WASHINGTON (dpa-AFX) - Die größten Banken in den USA sind nach Einschätzung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) gut für eine schwere Rezession gerüstet. Im untersuchten Szenario verloren die Institute zwar mehr als 708 Milliarden an Krediten, doch die Kapitalquote verringerte sich im Mittel nur um 1,6 Prozentpunkte, wie die Fed am Mittwochabend in Washington mitteilte. Alle 32 geprüften Banken seien über der Mindestanforderung für die Kapitalausstattung geblieben. Die ersten Institute wie Goldman Sachs
Im Stresstest wurde eine Wirtschaftskrise simuliert, in der die Preise von Gewerbeimmobilien um 39 Prozent sanken, die Werte von Wohnimmobilien gingen um 30 Prozent nach unten. Die Arbeitslosenquote kletterte auf bis zu 10 Prozent und die Wirtschaftsleistung ging entsprechend zurück.
"Die heutigen Ergebnisse unterstreichen die Stärke des Bankensystems", sagte Fed-Vizechefin Michelle Bowman, die für die Bankenaufsicht zuständig ist. Anders als in früheren Jahren wirken sich die Stresstest-Ergebnisse diesmal nicht direkt auf die Kapitalanforderungen der Banken aus. Denn die Fed überarbeitet derzeit die Tests, um diese bankenfreundlicher zu gestalten. Daher müssten die Institute nicht länger warten, um ihre Kapitalmaßnahmen bekannt zu geben.
Bankenverbände kritisieren die Stresstests seit Jahren als willkürlich und wirklichkeitsfern. Sie halten die vorgeschriebenen Kapitalpuffer für zu hoch. JPMorgan-Chef Jamie Dimon hatte das Verfahren im vergangenen Jahr sogar als "Zeitverschwendung" bezeichnet. Die Fed kündigte Ende 2024 Änderungen an und wurde kurz darauf von Branchenverbänden, die Institute wie JPMorgan und Goldman Sachs vertreten, verklagt.
Seither gibt die Fed den Banken einen früheren Einblick in die geplanten Szenarien kommender Tests. Die Geldhäuser können sich dann zu den geplanten Szenarien äußern. Kritiker warnen hingegen vor einer Verwässerung der Tests, weil die Banken bei den Bedingungen vorher mitreden könnten.
Die Aufseher der Notenbank wollen mit dem Test sicherstellen, dass die Kreditvergabe an Unternehmen und Haushalte bei einer Krise nicht abrupt ins Stocken gerät. Er ist eine Folge der schweren Finanzkrise von 2008 und soll dafür sorgen, dass Banken für Notlagen gerüstet sind und nicht wieder mit Steuergeld gerettet werden müssen.
Für viele der großen Banken ist die jährliche Prüfung auch entscheidend dafür, ob und in welchem Ausmaß mittels Dividenden oder Aktienrückkäufen Geld an Investoren ausgeschüttet werden kann.
Die Investmentbank Goldman Sachs kündigte nach Bekanntgabe der Ergebnisse an, die Quartalsdividende von 4,50 auf 5 Dollar je Aktie zu erhöhen. Die größte US-Bank JPMorgan will die Quartalsdividende von 1,50 auf 1,65 Dollar anheben und zudem 50 Milliarden Dollar in den Rückkauf eigener Aktien stecken. Auch Wells Fargo und Morgan Stanley heben die Ausschüttungen an.
Die Deutsche Bank