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Deutsche Börse-News: Alles hängt am ?-l (Wochenausblick)

16.03.2026
um 10:32 Uhr

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Der hohe ?-lpreis droht die Konjunktur auszubremsen - und die gerade in den Griff bekommene Inflation wieder anzufeuern. Noch rechnen die meisten mit einem baldigen Ende des Iran-Kriegs. Doch die Zuversicht sinkt.

16. März 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Ein Ende des Iran-Kriegs ist nicht in Sicht. "Nach einer Waffenruhe oder gar einem Sturz des Mullah-Regimes sieht es im Augenblick nicht aus" stellt Christian Henke von IG fest. Und je länger der Iran-Krieg dauere, desto fataler seien die negativen Auswirkungen auf die Weltkonjunktur. Auch laut Claudia Windt von der Helaba zeichnet sich das von US-Präsident Trump in Aussicht gestellte baldige Ende der Operation "Epic Fury" nicht ab. "Für die Finanzmärkte ist die Kriegsdauer entscheidend. Je schneller sich die Energiepreise normalisieren, umso geringer werden die negativen Effekte auf Inflation und Konjunktur ausfallen."

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Zuletzt ist der ?-lpreis sogar wieder gestiegen. Das Barrel Brent kostet am Montagmorgen 106 US-Dollar, vor Kriegsausbruch waren es um 70 US-Dollar. Aktien bleiben angeschlagen: Der DAX (DE0008469008) steht am Montagmorgen bei 23.466 Punkten nach 23.447 am Freitag zu Handelsschluss. Der Stoxx Europe 600 (EU0009658202) notiert weiter unter 600 Punkten. Die US-Märkte hatten am Freitag erneut mit Verlusten geschlossen.

Goldpreis sinkt sogar

Auffällig ist, dass die traditionell sicheren Häfen nicht profitieren. Denn in Erwartung anziehender Inflation sind auch die Zinsen deutlich gestiegen und die Kurse der als sicher geltenden Bundesanleihen und US-Treasuries gefallen. Das zinslose Gold wird unattraktiver. Der Goldpreis (XC0009655157) ging zuletzt zurück und liegt aktuell sogar wieder leicht unter 5.000 US-Dollar. Im Allzeithoch im Januar waren es 5.570 US-Dollar.

Die Helaba geht in ihrem Basisszenario von einem raschen Ende der Operation aus. Auswirkungen auf die Kapitalmarktprognosen blieben also begrenzt. Sie rechnet für Deutschland 2026 aber nun mit einer etwas höheren Inflation, konkret 2,4 nach 2,1 Prozent. Allerdings steige mit dem stark erhöhten ?-lpreis das Abwärtsrisiko der Konjunkturprognose, insbesondere für Deutschland. "Hierzulande gefährdet der ?-lpreisschock den sich abzeichnenden Aufschwung", erklärt Windt.

Finanzmärkte als Zuchtmeister?

Mit dem Energiepreisschock 2022 ist die aktuelle Situation nach Einschätzung von Robert Halver von der Baader Bank allerdings nur bedingt zu vergleichen. "Damals traf ein dramatisches Angebotsdefizit nach Lockdown-bedingten Produktionsstilllegungen auf einen ebenso dramatischen Nachfrageüberhang nach Wegfall der Corona-Einschränkungen", erläutert er. Diese gravierenden Ungleichgewichte sieht er aktuell nicht. Bei aller Wichtigkeit der Straße von Hormus gebe es alternative Lieferwege. So importierten Europa und Deutschland ihr ?-l mehrheitlich aus anderen Quellen, etwa aus den USA.

"Ebenso deuten Aussagen von Trump auf seine typischen Kehrtwenden hin, sobald der Druck von Konjunktur und Finanzmärkten als Zuchtmeister zu groß wird", ergänzt er. Zwar dauere ein Wiederhochfahren der ?-l- und Gasproduktion in der Nahost-Region mehrere Wochen. "Doch wird dann auch die alte Weisheit wieder gelten, dass Märkte und damit auch Energiemärkte Zukunft bezahlen."

