METZINGEN (dpa-AFX) - Im Übernahmepoker um Hugo Boss
Hugo Boss war über den Vorstoß des Großaktionärs Mitte Juni nach eigenen Angaben nicht informiert worden. Das Management um Chef Daniel Grieder ging daraufhin erst einmal bewusst in Deckung. Das Angebot kommt nicht von ungefähr: Hätte Frasers die 30-Prozent-Schwelle überschritten, wäre ein Pflichtangebot an die übrigen Aktionäre fällig geworden. Das ist vorgeschrieben. Man habe sich für ein freiwilliges Angebot entschieden, um das Investment in Hugo Boss zu festigen, hieß es.
Der Konzern hat weltweit 20.000 Beschäftigte, davon mehr als 4.400 in Deutschland. Die zuständige Gewerkschaft IG Metall hält sich mit einer Bewertung des Übernahmeversuchs zunächst zurück. Die Bezirksleiterin für Baden-Württemberg, Barbara Resch, sagte: "Die IG Metall nimmt die Übernahmepläne der Frasers Group zur Kenntnis und wird die Entwicklungen rund um Hugo Boss aufmerksam verfolgen. Wir erwarten, dass die Interessen der Beschäftigten vor Ort dabei zu jeder Zeit gewahrt bleiben."
Der Modekonzern hat aktuell mit der mauen Kauflaune seiner Kundinnen und Kunden zu kämpfen. Für das laufende Jahr erwartet das Management einen währungsbereinigten Umsatzrückgang im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern soll 300 bis 350 Millionen Euro erreichen. 2025 wurde ein Umsatz von rund 4,3 Milliarden Euro bei einem operativen Ergebnis von 391 Millionen Euro verbucht./ols/DP/nas