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Deutsche Börse-News: ?-lpreis steigt, Aktien fallen (Wochenausblick)

02.03.2026
um 09:51 Uhr

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Die Eskalation des Konflikts zwischen den USA und dem Iran ist an den Börsen zu Wochenbeginn das dominierende Thema. Die geopolitische Unsicherheit trifft auf Aktienmärkte, die laut Analysten im historischen Vergleich ohnehin zu hoch bewertet sind.

2. März 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Der Aufwärtstrend der Aktienkurse wird zum Start in den März durch geopolitische Störfaktoren ausgebremst. Nach der Tötung von Irans oberstem Führer Ajatollah Ali Chamenei bei amerikanisch-israelischen Luftangriffen am Wochenende haben die iranischen Revolutionsgarden mit Angriffen auf US-Stützpunkte in der Region sowie Israels Armeehauptquartier und einen Rüstungskomplex in Tel Aviv reagiert. Der DAX (DE0008469008) startet daher heute mit Abschlägen. Die vorbörslichen Indikationen deuten auf eine Eröffnung unterhalb von 25.000 Punkten hin.

In der abgelaufenen Woche hatte der deutsche Aktienindex nach einem kleinen Plus von 0,1 Prozent noch bei 25.284 Punkten geschlossen. Der Stoxx Europe 600 (EU0009658202) beendete die Woche mit einem Zuwachs von 0,5 Prozent und einem neuen Rekordstand von fast 634 Punkten. Auch der SMI in der Schweiz, der Nikkei 225 in Japan und der Kospi in Südkorea stiegen auf neue Allzeithochs. "Aufgrund der gestiegenen Unsicherheit im Technologiesektor suchen Investoren derzeit nach Anlagealternativen außerhalb der USA", erklärt Andreas Hürkamp von der Commerzbank. Passend dazu empfiehlt Birgit Henseler von der DZ Bank Anlegern und Anlegerinnen, "ihren Fokus von den wenigen Mega-Caps auf eine breitere Auswahl von Unternehmen zu richten, die ebenfalls von KI und Technologie profitieren und zugleich über attraktivere Bewertungen verfügen".

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Kurzfristige Risiken und selektive Marktchancen

Zum Wochenstart geht es aber erst einmal um die Geopolitik. Nach Ansicht von Stephen Dover, Leiter des Franklin Templeton Institute, ist der entscheidende Faktor für die Märkte, "ob die Eskalation auf militärischer Ebene bleibt oder zu Störungen in den Bereichen Energie und Logistik führt, was eine höhere (und hartnäckigere) Risikoprämie zur Folge hätte". Ulrich Stephan von der Deutschen Bank fürchtet, dass ein längerfristiger Konflikt ?-lpreise und Inflation treiben sowie Aktienmärkte belasten dürfte, während Staatsanleiherenditen sinken könnten. Die Notierungen für Rohöl ziehen heute Morgen bereits deutlich an. Trotz kurzfristiger Risiken erwartet der Chefanlagestratege wegen der robusten globalen Konjunktur aber keinen Bärenmarkt: "Selektive Marktchancen erscheinen möglich, sofern die Lage nicht weiter eskaliert."

LBBW rechnet mit einer "KGV-Kontraktion"

Unabhängig von dem aktuellen politischen Geschehen warnt Uwe Streich, Senior Equity Strategist bei der LBBW, davor, dass den Aktienmärkten eine "KGV-Kontraktion" droht, also sinkende Bewertungskennziffern. Er geht zwar davon aus, dass sich die relative Stärke der heimischen Indizes gegenüber dem S&P 500 weiter fortsetzt, in absoluter Betrachtung dürften die Märkte zunächst jedoch kaum Potenzial besitzen. "Nach mehreren Jahren permanent gestiegener Bewertungen dürften die KGVs 2026 wieder sinken und somit das Gewinnwachstum absorbieren".

