SHANGHAI (dpa-AFX) - Der Hunger nach Computerchips im weltweiten Rennen um die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz hat dem chinesischen Hersteller CXMT einen Traum-Börsenstart geebnet. Zum Handelsbeginn sprang das Papier des Halbleiterfertigers aus dem ostchinesischen Hefei um mehr als 472 Prozent auf 49,50 Yuan in die Höhe. Im weiteren Handelsverlauf baute das Papier das Plus auf bis zu 535 Prozent aus.
Gemessen an dem damit erreichten Börsenkurs von rund 55 Yuan wird CXMT mit rund 3,7 Billionen Yuan bewertet. Dies sind umgerechnet knapp 550 Milliarden Dollar. Damit ist der Chiphersteller auf einen Schlag zum wertvollsten Unternehmen Chinas geworden. An den chinesischen Festlandsbörsen ist CXMT mit der Bewertung der mit Abstand teuerste Konzern; bei den in Hongkong notierten Unternehmen kann im Augenblick nur Tencent
CXMT nimmt mit Börsengang rund zehn Milliarden Dollar ein
CXMT, gegründet als ChangXin Memory Technologies, ist Spezialist in der Fertigung von DRAM-Speichern. Die Chips dienen in Computern oder Smartphones als temporäre Speicher von Daten. Sie sorgen dafür, dass die Geräte auf Hochleistung arbeiten können, indem sie schnellen Datenzugriff ermöglichen, während auf den Geräten Anwendungen laufen. In der KI-Entwicklung sind die Chips wichtig, weil sie die Trainingsdaten der Modelle zwischenspeichern und damit als eine Art Gehirn fungieren.
Der Ausgabepreis für einen der rund 6,69 Milliarden Anteilsscheine hatte bei 8,66 Yuan gelegen. Das Unternehmen nahm damit 66,6 Milliarden Yuan oder umgerechnet knapp zehn Milliarden Dollar ein. CXMT ist damit die zweitgrößte Emission an den chinesischen Festlandbörsen - lediglich die Agricultural Bank of China hatte im Jahr 2010 etwas mehr erlöst. Der Kursanstieg von 472 Prozent mit dem ersten Kurs ist zudem einer der höchsten in der Börsengeschichte Chinas.
Was CXMT mit dem Geld vorhat
Mit dem Geld will CXMT laut dem Börsenprospekt zur Erstnotiz seine Produktion ausweiten sowie in Forschung und Entwicklung seiner DRAM-Chips investieren. Die hohe Nachfrage nach solchen Chips im Zuge des globalen Rennens um die Entwicklung neuer KI-Modelle hat für einen Angebotsengpass in der Branche gesorgt, vor allem bei Herstellern von Alltagselektronikgeräten.
Der Börsengang schließt an weitere Debüts in der Branche an. Mitte des Monats hatte der südkoreanische Chiphersteller SK Hynix
USA und China wetteifern um KI
Die KI-Entwicklung ist mittlerweile zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den beiden Rivalen USA und China geworden. Wegen der von Zöllen und Exportkontrollen geprägten handelspolitischen Spannungen zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt wird die Reduzierung von Abhängigkeiten auch bei Technologie immer wichtiger.
Lange gingen Beobachter davon aus, dass die Chinesen ihrer US-Konkurrenz noch hinterherhinken. Das jüngst veröffentlichte Modell "Kimi K3" der chinesischen Firma Moonshot stellte in Leistungsmessungen nach eigenen Angaben die US-Spitzen-KI-Modelle in einigen Bereichen in den Schatten./jon/DP/zb/men