Jenseits Iran: "Relativ solides Bild für Aktien"

"Von Venezuela über Grönland hin zum Iran: Die ersten Wochen im Jahr 2026 zeigten bislang ausdrücklich, dass das geopolitische Chaos aus dem letzten Jahr Anlegern auch in diesem Jahr erhalten bleibt", erklärt Dejan Djukic von der Berenberg Bank. Allerdings hätten globale Aktien bislang größere Verluste vermieden. "Schwellenländer legten sogar um mehr als 9 Prozent zu", stellt er fest. Auch laut Djukic hängt die weitere Aktienentwicklung vor allem von der Lage im Iran und insbesondere an der Straße von Hormus ab. Eine nachhaltige Unterbrechung der ?-l-Versorgung aus der Region sei aber eher unwahrscheinlich. Zudem spreche abgesehen vom Iran-Konflikt relativ wenig für einen stärkeren Abverkauf am Markt. "Eine expansive Geld- und Fiskalpolitik, solide Makrodaten, eine ordentliche Berichtssaison sowie eine sich bessernde Saisonalität zeichnen ein relativ solides Bild für Aktien."

Zinsentscheidungen im Zeichen des Iran-Kriegs

Diese Woche stehen eine ganze Reihe von Notenbanksitzungen an, allen voran die der US-Notenbank am Mittwoch und die der EZB am Donnerstag. Außerdem entscheiden unter anderem die britische, kanadische, japanische, Schweizerische und schwedische Zentralbank über den Leitzins. Die Berichtssaison geht unterdessen dem Ende zu: Aus dem DAX berichtet nur noch Vonovia, außerdem viele Unternehmen aus MDAX und SDAX.

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten

Montag, 16. März

3.00 Uhr. China: Einzelhandelsumsätze/Industrieproduktion Februar.

NVIDIA GTC. Start der führenden globalen KI-Konferenz für Entwickler, Forscher und Manager.

Dienstag, 17. März

11.00 Uhr. Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen März. Mit der ZEW-Umfrage wird der zweite Stimmungstest nach Ausbruch des Kriegs im Nahen Osten veröffentlicht, wie die DekaBank feststellt. Die höhere Unsicherheit und die gestiegenen Energiepreise hätten zuletzt zu einer leichten Abwärtsrevision der Konjunkturprognosen geführt, was sich auch in geringeren Konjunkturerwartungen widerspiegeln werde.

Mittwoch, 18. März

19.00 Uhr. USA: Zinsentscheid der US-Notenbank. Die Fed dürfte nach Einschätzung der DekaBank auch diesmal keine Leitzinssenkung vornehmen. Allerdings würden die Unterschiede unter den FOMC-Mitgliedern hinsichtlich der geldpolitischen Einschätzungen vermutlich wieder deutlich zunehmen. Denn es ließen sich sowohl gute Gründe für eine unmittelbare Senkung (Arbeitsmarkt, Irankrieg) als auch für eine Beibehaltung (Preisentwicklung) anführen.

Donnerstag, 19. März

Japan: Zinsentscheid der Bank of Japan.

13.00 Uhr. Großbritannien: Zinsentscheid der Bank of England.

14.15 Uhr. Eurozone: Zinsentscheid der EZB. Erwartet wird, dass die EZB ihren Leitzins unverändert bei 2,15 Prozent belässt. Zwar stieg die Inflation im Februar leicht auf 1,9 Prozent, wie die Deutsche Bank feststellt. Sie liege jedoch weiterhin unter dem Zielwert von 2 Prozent. Angesichts der Sorge um die hohen Energiepreise werde Kommunikation der geldpolitischen Perspektiven allerdings sehr genau beobachtet werden.

Freitag, 20. März

Börsengang des Rüstungszulieferers Vincorion

Von Anna-Maria Borse, 16. März 2026, © Deutsche Börse AG

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)