CUPERTINO (dpa-AFX) - Apple
Software-Chef Craig Federighi betonte, aus Sicht von Apple müsse "wirklich hilfreiche KI" rund um die Bedürfnisse der Nutzer aufgebaut sein. Das bedeute, dass Künstliche Intelligenz in die Produkte integriert werde, die man jeden Tag verwende, und den persönlichen Kontext zu jedem Nutzer kenne.
Keine KI-Siri auf iPhones und iPads in der EU
Für mehr Funktionen bekommt Siri, die vor rund 15 Jahren als Sprachassistentin auf Apple-Geräte kam, eine eigenständige App. Apple-Manager Mike Rockwell zeigte in einer aufgezeichneten Demonstration, wie die neue Siri den Termin des nächsten Konzerts einer Musikerin in der Nähe sowie Informationen zum Ticket-Verkauf heraussuchen, eine Erinnerung erzeugen und danach auf Wunsch einen ihrer neuen Songs abspielen kann.
Zunächst wird die neue KI-Siri nur auf Englisch angeboten. Weitere Sprachen sollen "schnell" folgen, sagte Federighi. In der Europäischen Union wird "Siri AI" vorerst generell nicht auf iPhones und iPad-Tablets verfügbar sein.
Die Apple-Aktie stieg während der Keynote um bis zu 3,3 Prozent auf ein Rekordhoch von 317,40 Dollar. Am Schluss fiel das Papier jedoch im Vergleich mit dem Vortagesschluss um 1,9 Prozent auf 301,54 Dollar zurück.
Nach Jahren voller Versprechungen habe Apple-Chef endlich eine KI-Strategie vorgestellt, die das wahre Monetarisierungspotenzial von Künstlicher Intelligenz erschließen werde, hieß es in einer ersten Einschätzung der Analysten von Wedbush. Verhaltener klang indes die Einschätzung auf der Website Vital Knowledge. Für alle, die gehofft hätten, von der aktualisierten Apple Intelligence begeistert zu werden, sei die Präsentation eine Enttäuschung gewesen, hieß es von den Marktbeobachtern dort.
KI mit Datenschutz als Versprechen
Zudem betont Apple, dass der Datenschutz garantiert sei, da die Anfragen auf den Geräten bearbeitet werden und nicht für den Konzern einsehbar seien. Federighi erlaubte sich zugleich einen Seitenhieb gegen Unternehmen die in einem Wettlauf "KI im Namen von KI" verfolgten und dabei nicht die Interessen der Nutzer beachteten. Apple greift für einen Teil der neuen Funktionen unter der Haube auf die "Gemini"-KI-Modelle von Google
Zwei Jahre Verzögerung
Während Apple mit den Siri-Problemen kämpfte, überboten sich Google als Entwickler des konkurrierenden Mobil-Betriebssystems Android und der große iPhone-Rivale Samsung
KI überall
Neben den prominent vorgestellten neuen Siri-Fähigkeiten kommt Künstliche Intelligenz wie schon seit Jahren auch in einzelnen Funktionen verschiedener Apple-Apps zum Einsatz. Die Automatisierungen in der Apple-App "Shortcuts" kann man nun per Sprachbefehl erstellen. So kann man zum Beispiel mit einem Satz eine Funktion einrichten, die der Familie automatisch die geschätzte Ankunftszeit mitteilt, wenn man sich von der Arbeit nach Hause aufmacht.
In Apples Webbrowser Safari soll KI offene Tabs nach Themen bündeln können. Bei Fotos kann man Personen innerhalb eines Bildes verschieben. Künstliche Intelligenz füllt dann entstandene Lücken oder neu benötigte Ränder aus. Google bietet eine solche Funktion bereits auf Geräten mit seinem Betriebssystem Android an.
Die Nachrichten-App wird künftig den Kontext einer Unterhaltung verstehen und selbst Vorschläge machen, welche Fotos man dazu senden könnte. Apples Home-App kann nun mit Hilfe Künstlicher Intelligenz den Inhalt von Videos eingebundener Sicherheitskameras analysieren und beschreiben.
Abschiedsrunde für Cook
Es ist die letzte WWDC für Tim Cook als Konzernchef. Im September soll der bisher für Geräte zuständige Top-Manager John Ternus die Führung übernehmen.
System-Verbesserungen
Nach Kritik, dass die halbdurchsichtigen Bedien-Elemente des aktuellen Designs "Liquid Glass" zum Teil die Lesbarkeit erschwerten, lässt Apple sie stärker anpassen. Durch ein besseres Management der Prozessor-Leistung sollen die nächsten Versionen der Apple-Betriebssysteme auch auf älteren Geräten schneller funktionieren./so/DP/men