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Mögliche Weichenstellung für Evonik-Übernahme durch BASF vor dem Wochenende

09.10.2026
um 09:49 Uhr

ESSEN/LUDWIGSHAFEN (dpa-AFX) - Mit Blick auf die vom Chemiekonzern BASF angestrebte Übernahme von Evonik könnte es diesen Freitag Weichenstellungen geben. Laut einer Sprecherin der RAG-Stiftung, der mit 43 Prozent größten Evonik-Anteilseignerin, tagt das Kuratorium der Stiftung an diesem Freitag. Zudem berichtete die "Rheinische Post" unter Berufung auf Branchenkreise, dass ebenfalls am heutigen Freitag der BASF-Aufsichtsrat beraten wird.

Vor knapp zwei Wochen hatten die beteiligten Unternehmen sowie die RAG-Stiftung als größte Evonik-Anteilseignerin bekannt gemacht, dass es ein Angebot der BASF für den Spezialchemiekonzern aus Essen gibt. Evonik sprach von einer unverbindlichen Ansprache durch die BASF. "Diese ist auf ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für sämtliche Aktien der Gesellschaft gerichtet." Gespräche fänden derzeit nicht statt. BASF hatte mitgeteilt: "Fortgang und Ausgang der Sondierungen sind gegenwärtig offen."

Laut der "Financial Times" stand ein Angebot in Höhe von 22,15 Euro je Evonik-Aktie im Raum. Vor ersten Berichten über die Pläne der BASF hatten die Evonik-Aktien gut 18 Euro gekostet, aktuell notieren sie etwas über 21 Euro. Analyst Sebastian Bray von der Privatbank Berenberg hält sogar eine Offerte von 24 bis 25 Euro für denkbar.

Beide Unternehmen profitieren aktuell zwar ein Stück weit von einer Sonderkonjunktur durch die teilweise Sperrung der Straße von Hormus infolge des Krieges zwischen den USA und dem Iran. Die Sperrung der wichtigen Seefahrtroute führte zu Ölengpässen vor allem in Asien, was der dort ansässigen Konkurrenz europäischer Chemiekonzerne schwer zu schaffen machte und teils immer noch macht. Gleichzeitig steckt die europäische Chemieindustrie aber schon länger in der Krise, die Konkurrenz aus Asien wächst. Viele Konzerne bauen um, so auch BASF und Evonik. Daher ist eine mögliche Übernahme auch ein politisch aufgeladenes Thema.

So hatte vor wenigen Tagen die oppositionelle SPD eine Beteiligung des Landes Nordrhein-Westfalen an Evonik vorgeschlagen. Die Landesregierung solle prüfen, ob das Land selbst als Gesellschafterin aktiv werde, "und somit RAG-Stiftung und Land NRW über 50 Prozent plus X am Konzern verfügen", heißt es in einem Antrag der SPD-Landtagsfraktion.

Und erst am Vortag rief die Gewerkschaft IGBCE zur Besonnenheit auf. Es dürfe jetzt keine Schnellschüsse geben, hieß es in einem von Skepsis geprägten Brief des IGBCE-Vorsitzenden Michael Vassiliadis und des Hauptvorstandsmitglieds Alexander Bercht an die Betriebsräte der beiden Unternehmen.

"Diese Initiative kommt in einer sensiblen Zeit, für beide Unternehmen, aber auch für die Chemieindustrie in Deutschland und Europa insgesamt", schreiben die Gewerkschafter in dem dreiseitigen Brief. Der Druck auf die deutschen Standorte und Arbeitsplätze sei unvermindert hoch und präge den Alltag in beiden Unternehmen seit Jahren./mis/tob/men/stk

BASF SE

WKN BASF11 ISIN DE000BASF111

Evonik Industries AG

WKN EVNK01 ISIN DE000EVNK013