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EU-Kommission will mehr Eiweiß aus Europa

07.07.2026
um 16:55 Uhr

STRASSBURG (dpa-AFX) - Europäische Landwirte sollen zum Füttern ihrer Nutztiere nach Vorstellung der EU-Kommission verstärkt auf heimische Pflanzen zurückgreifen können. Die Brüsseler Behörde will den Anbau von Eiweißpflanzen in Europa fördern und deren Wettbewerbsfähigkeit verbessern, wie sie mitteilt. 2025 stammten ihren Angaben nach nur 25 Prozent der Ölsaaten und Eiweißpflanzen, die zur Tierfütterung in der EU verwendet wurden, aus der Union. Als neuen Richtwert setzt die Kommission 35 Prozent bis 2035. Das soll die Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten verringern.

Die EU-Staaten sollen dafür unter anderem Hülsenfrüchte und Soja mit EU-Mitteln fördern. Hülsenfrüchte in der Fruchtfolge haben auch den Vorteil, dass sie den Düngemittelbedarf und die Treibhausgasemissionen senken, wie ein EU-Beamter sagte. Die Kommission sieht auch Potenzial bei nachhaltig angebauten Biokraftstoffen und einer effizienteren Nutzung von Biomasse.

Viel wird aus Partnerländern importiert

In der Tierhaltung in der EU werden laut EU-Kommission jährlich 74 Millionen Tonnen Protein als Futtermittel verbraucht. Rund 26 Prozent davon werden eingeführt, insbesondere Soja. Proteinreiche Pflanzen werden vorwiegend als Sojabohnen und -schrot importiert, vor allem aus den USA, Brasilien und Argentinien.

Brasilien und Argentinien zählen zu den südamerikanischen Mercosur-Staaten, mit denen die EU seit Mai eine Freihandelszone bildet. Durch die Liberalisierung des Handels könnten Preise sinken, etwa die für Soja.

Künftig soll nach Vorstellung der EU-Kommission zudem ein größerer Teil aus ukrainischer Herstellung abgedeckt werden. Allein durch einen Beitritt der Ukraine zur EU würde das Handelsdefizit bei pflanzlichem Eiweiß von 13,9 Millionen auf 4,7 Millionen Tonnen sinken, schreibt die Behörde.

Verbesserungen für Tierhalter angekündigt

Die EU-Kommission legte außerdem eine Strategie vor, wie sie die Tierhaltung stärken will, damit diese widerstandsfähig, wettbewerbsfähig und nachhaltig bleibe. Sie mache 40 Prozent der Wertschöpfung der EU-Landwirtschaft aus, erwirtschafte einen Jahresumsatz von 400 Milliarden Euro und gebe 7 Millionen Menschen Arbeit. Doch unter anderem Tierkrankheiten, Klimawandel, Marktveränderungen, hohe Produktionskosten und ein Mangel junger Landwirte seien Herausforderungen.

Die Behörde kündigte unter anderem einen besseren Zugang zu Versicherungen und mögliche Lösungen wie mobile Schlachthäuser an, um diesen Teil der Landwirtschaft in vielen Regionen erhalten zu können. Gleichzeitig sollen weiter Emissionen gesenkt werden.

Die Zukunft von Legehennen

Bei dieser Gelegenheit erwähnte die Behörde auch erneut ihr Ziel, schrittweise aus der Käfighaltung auszusteigen. Sie nannte nun konkrete Zeitpunkte: Bis Ende des Jahres soll ein Gesetzesentwurf zum Tierwohl von Masthühnern und Legehennen vorgelegt werden. Darin soll es unter anderem auch um ein Ende der systematischen Tötung männlicher Eintagsküken gehen. Mittlerweile ist es technisch möglich, schon im Brutstadium das Geschlecht von Hühnerembryonen festzustellen, wie eine EU-Beamtin sagte. Für das zweite Quartal 2027 kündigte die EU-Kommission einen Vorschlag zu Schweinen an.

Bei den Vorschlägen werde es auch um praxisnähere Tierschutzindikatoren für den landwirtschaftlichen Betrieb gehen. An importierte Produkte sollen zudem künftig Anforderungen an den Tierschutz gestellt werden, die gleichwertig mit dem in der EU sein sollen. Auch sollen Landwirte bei der Umstellung unterstützt werden, etwa durch Förderprogramme. Die Kommission werde zudem mit der Europäischen Investitionsbank prüfen, ob bei Tierschutzmaßnahmen ein bevorzugter Zugang zu Darlehen möglich sei./wea/DP/jha