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Ökostrom-Rekord: Erneuerbare liefern 58 Prozent

01.07.2026
um 15:21 Uhr

BERLIN/STUTTGART (dpa-AFX) - Ökostrom ist in Deutschland weiter auf dem Vormarsch. Im ersten Halbjahr 2026 hatte klimaneutral erzeugter Strom einen so großen Anteil am Stromverbrauch wie noch nie in diesem Zeitraum. Erneuerbare Energien (EE) deckten in den ersten sechs Monaten 58 Prozent des Stromverbrauchs, wie aus Hochrechnungen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hervorgeht. Als erneuerbare Energieträger gelten Windenergie, Sonnenenergie, Biomasse, Wasserkraft sowie der organische Anteil des Abfalls.

Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2025 lag die Quote bei 55,2 Prozent, im ersten Halbjahr 2024 bei 57 Prozent. Im gesamten Jahr 2025 hatte der Anteil der Erneuerbaren am Stromverbrauch 55,8 Prozent betragen. Von dem gesetzlich vorgeschriebenen Ziel ist Deutschland damit allerdings noch deutlich entfernt: Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) schreibt vor, dass der Bruttostromverbrauch im Jahr 2030 zu mindestens 80 Prozent aus erneuerbaren Energien stammen muss.

Mehr Strom aus Wind und Sonne, weniger aus Wasserkraft

"Der Anstieg gegenüber dem windschwachen Vorjahreshalbjahr ist insbesondere auf die höhere Stromerzeugung aus Windenergie an Land (+7,0 Prozent) und auf See (+28,3 Prozent) zurückzuführen", hieß es in der Untersuchung von BDEW und ZSW. Die Stromerzeugung aus Sonnenlicht stieg um 3,7 Prozent. Weil es weniger regnete, wurde weniger Strom aus Wasserkraft erzeugt. Hier gab es einen Rückgang um 7,7 Prozent. Die Erzeugung aus Biomasse legte um 0,6 Prozent zu. Insgesamt erzeugten Erneuerbare-Energien-Anlagen von Januar bis Juni 152,2 Milliarden Kilowattstunden Strom.

ZSW und BDEW untersuchten auch den gesetzlich vorgeschriebenen Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland. Er sei im ersten Halbjahr 2026 auf hohem Niveau geblieben, hieß es. "Besonders die Photovoltaik legte weiter kräftig zu: Mit einem Bruttozubau von 8,3 Gigawatt wurde der Wert des Vorjahreszeitraums von 7,8 Gigawatt nochmals übertroffen." Bei der Windenergie wurden im ersten Halbjahr 2,5 Gigawatt neu gebaut. Im Vorjahreszeitraum waren es 2,2 Gigawatt. Bei der Windenergie auf See lag das Plus in den ersten sechs Monaten bei 0,9 Gigawatt, 2025 waren es im gesamten Jahr 0,5 Gigawatt.

Forscher: Energiekrisen durch fossile Energieträger ausgelöst

ZSW-Chef Frithjof Staiß betonte die Bedeutung erneuerbarer Energieerzeugung für die Energiepreise. "Je höher der Anteil der erneuerbaren Energien steigt, desto unabhängiger werden wir von Importen fossiler Energieträger", sagte er laut Mitteilung. Desto widerstandsfähiger werde auch die Volkswirtschaft gegenüber Energiepreisschocks. "Die Energiekrisen der vergangenen Monate und Jahre wurden durch die fossilen Energieträger ausgelöst, nicht durch die Erneuerbaren."

Der Ausbau der Erneuerbaren sei auch das "schärfste Schwert" im Kampf gegen den Klimawandel. Damit Elektrifizierung ihr volles Klimaschutzpotenzial entfalten könne, müsse der Strom aus erneuerbaren Energien stammen. Die Hitzewelle der vergangenen Tage habe sehr deutlich gezeigt, wie dringend Erfolge beim Klimaschutz erzielt werden müssten.

Erneuerbaren-Anteil an Stromerzeugung liegt bei 57,7 Prozent

Oft wird auch der Anteil der erneuerbaren Energien an der gesamten Stromerzeugung gemessen. Sie umfasst die gesamte in Deutschland erzeugte Strommenge. Nach dieser Rechnung lag der Anteil der Erneuerbaren im ersten Halbjahr bei 57,7 Prozent. Wird der Saldo des Stromaustausches über die Landesgrenzen hinzugerechnet beziehungsweise abgezogen, erhält man den Bruttostromverbrauch. Im ersten Halbjahr exportierte Deutschland den Angaben zufolge etwa 1,2 Milliarden Kilowattstunden Strom ins Ausland.

Wird nicht nur der Stromverbrauch, sondern der gesamte Energieverbrauch Deutschlands betrachtet, haben die Erneuerbaren einen deutlich geringeren Anteil am Energieträgermix. Im ersten Quartal lag er nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB) bei 21,5 Prozent. Die fossilen Energieträger Mineralöl, Erdgas, Braunkohle und Steinkohle kamen zusammen auf 77,2 Prozent. Die restlichen Anteile setzen sich vor allem aus Stromimporten sowie Strommengen zusammen, die durch Müllverbrennung erzeugt wurden./tob/DP/he