FRANKFURT (dpa-AFX) - Die vorläufige Einigung auf einen Ausweg aus dem Iran-Krieg dürfte den deutschen Aktienmarkt zumindest zu Beginn der neuen Handelswoche stützen. Nach wochenlangen Verhandlungen hatten die Vereinigten Staaten und der Iran nach Angaben des Vermittlers Pakistan und der US-Regierung eine vorläufige Übereinkunft dafür gefunden. Auch der iranische Vizeaußenminister Kasem Gharibabadi sagte laut der Nachrichtenagentur Tasnim, der Text des Rahmenabkommens sei fertiggestellt worden.
Am Freitag soll nach der formellen Unterzeichnung die für den weltweiten Öl- und Gashandel wichtige Straße von Hormus wieder geöffnet werden. Die faktische Sperrung durch den Iran hatte die Ölpreise kräftig angetrieben. In der Folge zog die Inflation an, was die Europäische Zentralbank (EZB) am vergangenen Donnerstag zu einer Zinserhöhung nötigte. Dies bedeutet eine zusätzliche Belastung für die sich ohnehin in schwierigem Fahrwasser befindliche Wirtschaft der Eurozone.
Analyst Frank Sohlleder vom Handelshaus Activtrades hatte bereits am Freitag für den Fall einer vollständigen Öffnung der Straße von Hormus einen weiteren und massiven Rückgang der Ölpreise für möglich gehalten. Dies würde die hartnäckige Inflation sofort an der Wurzel packen und selbst die jüngste Leitzinserhöhung der EZB blitzschnell relativieren.
In der neuen Woche müssen die Mitglieder der US-Notenbank Fed bewerten, welche Auswirkungen die geopolitische Lage und die konjunkturelle Entwicklung auf die Inflation sowie den Arbeitsmarkt haben. Dabei wird die Sitzung von dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh geleitet.
Analyst Patrick Franke von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) rechnet nicht damit, dass die Fed eine Zinserhöhung beschließt. Kevin Warsh habe sich wiederholt gegen Vorfestlegungen ausgesprochen. Insofern dürfte er auch kaum auf ein klares Signal für die kommenden Sitzungen hinwirken.
Unter dem Strich bleibt das Umfeld für den deutschen Aktienmarkt erst einmal freundlich. Erst kürzlich hatte die DZ Bank ihr Ziel für den Stand des Leitindex Dax
Das Hauptszenario der DZ Bank basiert auf der Annahme einer Deeskalation am Persischen Golf, da eine Entspannung im Interesse beider Parteien liege. Auf iranischer Seite habe die Blockade die Deviseneinnahmen einbrechen lassen, da der Ölexport den Großteil der Ausfuhren stelle. Auf US-Seite belasten Analystin Birgit Henseler zufolge die Energiepreise und steigende Lebenshaltungskosten die Zustimmungswerte des US-Präsidenten. In diesem Umfeld werden die Börsen generell von dem Ausbau der Infrastruktur rund um Künstliche Intelligenz angetrieben, schrieb sie weiter. Aktuell sorgt auch der Rekord-Börsengang von Elon Musks Weltraumfirma SpaceX
Mit Blick auf den Aktienmarkt hierzulande könnte es am Freitag zu größeren Kursbewegungen kommen, denn dann ist wieder großer Verfallstag. An diesem Tag laufen Terminkontrakte auf Aktien und Indizes an den Terminbörsen aus, was für Nervosität sorgen kann.
Ebenfalls am Freitag veröffentlicht der Baumarkt- und Baustoffkonzern Hornbach Holding
Unicredit hatte Anfang Mai ein Übernahmeangebot für die Commerzbank vorgelegt und bietet dafür eigene Anteile. Bis Donnerstag bekamen die Italiener eigenen Angaben zufolge 11,22 Prozent aller Commerzbank-Aktien angedient, obwohl der Wert der Offerte rechnerisch unter dem Preis eines Commerzbank-Anteils liegt.
Damit würde der Anteil von Unicredit rechnerisch auf gut 37 Prozent steigen, zudem hat sie sich über Kaufoptionen mehr als drei Prozent der Commerzbank-Aktien gesichert und hält weitere Finanzinstrumente. Die Commerzbank hatte erst kürzlich die Finanzaufsicht Bafin eingeschaltet, weil sie bei Unicredit-Angaben ein falsches Spiel sieht.
Die Frankfurter Bank kritisiert, die angedienten Aktien stammten überwiegend von Banken und mit ihnen verbundenen Parteien, von denen einige bekannte Gegenparteien von Unicredit für Finanzinstrumente seien - und keine unabhängigen Investoren. Die Unicredit hatte den Vorwurf zurückgewiesen. Sie handle nach den gesetzlichen Anforderungen und stehe im transparenten Dialog mit der deutschen Finanzaufsicht Bafin./la/jsl/he
--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---