Ölpreise geben nach Höhenflug nach - Golf-Staaten wollen sprechen
NEW YORK/LONDON (dpa-AFX) - Die Ölpreise haben am Freitag nach ihrem jüngsten Höhenflug nachgegeben. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Referenzsorte Brent aus der Nordsee mit Lieferung im November beträgt 104,74 US-Dollar. Das waren 2,70 Prozent weniger als am Vortag. In der Nacht war der Preis noch bis auf 109,58 US-Dollar gestiegen. Zum Wochenstart hatte ein Barrel noch rund 96 Dollar gekostet.
Nach der jüngsten Zuspitzung der Lage im Nahen Osten gab es am Freitag leichte Entspannungszeichen. Der Iran und Staaten am Persischen Golf wollen an diesem Montag über die umkämpfte Straße von Hormus sprechen. Ausgerichtet wird das Treffen im Oman, wie das iranische Außenministerium bestätigte. Teilnehmen sollen nach Informationen des Nachrichtenportals "Iran Nuances" die Außenminister aus dem Iran, Irak, Oman, Kuwait, Bahrain, Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien. Kurz nach Kriegsbeginn Ende Februar blockierte der Iran dort mit Drohungen und Angriffen auf Schiffe weitestgehend den weltweit wichtigen Seetransport von Öl, Erdgas und Dünger.
In den vergangenen zwei Wochen hatten sich die Kämpfe im gesamten Nahen Osten verschärft. Die Spannungen blieben bis zuletzt hoch. In der Straße von Hormus sind erneut zwei Schiffe angegriffen worden. Der Kapitän eines anderen Schiffes habe beobachtet, wie "vier unbekannte Geschosse" die beiden Schiffe getroffen hätten, meldete die britische Behörde zur Sicherheit der Schifffahrt (UKMTO). Die Huthi-Miliz hat nach Angaben aus jemenitischen Militärkreisen und Augenzeugenberichten zufolge zudem die strategisch wichtige Hafenstadt Mokka an der Westküste des Jemens eingenommen. Die vom Iran unterstützte Miliz kontrolliert damit einen wichtigen Zugang zur Meerenge Bab al-Mandab am südlichen Ende des Roten Meeres. Im Jemen kämpfen die vom Iran unterstützten Huthi gegen die Regierung, die von Saudi-Arabien unterstützt wird, und verbündete Milizen.
Die Internationale Energieagentur (IEA) hat erneut ihre Prognose für die Ölnachfrage deutlich gesenkt. In diesem Jahr dürfte die tägliche globale Nachfrage nach Rohöl um durchschnittlich 2,5 Millionen Barrel je Tag sinken. Der Rückgang ist um 940.000 Barrel höher als zuletzt erwartet. Der Rückgang wäre der stärkste seit dem Jahr 2020 - damals belastete die Corona-Pandemie die Nachfrage. Die Rückkehr zu einem Angebotsüberschuss werde sich bis zum Jahr 2027 verzögern
"Die weltweiten Ölvorräte schmelzen in Rekordtempo", erklärte die IEA. "Angesichts der nach wie vor knappen Vorräte und der sich rasch erschöpfenden kommerziellen Lagerbestände könnten in den kommenden Monaten weitere Nachfragerückgänge erforderlich sein, um die Lücke zu schließen." Eine sinkende Nachfrage dämpft tendenziell die Preisentwicklung./jsl/nas