Ölpreise reagieren kaum auf Nachrichten zu Tanker-Angriff
LONDON (dpa-AFX) - Die Ölpreise haben am Dienstag im frühen Handel etwas zugelegt. Für etwas Anspannung im Handel sorgten Nachrichten über einen Angriff auf einen Tanker in der Straße von Hormus. Der Preisanstieg hielt sich aber in Grenzen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im August stieg zuletzt um 0,74 Prozent auf 72,52 US-Dollar an.
Die Crew eines Tankers in der Straße von Hormus hatte einen Angriff auf ihr Schiff gemeldet. An Bord sei ein Feuer ausgebrochen, teilte die britische Behörde für Sicherheit der Handelsschifffahrt (UKMTO) unter Berufung auf Angaben der Schiffbesatzung mit. Der Tanker sei rund acht Seemeilen vor dem omanischen Küstenort Lima von einem "unbekannten Geschoss" getroffen worden. Verletzt worden sei niemand.
Wer hinter dem Angriff steckt, blieb zunächst unklar. Das Portal "Axios" berichtete unter Berufung auf zwei US-Beamte, die iranischen Revolutionsgarden hätten mindestens zwei Raketen auf Frachter abgefeuert. Einer der Beamten sagte demnach, zwei Schiffe seien durch den Beschuss stark beschädigt worden. Eine offizielle Reaktion der US-Regierung blieb zunächst aus.
Die strategisch wichtige Meerenge, die die Produzenten am Persischen Golf mit den Weltmärkten verbindet, ist nach einer fast vollständigen Schließung infolge des US-Iran-Kriegs wieder teilweise geöffnet. "Die jüngsten Angriffe auf Schiffe im Persischen Golf zeigen, dass wir von einer Normalisierung noch weit entfernt sind", sagte Warren Patterson, Rohstoffstratege bei ING in Singapur, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Eine begrenzte Reaktion der USA auf den Angriff könne den Ölpreis kurzfristig stützen, doch angesichts der negativen Stimmung und der Nachfrageschwäche dürfte jede Erholung nur von kurzer Dauer sein.
Gestern hatte zudem Saudi-Arabien die größten Preissenkungen seit Jahren vorgenommen. Händler werteten dies als Zeichen für den wachsenden Wettbewerb, da die Lieferungen aus dem Persischen Golf wieder anlaufen./stk/mis