FRANKFURT (dpa-AFX) - Ungeachtet geopolitischer Brandherde könnte die bislang mehrheitlich positiv aufgenommene Unternehmensberichtssaison den Dax
"Eine Flut überwiegend positiver Quartalszahlen sorgt derzeit für Rückenwind und überlagert die geopolitischen Sorgen zumindest vorübergehend. Die Berichtssaison könnte den Märkten eine neue Navigationsroute weisen und den Investoren den zuletzt verloren geglaubten Kompass zurückgeben", glaubt Marktanalyst Timo Emden von Emden Research.
Der Iran-Krieg sei jedoch nach wie vor ein Unsicherheitsfaktor, der jederzeit für erhöhte Nervosität sorgen könne, so Emden weiter. Insofern dürfte die "Gratwanderung zwischen Gewinnoptimismus und Risikobewusstsein den Handel weiter prägen". Der weitere Weg in Richtung Rekordhöhen sei entsprechend schmal.
Für Daniela Hathorn, Marktanalystin bei der Handelsplattform capital.com, zeigt die aktuelle Berichtssaison erneut, "dass Anleger Unternehmen belohnen, die KI-Investitionen in greifbares Wachstum umwandeln können. Gleichzeitig bleiben sie bei steigenden Investitionsausgaben ohne klar erkennbare Rendite skeptisch".
Aus Sicht des Aktienstrategen Markus Reinwand von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) ist bei der anhaltenden Diskussion um eine KI-Blase nicht die aktuelle Bewertung besorgniserregend. Denn sie bewege sich selbst bei den Halbleiterwerten dank üppiger Gewinne nur auf einem Durchschnittsniveau. Vielmehr bestünden Zweifel an der Nachhaltigkeit dieser Gewinne, wenn man die Zyklizität dieses Sektors und die Erfahrungen aus anderen von Megathemen geprägten Phasen berücksichtige.
Die Hoffnung auf weiterhin überwiegend gute Bilanzen könnten in der neuen Woche zahlreiche Unternehmen unter Beweis stellen. Allein aus dem 40 Werte umfassenden deutschen Leitindex Dax stehen bei rund der Hälfte der Unternehmen Quartalszahlen zur Veröffentlichung an. Am Dienstag wollen Bayer
Für Mittwoch stehen die Resultate von Fresenius
Flankiert wird die Zahlenflut der Unternehmen in der neuen Woche von einigen wichtigen Konjunkturdaten. Laut Helaba-Expertin Claudia Windt könnten aktuelle Daten zu den deutschen und europäischen Einkaufsmanagerumfragen aufzeigen, "ob die solide Grundstimmung auch zu Beginn des dritten Quartals noch trägt". Frische Produktionszahlen und Auftragseingänge aus Deutschland könnten signalisieren, "ob sich eine Belebung der Industrie in den harten Zahlen niederschlägt". In den USA steht der monatliche Arbeitsmarktbericht im Fokus.
Zuletzt stand der Iran-Krieg und dessen Folgen einer beschleunigten deutschen Wirtschaftsleistung nicht im Weg. Mit 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnete die heimische Wirtschaft das stärkste Wachstum in den vergangenen dreieinhalb Jahren verzeichnet, bemerkte Analyst Sascha Rehbein von der Weberbank. "Die Wachstumsdynamik hat sich in den letzten vier Quartalen sukzessive verbessert, und auch der Ausblick bleibt aus unserer Sicht vorsichtig optimistisch."
Nach Einschätzung von Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, besteht nach den jüngsten Inflationsdaten für Deutschland und die Eurozone für die Europäische Zentralbank (EZB) damit kein akuter Handlungsbedarf. "Ob die europäischen Währungshüter auf ihrer nächsten Sitzung im September den Zins anheben werden, darf infrage gestellt werden." Ein denkbares Szenario wäre auch, dass die EZB vorerst in der Beobachterrolle bleibt und erst im Dezember den Zins erneut um 0,25 Prozentpunkte anhebt./edh/la/mis
--- Von Eduard Holetic, dpa-AFX ---