DORTMUND (dpa-AFX) - Der Elektrolysespezialist Thyssenkrupp Nucera
An der Börse nahm die Nachricht zumindest etwas Druck aus dem Kessel, nachdem das Papier wegen der gekappten Gewinnprognose zunächst deutlich nachgegeben hatte. Gute Nachrichten zum Auftragseingang seien von der Gewinnwarnung überschattet worden, schrieb Michael Kuhn von der Deutschen Bank. Die Nucera-Aktien verloren zur Wochenmitte zunächst fast elf Prozent, womit sie auf das niedrigste Niveau seit Anfang Dezember abgerutscht waren. Danach reduzierte sich das Minus deutlich auf zuletzt rund drei Prozent bei 8,28 Euro.
Im Juli 2023 hatte Thyssenkrupp seine Wasserstofftochter allerdings noch zum Ausgabepreis von 20 Euro an die Börse gebracht. Allein in den vergangenen zwölf Monaten hat der Kurs fast ein Viertel an Wert eingebüßt. Anders als für Nucera ging es für die Thyssen-Aktien am Mittwochvormittag um gut zwei Prozent nach oben.
Wie Nucera am Morgen mitteilte, soll im noch bis Ende September laufenden Geschäftsjahr 2025/26 der Auftragseingang von im Vorjahr 348 Millionen Euro auf 550 bis 850 Millionen steigen. Bislang war das Management um Vorstandschef Werner Ponikwar von 350 bis 900 Millionen ausgegangen.
Der für die Erhöhung der Prognose vor allem ausschlaggebende Auftrag aus Spanien habe dabei ein Volumen im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich, hieß es, wobei der Auftragseingang im Verlauf des zweiten Geschäftshalbjahres 2025/26 gebucht werden soll. Thyssenkrupp Nucera soll für das Energieunternehmen Moeve Elektrolyseure mit einer Kapazität von 300 Megawatt (MW) für eine Wasserstoffanlage in Andalusien liefern. Diese soll künftig auf eine Produktionskapazität von rund 45.000 Tonnen grünem Wasserstoff jährlich kommen.
Nachdem Moeve die finale Investitionsentscheidung den Angaben zufolge Anfang März getroffen hatte, war nun ein entsprechender Auftrag zur Planung, Beschaffung, Fertigung und Lieferung an Thyssenkrupp Nucera vergeben worden. Im laufenden Geschäftsjahr erwartet Nucera eigenen Angaben zufolge aus diesem Projekt nur geringe Effekte auf die Umsatzentwicklung; die Umsatzrealisierung werde mehrheitlich ins Geschäftsjahr 2026/27 fallen.
Die neue Konzernprognose zum Neugeschäft spiegele darüber hinaus einen bereits im Dezember 2025 unterzeichneten Großauftrag für eine Chlor-Alkali-Anlage im Nahen Osten wider, hieß es weiter. Dieser umfasse ein Auftragsvolumen im hohen zweistelligen Millionenbereich, welches bereits im zweiten Quartal 2025/26 gebucht worden sei.
Nucera hatte am Vorabend wegen eines geplatzten Projekts und teurer Nachbesserungen seine Jahresziele gekappt. Das Unternehmen peilt für das Geschäftsjahr lediglich noch 450 bis 550 Millionen Euro Umsatz an, statt der bisher anvisierten 500 bis 600 Millionen. Vor Zinsen und Steuern (Ebit) wird jetzt ein Verlust in Höhe von 30 bis 80 Millionen Euro erwartet. Bisher hatte das Management noch ein Ergebnis zwischen null und minus 30 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Als Ursachen nannte Thyssenkrupp Nucera insbesondere unerwartet hohe Aufwendungen in der Sparte für grünen Wasserstoff./tav/lew/jha/