Gewinnmitnahmen stoppen Höhenflug des europäischen Gaspreises vorerst
AMSTERDAM (dpa-AFX) - Der in den vergangenen Handelstagen starke Preisauftrieb für europäisches Erdgas hat am Dienstag zunächst ein Ende gefunden. Der richtungweisende Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat wurde an der Börse in Amsterdam gegen Mittag zu 84,37 Euro je Megawattstunde (MWh) gehandelt. In der vergangenen Nacht war die Notierung noch zeitweise bis auf 87,44 Euro gestiegen und damit auf den höchsten Stand seit Ende 2022.
Am Markt wurde der aktuelle Preisrückgang mit Gewinnmitnahmen erklärt. Händler haben den jüngsten Höhenflug als übertrieben eingeschätzt und sprachen von einem "überkauften Markt".
Der Gastpreis war seit Beginn des Monats wieder deutlich gestiegen. Preistreiber waren die jüngsten Angriffe auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus durch den Iran sowie auch das verstärkte Auffüllen der Gasspeicher in Europa vor dem Winter. In dieser Zeit ist der Rohstoff um etwa 16 Prozent teurer geworden.
Seit Beginn des Jahres hat sich der Preis für europäisches Erdgas damit fast verdreifacht. Zuletzt war er zu Beginn des Ukraine-Kriegs stark gestiegen, wobei die Notierungen damals noch viel höher lagen, bei über 300 Euro je Megawattstunde.
Zudem ist Deutschland derzeit bemüht, die Gasreserven vor dem Winter zu erhöhen. Im vergangenen Monat wurde das staatliche Unternehmen SEFE Securing Energy for Europe angewiesen, zusätzliches Gas für die Speicherbestände zu beschaffen. Die deutschen Gasspeicher sind zu nahezu 60 Prozent gefüllt - ein Wert, der unter dem saisonalen Fünfjahresdurchschnitt von 87 Prozent liegt.
Der Krieg im Nahen Osten die daraus resultierenden Störungen bei den Lieferungen von Flüssigerdgas (LNG) aus den Fördergebieten am Persischen Golf durch die Straße von Hormus "lassen einen angespannten Winter erwarten", sagte Tamas Varga, Analyst beim Handelshaus PVM Oil Associates. Es sei davon auszugehen, dass Länder in Europa mit asiatischen Staaten um die verfügbaren LNG-Ladungen konkurrieren werden.
Nach Einschätzung des Experten Varga sind zwar keine Engpässe im Winter zu befürchten, doch dürften die Preise - insbesondere bei einem kalten Winter - auf einem erhöhten Niveau bleiben./jkr/mis