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Deutsche Börse-News: Anleihen: "Ölpreis dominierende Triebfeder"

08.05.2026
um 14:34 Uhr

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Alles blickt gen Nahost, auch am Anleihemarkt. Denn von den Geschehnissen dort hängt die Öl- und Gaspreisentwicklung ab - und damit die Inflation und das Zinsniveau. Leitzinssenkungen in den USA scheinen vom Tisch.

8. Mai 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Die Anleihemärkte schwanken weiter mit den Nachrichten aus Iran. Zeitweise hatten die Renditen nachgegeben, es sah nach einer baldigen Einigung im Iran-Konflikt aus. Angesichts neuer Kämpfe ging es dann wieder nach oben. "Die Weltmarktpreise von Rohöl und Erdgas bleiben vorerst die dominierende Triebfeder der Rentenmärkte", schildet DekaBank-Chefvolkswirt Ulrich Kater die Lage. "Am Markt geht es hin und her, getrieben durch die neuesten Meldungen", berichtet Anleihehändler Rainer Petz von Oddo BHF.

Der Zusammenhang zwischen Ölpreis und Renditen ist seit Beginn des Iran-Kriegs recht eng, wie Commerzbank-Analyst Hauke Siemßen erklärt. Große Ausschläge bei den Renditen für Bundesanleihen bleiben seit einigen Wochen aber aus. Petz spricht von einem "kleinen Fenster", in dem sich die Renditen bewegten. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren am Freitagmittag mit 3,0 Prozent nach 3,03 Prozent vor einer Woche. Für zweijährige Bundesanleihen sind 2,58 Prozent und damit so viel wie vergangenen Freitag.

EZB: Leitzinsenanhebung in Sicht

Auch die weitere Entwicklung der Leitzinsen ist stark von den Geschehnissen in Nahost und dem Ölpreis bestimmt. Die norwegische Norges Bank hat am gestrigen Donnerstag als erste Zentralbank in Westeuropa seit Ausbruch des Iran-Kriegs die Zinsen angehoben. Die EZB hatte vergangene Woche die Leitzinsen unverändert gelassen. Es wird aber damit gerechnet, dass sie im Jahresverlauf die Zinsen anheben wird.

In den USA sind die zuvor erwarteten Leitzinssenkungen unwahrscheinlicher geworden. Nächste Woche endet im Übrigen die Amtszeit Jerome Powells als Notenbankchef, Kevin Warsh wird sein Nachfolger. "Donald Trump verbindet damit die Hoffnung, dass die Fed jetzt rasch die von ihm immer wieder geforderten Zinssenkungen liefern wird", bemerkt Bernd Weidensteiner von der Commerzbank. Dies sei allerdings zweifelhaft. "Schließlich haben sich die Inflationsrisiken an die Spitze der Tagesordnung geschoben." Die Mehrheit in der Fed werde bei diesem Umfeld nicht so rasch für Leitzinssenkungen zu gewinnen sein.

Bekannte Namen gesucht

Im Handel mit Unternehmensanleihen fehlt aktuell die klare Tendenz, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank berichtet. Gekauft würden Anleihen von Mercedes-Benz mit Fälligkeit 2031 und aktueller Rendite von 3,26 Prozent (DE000A3LH6U5) und der Deutschen Pfandbriefbank mit Fälligkeit 2028 und aktuell 4,09 Prozent (DE000A382665). Gesucht bei der ICF Bank sind 2034 fällige Bonds von BMW (XS2887901911) und der Deutschen Telekom (XS2024716099) mit aktuell 3,75 und 3,46 Prozent, wie Arthur Brunner meldet.

Schalke-Bond nach Aufstieg beliebt

Sehr gut nachgefragt bleibt Brunner zufolge der Nordic Bond des Online-Kreditanbieters Multitude (NO0013726893), der mittlerweile zu 104,30 Prozent gehandelt wird. Mit dem Aufstieg von Schalke 04 in die erste Fußballbundesliga gesucht werde auch die Fußballclub Gelsenkirchen-Schalke-Anleihe (DE000A460AT6). Der Kurs liegt jetzt bei 107,8 Prozent.

Außerdem verschiebt Brunner zufolge der Solar- und Windkraftentwickler Sowitec (DE000A2NBZ21) erneut einen Teil einer fälligen Rückzahlung. Bei der ursprünglich im November 2025 fälligen Anleihe wurden statt der erwarteten 30 Prozent nun nur 10 Prozent zurückgezahlt.

Viele Neuemissionen, aber hohe Stückelung

Neuemissionen gab es sehr viele diese Woche, wie die Händler berichten. "Insgesamt wurden Anleihen im Wert von 70 Milliarden Euro begeben, nach 22 Milliarden Euro in der Vorwoche", konkretisiert Brunner. Unter anderem kam die Reiseplattform Booking Holdings mit neuen Bonds auf den Markt, daneben Google-Mutter Alphabet und hierzulande Autozulieferer Schaeffler - aber alle mit hoher Stückelung von 100.000 Euro oder US-Dollar.

Von Anna-Maria Borse, 8. Mai 2026 © Deutsche Börse AG

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)