ERFURT (dpa-AFX) - Die Verhandlungen über einen Sozialplan bei dem vor der Schließung stehenden Zalando
Der Betriebsrat erklärte, die Vorstellungen hätten zu weit auseinandergelegen. Die vom Arbeitgeber in Aussicht gestellt Summe reiche nicht aus, um die sozialen Nachteile bei dieser Standortgröße auszugleichen. Zalando habe seinen Sozialplan-Entwurf stets mit einem begrenzten Budget für den Standort Erfurt begründet.
Fronten wieder verhärtet
Die Arbeitnehmervertretung warf dem Unternehmen vor, für Luxus-Marketing und Sport-Sponsoring das Geld mit vollen Händen auszugeben. "Für die Erfurter Belegschaft, die den Konzern über ein Jahrzehnt lang auf Mindestlohn-Basis überhaupt erst groß und reich gemacht hat, bleibt am Ende nur der finanzielle Absturz und drohende Altersarmut", hieß es in einer Mitteilung des Betriebsrats.
Mit scharfer Kritik an Zalando reagierte nach den gescheiterten Sozialplan-Verhandlungen auch die Linke-Landtagsfraktion. Die vom Konzern vorgelegten Vorschläge seien nicht annehmbar und eine Unverschämtheit, erklärte Fraktionschef Christian Schaft. "Wer wie Zalando eine Milliarde hatte, um die Plattform About You zu kaufen, 300 Millionen Euro für den Rückkauf von eigenen Aktien aufgebracht hat oder teure Sponsoringdeals abschließt, dann aber sagt, es sei kein Geld für die Beschäftigten da, ist einfach absolut respektlos."
Der Sozialplan regelt den finanziellen Ausgleich für die Beschäftigten wie Abfindungen oder Prämien. Beim Interessenausgleich, der die organisatorischen Aspekte der geplanten Schließung wie Schichtplanungen regelt, wurden laut einem Unternehmenssprecher bereits gute Ergebnisse erzielt. Bei Zalando in Erfurt geht es aktuell um rund 2.000 Arbeitsplätze.
Zalando hält am Schließungsdatum fest
Nach wochenlanger Funkstille hatten Management und Betriebsrat Ende Mai die Gespräche über Interessenausgleich und Sozialplan aufgenommen. Dem war ein Vergleich vorausgegangen, der vorsah, dass zunächst außerhalb einer Einigungsstelle verhandelt wird. Da bis zum 20. Juni keine Einigung erzielt wurde, wird nun am kommenden Dienstag die Einigungsstelle unter Vorsitz eines ehemaligen Arbeitsrichters eingesetzt. Als Termin für die vorerst letzte Sitzung ist den Angaben nach der 9. Juli geplant.
Der Dax