ROUNDUP/Notstand: Waldbrände in Spanien und Frankreich wüten weiter
BORDEAUX/MADRID (dpa-AFX) - Schwere Waldbrände halten Frankreich und Spanien weiter in Atem. Während bei Madrid und in einer anderen spanischen Region der Notstand ausgerufen wurde, mussten an der französischen Atlantikküste Zehntausende weitere Touristen vorsorglich ihre Urlaubsquartiere räumen. In beiden Ländern sprechen die Behörden von ungünstigen Wetterbedingungen, die die Löscharbeiten erschweren.
Wegen der sich weiter unkontrolliert ausdehnenden Waldbrände an Frankreichs Atlantikküste wurden inzwischen insgesamt rund 63.000 Menschen evakuiert. An der auch bei deutschen Touristen beliebten Küste bei Bordeaux mussten weitere 20.000 Menschen zehn am Becken von Arcachon gelegene Orte verlassen, wie Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez sagte. Rund 20.000 Menschen waren zuvor bereits vor allem von Campingplätzen und aus Ferienanlagen evakuiert worden. Von Cap Ferret aus wurden für die Evakuierung seit dem Morgen auch Schiffe eingesetzt.
Das Feuer habe sich inzwischen auf 10.000 Hektar Fläche ausgedehnt. Das ist eine Fläche knapp so groß wie Paris. 80 Gebäude wurden von den Flammen beschädigt und davon 50 zerstört. 1.500 Feuerwehrleute kämpften gegen den Brand mit dem Ziel, Menschenleben und Gebäude zu retten, sagte der Minister. Unterstützt würden sie von einer großen Zahl an Löschflugzeugen. Bislang kam von der Bevölkerung niemand zu Schaden. 27 Feuerwehrleute allerdings wurden überwiegend leicht verletzt.
In Brand geratener Lieferwagen setzt Wald in Flammen
Wegen eines weiteren Brandes an der Atlantikküste südlich von Bordeaux im Bereich des Ortes Biscarrosse mussten inzwischen 23.000 Menschen evakuiert werden. Auch hier waren vor allem Campingplätze und Urlaubsquartiere betroffen. Der Brand hat sich auf 2.500 Hektar Fläche ausgedehnt, sagte der Minister. Dort hatte ein Lieferwagen auf einer durch einen Wald führenden Landstraße wahrscheinlich wegen eines technischen Defekts Feuer gefangen. Die Flammen griffen dann schnell auf die Natur über. 100 Häuser wurden durch den Brand beschädigt, 700 Feuerwehrleute sind im Einsatz.
Wann die Touristen in ihre Urlaubsquartiere zurückkönnen, ist noch vollkommen offen. Vorläufig kamen die Betroffenen in Notunterkünften und Ausweichquartieren in angrenzenden Urlaubsorten unter. In Bordeaux wurde auch eine Messehalle zur Einquartierung evakuierter Touristen geöffnet. Die Gendarmerie koordiniert die Evakuierungen und bewacht die verwaisten Campingplätze und Ferienzentren, wo viele Menschen Wohnwagen und Zelte zurücklassen mussten.
Lage an Atlantikküste bleibt ungünstig
Die Lage zur Eindämmung und Bekämpfung der Brände blieb unterdessen schwierig. Es wurden erneut Temperaturen von bis zu 39 Grad in der Region erwartet. Wie die Präfektur des Départements Landes mit Blick auf den Brand in Biscarrosse am Morgen mitteilte, sei das Feuer noch nicht unter Kontrolle. Es wehe Wind und die Lage bleibe weiterhin sehr unbeständig und ungünstig.
Unterstützung bei den Löscharbeiten erhält Frankreich nun auch über den Hilfsmechanismus der Europäischen Union. Wie Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erklärte, kämen zur Unterstützung unter anderem zwei Löschflugzeuge aus Kroatien sowie Hubschrauber aus Tschechien und der Slowakei. Außerdem rüstet Frankreich kurzfristig ein großes Militärtransportflugzeug des Typs Airbus A400M für Löscheinsätze um, das schon binnen einiger Tage einsatzklar sein soll, kündigte das Verteidigungsministerium an.
Die Waldbrände treffen Frankreich in diesem Sommer besonders hart. Wie Innenminister Nuñez sagte, seien in diesem Jahr bislang bereits 50.000 Hektar Fläche von Waldbränden betroffen worden, dreimal so viel wie im Vorjahreszeitraum.
Spanien ruft Notstand aus
Wegen der schweren Waldbrände hat Spanien für die Umgebung der Hauptstadt Madrid und eine weitere Region den Notstand ausgerufen. Das Innenministerium kündigte in der Nacht die Entsendung weiterer Kräfte zur Bekämpfung der Flammen an. Das operative Kommando übernahm eine militärische Kriseneinheit, die direkt bei der Regierung angesiedelt ist. Zudem steht mit der Ausrufung eines "Notstands von nationaler Tragweite" mehr Geld zur Verfügung.
Nach einem Bericht des öffentlich-rechtlichen Senders RTVE ist dies das erste Mal, dass wegen Waldbränden ein solcher Notstand erklärt wird. Wegen der Brände mussten inzwischen mehr als 20.000 Menschen ihre Häuser verlassen, die meisten davon im Großraum Madrid. In der nordwestlich davon gelegenen Region Ávila wurden etwa 1.500 Anwohnerinnen und Anwohner evakuiert. In mehreren Gemeinden bedrohten die Flammen sogar das Zentrum.
Wetterlage am Freitag "besonders ungünstig"
Viele warten nun in Notunterkünften, bei Familienangehörigen oder Freunden darauf, dass sie zurückkönnen - ohne dass es dafür einen konkreten Termin gibt. Befürchtet wird, dass noch mehr Menschen evakuiert werden müssen, weil die Feuer nicht mehr unter Kontrolle gehalten werden können. Das Innenministerium warnte für Freitag vor "besonders ungünstigen" Wetterbedingungen: Starke Windböen könnten die Brände weiter anfachen. Insgesamt sind in Spanien dieses Jahr bereits mehr als 125.000 Hektar Land verbrannt./evs/DP/stw