bis 9-Jährigen zurück.

In den Jahren darauf wurde altersübergreifend wieder etwas mehr verschrieben und die Verordnungsdaten näherten sich dem Niveau von 2019. Kinder zwischen 6 und 14 Jahren bekamen 2023 und 2024 sogar deutlich häufiger Antibiotika verschrieben als noch 2019. Bei den bis zu ein Jahr alten Kindern hingegen ging die Verordnungsrate um etwa 20 Prozent zurück.

Im internationalen Vergleich steht Deutschland gut da

Für den Anstieg bei den 6- bis 14-Jährigen hat das ZI eine mögliche Erklärung: In den Wintern 2022/2023 und 2023/2024 gab es demnach bei Kindern und Jugendlichen ungewöhnlich viele Infektionen mit Streptokokken, Mykoplasmen und Keuchhusten.

Nach Angaben des ZI-Vorstands folgen die Entwicklungen der vergangenen Jahre dem europäischen Trend. Im internationalen Vergleich sei der Antibiotika-Einsatz in Deutschland, auch im Wiederanstieg, eher gering./bum/DP/jha