MÜNCHEN (dpa-AFX) - Das schwierige Konjunkturumfeld hat Wacker Chemie
Am Ende will Wacker Chemie jährlich mehr als 300 Millionen Euro einsparen; umgesetzt werden soll alles bis Ende 2027. Die Hälfte der Summe soll durch den Abbau von voraussichtlich weltweit mehr als 1.500 Stellen erreicht werden, wie die Unternehmensführung Ende November schon angekündigt hatte. Der größte Teil der Stellen soll dabei an den deutschen Standorten abgebaut werden. Weltweit beschäftigte der Konzern Ende des ersten Halbjahres 2025 gut 16.700 Menschen. Zunächst verursachen die Einsparungen aber auch Aufwendungen: das Unternehmen stellte nun laut Mitteilung vom Mittwoch rund 100 Millionen Euro für das laufende Kostensenkungsprogramm zurück.
Im Zuge der Einsparungen will sich Hartel auch in den Chemiebereichen stärker auf die margenträchtigeren Spezialitäten fokussieren, im Polysilizum-Geschäft auf den Halbleitermarkt und in der Life-Science-Sparte Biosolutions auf innovative Biotech-Anwendungen. Mit Blick auf den Industriestandort Deutschland wiederholte Hartel zudem seine Forderung: "Wir brauchen vor allem international wettbewerbsfähige Energiepreise und einen konsequenten Bürokratieabbau."
Der Konzern bekommt unter anderem schon länger die Folgen einer trägen Bauwirtschaft zu spüren. Darunter leidet die Polymer-Sparte des Unternehmens, die Basis- und Zusatzmaterialien für Klebstoffe, Bodenbeläge, Farben und Beton herstellt. Und auch die Silikon-Sparte leidet, die vielfältige Hochleistungskunststoffe etwa für die Autoindustrie, Elektro- und Medizintechnik, aber auch die Bauwirtschaft und die Textilindustrie herstellt.
In beiden Geschäftsbereichen blieb die Auftragslage zum Jahresende 2025 hin schwach, wie Wacker in einer Präsentation zu den aktuellen Geschäftszahlen darlegte. In dem schwachen Umfeld baute das Unternehmen derweil reichlich Lagerbestände in der Silikon-Sparte ab, was dem Finanzmittelfluss (Cashflow) zugute kam. Dadurch war der Netto-Cashflow im vergangenen Jahr mit minus 5 Millionen Euro annähernd ausgeglichen, nachdem 2024 noch ein Minus von 326 Millionen Euro gestanden hatte.
Das Geschäft mit dem Halbleitergrundstoff Polysilizium zeigte abermals unterschiedlichen Trends. Während die Nachfrage nach hochreinem Polysilizium zur Herstellung von Computer-Chips stark blieb, lasteten regulatorische Unsicherheiten in den USA weiter auf dem Geschäft mit Polysilizium zur Herstellung von Solarpanelen. So hatte die US-Regierung Mitte 2025 eine Untersuchung eingeleitet, um die Folgen von Importen des Materials für die nationale Sicherheit zu prüfen. Das sorgt in der Branche für viel Unsicherheit. Bei Wacker Chemie leidet die Auslastung der Produktionsanlagen und damit auch der operative Gewinn.
Alles in allem brach das Konzernergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) 2025 bei einem Umsatzrückgang um 4 Prozent auf 5,49 Milliarden Euro um 42 Prozent auf 430 Millionen Euro ein. Analysten hatten im Durchschnitt in etwa so viel Umsatz erwartet, sich beim operativen Ergebnis aber mehr erhofft. Die 100 Millionen-Euro-Rückstellung für das Sparprogramm herausgerechnet, erreichte das operative Ergebnis aber fast die Analystenschätzung.
Unter dem Strich fiel allerdings wegen Wertberichtigungen etwa auf die Beteiligung am Halbleiterwafer-Hersteller Siltronic
Anleger an der Börse reagierten dennoch positiv, sie hoffen auf Besserung und Wirkung des Sparprogramms. Der Aktienkurs legte am Vormittag um fast zwei Prozent auf 73,05 Euro zu. Der zaghafte Erholungstrend seit September hat damit erst einmal Bestand.
Wichtig wird nun vor allem der Ausblick für das neue Jahr. Den dürfte das Unternehmen dann im März im Zuge der Veröffentlichung der endgültigen Geschäftszahlen vorlegen. Aus Sicht von Analyst Chetan Udeshi von der Bank JPMorgan bleiben die Perspektiven für Wacker Chemie derweil erst einmal schwierig. Struktureller und zyklischer Gegenwind belaste./mis/err/stk