TOSTEDT/BERLIN (dpa-AFX) - Der Pipeline- und Anlagenbauer Friedrich Vorwerk
Die im SDax
Ein Händler sprach in einer ersten Reaktion von "alles in allem positiven Resultaten" bei Friedrich Vorwerk. Das Unternehmen könne einen bemerkenswert hohen Anteil des ausgewiesenen Gewinns tatsächlich in Barmittel umwandeln, hob er zudem hervor. Auch laut Experte Martin Comtesse vom Investmenthaus Jefferies hat der Energieinfrastruktur-Experte stark abgeschnitten. Er kritisierte jedoch, dass sich das Wachstum der Aufträge im ersten Halbjahr merklich verlangsamt habe.
Friedrich Vorwerk erwartet nun für 2026 ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) bei 180 bis 200 Millionen Euro verglichen mit gut 163 Millionen Euro im Jahr 2025, wie das Unternehmen zur Wochenmitte überraschend in Tostedt mitteilte. Zuvor hatte der Konzern noch 160 bis 180 Millionen Euro angesteuert. Die Prognose für den Jahresumsatz von 730 bis 780 Millionen Euro ist unverändert.
Seinen Optimismus begründete das Unternehmen mit starken ersten sechs Monaten. So war das operative Ergebnis um 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 92,6 Millionen Euro geklettert. Dieser Zuwachs sei unter anderem das Resultat erfolgreich durchgeführter Projekte und einer starken Auftragslage, hieß es. Der Auftragseingang lag demnach im ersten Halbjahr bei 321 Millionen Euro, nach gut 220 Millionen Euro im Vorjahr. Der Umsatz stieg im selben Zeitraum um 11 Prozent auf 337,3 Millionen Euro.
Vorwerk-Großaktionär MBB kündigte unterdessen vor allem dank der guten Entwicklung bei Friedrich Vorwerk eine höhere Profitabilität für das Jahr an. Die Berliner Beteiligungsgesellschaft will nun eine operative Marge (bereinigte Ebitda-Marge) von 18 bis 20 Prozent erzielen - bisher waren noch 15 bis 18 Prozent angepeilt.
Die aktuell von Torben Kleinfeldt gesteuerte Friedrich Vorwerk ist auf Pipelines und Anlagen für Erdgas-, Strom- und Wasserstoffanwendungen spezialisiert. Das Unternehmen gilt als wesentlicher Profiteur des massiven Netzausbaus und der Energiewende in Europa. Erst kürzlich erhielten die Niedersachsen als Teil einer Arbeitsgemeinschaft einen Großauftrag für den Neubau der Wasserstoff-Pipeline "H2Coastlink 1" von Emden nach Leer, die als wichtiges strategisches Projekt im Nordwesten Deutschlands gilt. Der Auftragswert liegt laut Unternehmensangaben von Mitte Juli im zweistelligen Millionenbereich.
Seit 2021 ist das Unternehmen börsennotiert, im April 2025 zog die Aktie in den SDax ein. Der Wert der Vorwerk-Aktie ist dank des guten Geschäftsverlaufs binnen drei Jahren auf das Sechseinhalbfache gestiegen. Vom bisherigen Hoch bei gut 109 Euro im Oktober 2025 ist das Papier inzwischen aber weit entfernt.
Stark unter Druck kam die Aktie durch den von der Bundesregierung vorgelegten Gesetzesentwurf, welcher Freileitungen gegenüber unterirdisch verlegten Kabeln bei neuen Hochspannungsübertragungsprojekten vorzieht. Mitte Juni erreichte das Papier daraufhin ein Jahrestief bei 55 Euro. Inzwischen hat sich die Aktie wieder deutlich erholt.
Erst in der vergangenen Woche ein optimistischer Analystenkommentar der Privatbank Berenbank dem Kurs weiter auf die Sprünge geholfen. Branchenexperte Lasse Strueben erläuterte darin seine Ansicht, dass der Markt die negativen Auswirkungen der geplanten Gesetzesänderung auf die mittelfristigen Wachstumsaussichten von Friedrich Vorwerk überschätzt. Mit den aktuellen Gewinnen von diesem Mittwoch auf fast 75 Euro reduziert sich das bisherige Jahresminus für den Anteilsschein auf rund acht Prozent./tav/men/mis