Jugendliche: Scrollen inspiriert und nimmt Konzentration
MAINZ (dpa-AFX) - Intensiver Austausch und schnelle Informationen, aber auch Hass, Mobbing, Fake News und drastische Bilder: Jugendliche empfinden Social Media einer Studie zufolge als "ständiges Wechselspiel zwischen positiven Erlebnissen und belastenden Erfahrungen".
72 Prozent geben an, dass Social Media sie von Dingen ablenkt, die sie eigentlich tun sollten, heißt es in der repräsentativen JIM-plus-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbands Südwest, die in Mainz vorgestellt wurde. Mehr als jeder zweite 14- bis 17-Jährige (55 Prozent) berichtet, dass ihm dadurch Zeit für Erholung und Freizeitaktivitäten fehlt. Die häufigste Nebenwirkung des Dauerscrollens: eine spürbare Verringerung der Konzentrationsfähigkeit (40 Prozent).
Wichtiger Zugang zu Wissen
Die Plattformen bieten aber für 82 Prozent auch einen wichtigen Zugang zu Wissen. Und etwa die Hälfte berichtet, sich dort verstanden zu fühlen, heißt es in der Studie.
Als besonders belastend nehmen die jungen Menschen ungewollte Nacktbilder, Mobbing und drastische Gewaltdarstellungen wahr. Aber auch Inhalte, die Essstörungen oder selbstverletzendes Verhalten verharmlosten.
Verbote werden differenziert gesehen
Kein eindeutiges Bild beim aktuell diskutierten Thema Altersgrenzen: Mehr als die Hälfte steht einem Verbot skeptisch gegenüber, da sie dessen Wirksamkeit bezweifelt. 43 Prozent seien aber auch der Meinung, dass Social Media für alle unter einem bestimmten Alter verboten sein sollte.
Die Mehrheit der Plattformnutzenden empfiehlt rückblickend zumindest ein höheres Einstiegsalter, als sie es selbst bei der ersten Nutzung hatten. In der aktuellen Verbotsdebatte sehen weniger als zehn Prozent die Perspektive von Jugendlichen als ausreichend berücksichtigt.
Die Studie ist eine Ergänzung der seit 1998 jährlich veröffentlichten JIM-Studien zum Medienverhalten Jugendlicher in Deutschland. JIM steht für Jugend, Information und Medien. Zum Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest gehören die Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK) und der Medienanstalt Rheinland-Pfalz, in Zusammenarbeit mit dem SWR./irs/DP/men