FRANKFURT (dpa-AFX) - Übernahmefantasie hat den Aktienkurs des Spezialchemiekonzerns Evonik
Laut einer Sprecherin der RAG-Stiftung, der mit 43 Prozent größten Evonik-Anteilseignerin, tagt das Kuratorium der Stiftung an diesem Freitag. Zudem berichtete die "Rheinische Post" unter Berufung auf Branchenkreise, dass ebenfalls am heutigen Freitag der BASF-Aufsichtsrat beraten wird.
Erst vor rund zwei Wochen hatten die beteiligten Unternehmen sowie die RAG-Stiftung als größte Evonik-Anteilseignerin bekannt gemacht, dass es ein Angebot der BASF für den Spezialchemiekonzern aus Essen gibt. Laut der "Financial Times" stand ein Angebot in Höhe von 22,15 Euro je Evonik-Aktie im Raum. Vor ersten Berichten über die Pläne der BASF hatten die Evonik-Aktien gut 18 Euro gekostet, aktuell notieren sie etwas über 21 Euro.
Europäische Chemieunternehmen profitieren aktuell zwar ein Stück weit von einer Sonderkonjunktur durch die teilweise Sperrung der Straße von Hormus infolge des Krieges zwischen den USA und dem Iran. Die Sperrung der wichtigen Seefahrtroute führte zu Ölengpässen vor allem in Asien, was der dort ansässigen Konkurrenz europäischer Chemiekonzerne schwer zu schaffen machte und teils immer noch macht. Gleichzeitig steckt die europäische Chemieindustrie aber schon länger in der Krise, die Konkurrenz aus Asien wächst. Viele Konzerne bauen um und streichen Stellen, so auch BASF und Evonik. Daher ist eine mögliche Übernahme auch ein politisch aufgeladenes Thema.
So hatte vor wenigen Tagen die oppositionelle SPD eine Beteiligung des Landes Nordrhein-Westfalen an Evonik vorgeschlagen. Die Landesregierung solle prüfen, ob das Land selbst als Gesellschafterin aktiv werde, "und somit RAG-Stiftung und Land NRW über 50 Prozent plus X am Konzern verfügen", heißt es in einem Antrag der SPD-Landtagsfraktion.
Abseits von politischen Gedankenspielen hätte eine Übernahme von Evonik durch den Dax
Durch eine Einigung mit der BASF könne die RAG-Stiftung zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, so Sammüller. Sie würde die ohnehin geplante Anteilsverringerung an Evonik erheblich vorantreiben und wäre zugleich an einem neuen Chemieriesen beteiligt. Dafür muss allerdings der Preis stimmen. "Eine Nachbesserung in Richtung 23 bis 25 Euro wäre der naheliegende nächste Schritt." Analyst Sebastian Bray von der Privatbank Berenberg hält sogar eine Offerte von 24 bis 25 Euro für denkbar./mis/men/stk