(neu: Mit Bestätigung von Evonik.)
LONDON (dpa-AFX) - Mitten in einer tiefen Branchenkrise hat der Chemiekonzern BASF
Laut Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg hat BASF seit mehreren Monaten mit Beratern einen Deal sondiert. Die "FT" berichtete am Freitag zuvor unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen, dass die Ludwigshafener hinsichtlich einer Übernahme nicht nur mit dem Unternehmen, sondern auch mit der RAG-Stiftung als Evonik-Großaktionärin gesprochen hätten.
Der weltgrößte Chemiekonzern wolle mit einem Kauf seinen regionalen Fußabdruck sowie seine Produktpalette ausbauen, unter anderem, um im Wettbewerb mit chinesischen Anbietern stärker dazustehen, hieß es in dem Blatt. Ein Deal wäre angesichts Evoniks Börsenwert von mehr als 8 Milliarden Euro groß.
BASF-Aktien sackten am Nachmittag um gut 2 Prozent ab, Evonik-Papiere zogen um mehr als 9 Prozent an. Bereits am Dienstag hatte das Fachmedium "Dealreporter" über ein Interesse von BASF an Evonik berichtet. Seitdem haben sich Evonik-Aktien sukzessive erholt, nun mit kräftigem Schwung.
BASF nahm zu den Berichten zunächst keine Stellung. Die RAG-Stiftung wollte sich der "FT" zufolge ebenfalls nicht äußern. Die RAG-Stiftung hält laut Evonik-Webseite 43 Prozent an dem Unternehmen, ihre Stimme gilt als wegweisend für einen möglichen Zusammenschluss.
Chemiekonzerne haben es derzeit angesichts stark anziehender Energiekosten infolge des Kriegs im Nahen Osten schwer, auch wenn es in einigen Fällen wegen Knappheiten ihrer Produkte eine Sonderkonjunktur mit steigenden Verkaufspreisen gibt.
BASF baut seit einiger Zeit Stellen ab, um die Kosten im Griff zu halten. Von Januar 2024 bis Ende Juni 2026 habe das Unternehmen weltweit rund 7.000 Stellen abgebaut, teilte das Unternehmen Ende Juli zur Halbjahresbilanz mit. Dank steigender Preise konnte BASF-Chef Markus Kamieth allerdings die Gewinnprognose für das laufende Jahr anheben.
Neben einem Stellenabbau vor allem im Stammwerk Ludwigshafen setzt das Unternehmen auch schon länger auf den Umbau seiner Struktur. So hat BASF Ende Juni den Verkauf von 60 Prozent des Fahrzeugserien- und Autoreparaturlack-Geschäfts an den US-Finanzinvestor Carlyle
Auch bei Evonik wird gespart - trotz im Sommer ebenfalls erhöhter Gewinnaussichten. Bis Ende 2029 sollen weitere 3.200 Stellen gestrichen werden, davon 2.150 in Deutschland. Zudem kündigte der Chemiekonzern an, das unprofitable Polyester-Geschäft mit einem Jahresumsatz von rund 150 Millionen Euro einzustellen.
Von Massengeschäften verabschieden sich die Essener, weitere Verkäufe stehen noch an. So strebt Evonik die Trennung vom Geschäft mit Standardchemikalien der Sparte Performance Materials an. Krankheitsbedingt ist der etatmäßige Chef Christian Kullmann nach einer Operation derzeit nicht an Bord, vertreten wird er von Asien-Chef Claus Rettig./men/nas