BERLIN (dpa-AFX) - Der Online-Gebrauchtwagenhändler Auto1
Die im MDax
Auch Analyst Marcus Diebel von der US-Bank JPMorgan zeigte sich von den Nachrichten des Unternehmens begeistert. Die langfristigen Ziele lägen deutlich über den jeweiligen Konsensschätzungen, das gelte sowohl für den Gebrauchtwagenverkauf an Autohändler als auch für den Absatz an Privatkunden. Die implizierten Margenziele befänden sich zwar unter den früheren Vorgaben, das sei angesichts der hohen Prognosen für die Volumina aber akzeptabel, so der Experte. Alles in allem errechnete Diebel aus den Langfristzielen ein Gewinnpotenzial, das rund 30 Prozent über den Marktannahmen für 2028 liege.
Im vergangenen Jahr hatte Auto1 in seinen beiden Segmenten insgesamt noch gut 842.000 Fahrzeuge abgesetzt. Für das laufende Jahr ist weiter ein Absatz von bis zu einer Million angepeilt - auch die übrigen 2026er-Ziele wurden bestätigt. Langfristig sieht Konzernchef Christian Bertermann laut Mitteilung noch "enormes" Potenzial für das Geschäft mit Privatkunden und Händler.
So geht der Konzern davon aus, dass auf lange Sicht im sogenannten Retail-Segment mit Privatkunden der Absatz um 20 bis 40 Prozent im Jahr anziehen wird. Dabei sei der Konzern bestens positioniert, vom Gesamtmarkt von 15 bis 20 Millionen Fahrzeugen pro Jahr einen signifikanten Anteil zu erschließen. Welcher Zeitraum konkret mit "langfristig" gemeint ist, nannte Auto1 indes nicht. Als nächstes Etappenziel wollen die Berliner hier aber mindestens 300.000 Autos an private Käufer ausliefern - das wäre in etwa eine Verdreifachung im Vergleich zum 2025er-Wert.
Das Geschäft mit Privatkunden wickelt Auto1 mit Plattformen wie Autohero und wirkaufendeinauto.de ab. Allerdings erzielte das Unternehmen in dem Segment im vergangenen Jahr noch pro Fahrzeug ein negatives bereinigtes Ergebnis von 410 Euro vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Dieser Wert soll sich langfristig auf plus 1.450 bis 2.410 Euro erhöhen. Als ersten Zwischenschritt peilt Auto1 dabei pro Einheit mindestens 800 Euro an. Zugleich soll der Bruttogewinn (GPU) je Fahrzeug von zuletzt 2.638 Euro langfristig um bis zu 70 Prozent anziehen.
Helfen sollen hier auch sinkende Kosten etwa für die Vermarktung, die Aufarbeitung und die Logistik. Auch allgemeine Kosten und Ausgaben etwa für die Ankauf- und Verkaufsprozesse dürften sich laut Unternehmen verringern, wobei auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz stützen soll.
Auch das bislang noch größte Standbein - das über die Plattform Auto1 abgewickelte Geschäft mit Händlern - soll sich weiter verbessern. Langfristig will der Konzern seinen Marktanteil von zuletzt 3,1 auf 10 Prozent erhöhen. Dabei setzt Auto1 auch auf ein sich mit der Zeit weiter vergrößerndes europaweites Beschaffungs- und Händlernetz.
Alles in allem erhofft sich Auto1 dadurch, seinen Absatz im sogenannten Merchant-Segment langfristig um 10 bis 15 Prozent steigern zu können. Konkret seien hier als nächstes 1,2 Millionen Fahrzeuge angepeilt, nach knapp 741.000 im vergangenen Jahr. Das operative Ergebnis pro Fahrzeug soll in dem Segment langfristig auf 480 bis 720 Euro anziehen, 2025 waren es 323 Euro. Der Bruttogewinn je Fahrzeug soll von zuletzt 976 auf langfristig 1.080 bis 1.200 steigen./tav/mne/jha/