Der erfahrene Stratege verweist darauf, dass die Bewertung anhand des Zwölfmonats-Forward-KGVs für Euro Stoxx und DAX in den vergangenen beiden Jahren stark gestiegen ist. Was daran lag, dass die Kurse trotz moderater Gewinnentwicklung deutlich zulegen konnten. Die aktuellen Gewinn-Multiples liegen dadurch gut 27 Prozent des Euro Stoxx bzw. 14 Prozent des DAX über dem jeweiligen langjährigen Bewertungsmedian seit 1988. "Die hohen KGVs limitieren das weitere Potenzial der Märkte". Erst für 2027 ist die LBBW bei einem DAX-Ziel von 26.500 Punkten wieder "verhalten optimistisch gestimmt".

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftstermine der Woche

Montag, 2. März

16.00 Uhr. USA: ISM-Index verarbeitendes Gewerbe. Die Strategen der Commerzbank rechnen nach einem überraschend starken Jahresauftakt nun für den Februar mit einem leichten Rückgang von 52,6 auf 52,0 Punkte. Der Konsens liegt mit 51,8 Punkten noch etwas niedriger.

Dienstag, 3. März

11.00 Uhr. Eurozone: Verbraucherpreise. Die Inflation im Euroraum dürfte im Februar nach Berechnung der Deka mit 1,7 Prozent unverändert niedrig geblieben sein. Einem etwas geringeren Preisauftrieb von Lebensmitteln sollte eine nicht mehr ganz so stark negative Jahresrate der Energiepreise gegenüberstehen. Die Kerninflationsrate wird ebenfalls unverändert bei 2,2 Prozent gesehen. Während die Aufwertung des Euros allmählich an Einfluss auf die Verbraucherpreise von Industriegütern verliert, lasse die Teuerung im Dienstleistungssektor weiter nach.

Mittwoch, 4. März

16.00 Uhr. USA: ISM-Index Dienstleistungen

20.00 Uhr. USA: Veröffentlichung des Beige Book der US-Notenbank

Donnerstag, 5. März

China: Beginn des Nationalen Volkskongresses. Die Strategen der Deka erwarten zum Auftakt die Verkündung der wichtigsten wirtschaftspolitischen Ziele für 2026. Das Wirtschaftswachstumsziel dürfte demnach auf eine Spanne von 4,5 bis 5,0 Prozent (Vorjahr: 5,0 Prozent) heruntergenommen werden. Zum Abschluss des Volkskongresses wird der Fünfjahresplan für die Periode 2026-2030 offiziell vorgelegt, der laut Deka erneut wirtschaftliche Stabilität und technologischen Fortschritt ins Zentrum stellen wird.

Freitag, 6. März

08.00 Uhr. Deutschland: Auftragseingang Januar. Trotz der Prognose eines Rückgangs um 10 Prozent für den Januar rechnet die Commerzbank nicht mit einer negativen Reaktion der Investoren. Schließlich seien die Zahlen dank einer Flut an Großaufträgen im November (+6 Prozent) und im Dezember (+8 Prozent) außergewöhnlich gut gewesen. Die Analysten gehen weiter davon aus, dass die Auftragseingänge ohne Großaufträge um 1 Prozent steigen.

14.30 Uhr. USA: Arbeitsmarktdaten. Für die meisten Banken ist der US-Arbeitsmarktbericht die wichtigste Konjunkturzahl in der laufenden Woche. Nach der positiven Überraschung von 130.000 neuen Stellen im Januar erwartet die Commerzbank jedoch unspektakuläre Zahlen. Konkret: 60.000 neue Stellen und eine unveränderte Arbeitslosenquote von 4,3 Prozent. Der anhaltend schwache Stellenzuwachs soll dazu führen, dass die US-Notenbank im Jahresverlauf ihren Leitzins (Obergrenze) in drei Schritten von 3,75 Prozent auf 3,0 Prozent senken dürfte.

Von Thomas Koch, 2. März 2026, © Deutsche Börse AG

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)