TOSTEDT/BERLIN (dpa-AFX) - Der niedersächsische Pipeline- und Anlagenbauer Friedrich Vorwerk
MBB führten am Morgen den SDax mit einem Kursplus von zuletzt 5,3 Prozent an. Bei Friedrich Vorwerk betrug der Aufschlag 3,0 Prozent. Beide Aktien stehen allerdings im bisherigen Jahresverlauf im Minus.
Friedrich Vorwerk habe die starken Quartalsergebnisse erzielt, die er erwartet habe, erklärte Analyst Nikolas Demeter vom Bankhaus Metzler. Wie deutlich das operative Ergebnis aber gestiegen sei, habe auch ihn überrascht. Das neue Ergebnisziel für das Jahr liege über seiner bereits optimistischeren Prognose. Je nach Wetter sieht er sogar noch Luft nach oben angesichts dessen, was nach drei Quartalen bereits in den Büchern stehe.
Friedrich Vorwerk erwartet nun für 2026 ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 220 bis 230 Millionen Euro, wie das Unternehmen zur Wochenmitte in Tostedt mitteilte. Erst im Juli hatte das Management um Chef Torben Kleinfeldt das Ziel für das operative Jahresergebnis auf 180 bis 200 Millionen Euro angehoben. Die neue Umsatzprognose liegt bei 760 bis 790 Millionen Euro, hier standen zuvor 730 bis 780 Millionen Euro auf der Agenda. Beide Werte dürften damit deutlich steigen: 2025 hatte der Konzern noch bei gut 704 Millionen Euro Umsatz ein operatives Ergebnis von rund 163 Millionen Euro erzielt.
Im dritten Quartal war der Erlös der Niedersachsen vorläufigen Berechnungen zufolge um 13 Prozent auf 228,3 Millionen Euro geklettert, das operative Ergebnis erhöhte sich überproportional stark von 51,3 Millionen auf fast 81 Millionen Euro. In beiden Fällen sei damit ein Rekord erreicht, hieß es vom Unternehmen.
Der Konzern profitiert seit einiger Zeit von Netzausbau und Energiewende, im Quartal schlug den Angaben zufolge unter anderem ein deutlich gesunkener Materialaufwand zu Buche. Zudem teilte sich Friedrich Vorwerk mehr Aufträge in Arbeitsgemeinschaften mit anderen Unternehmen, was sich ebenfalls positiv auf die Margen auswirkte.
Kritik kam unterdessen von Jefferies-Experte Constantin Hesse. Er hält zwar die Mitte der Prognosebandbreite angesichts der gut vorhersehbaren Auftragslage für erreichbar. Der deutlich zurückgegangene Auftragseingang werfe allerdings Fragen hinsichtlich der Nachhaltigkeit der derzeitigen Ertragsstärke von Friedrich Vorwerk auf, merkte er an. Laut dem Unternehmen lag der Auftragsbestand nach neun Monaten mit knapp 1,25 Milliarden Euro fast ein Fünftel unter dem Vorjahreswert.
Großaktionär MBB rechnet sich derweil eine höhere Profitabilität für das Jahr aus als bisher. Die Berliner erwarten nun, dass vom Jahresumsatz 22 bis 24 Prozent als bereinigtes Ebitda übrig bleiben. Im Juli hatte MBB sein Margenziel auf 18 bis 20 Prozent erhöht, auch seinerzeit maßgeblich wegen Friedrich Vorwerk. Im dritten Quartal erzielte die Beteiligungsgesellschaft einen Ergebnissprung um ein Viertel. Die entsprechende operative Marge stieg um 5,1 Prozentpunkte auf 26,3 Prozent, wie MBB auf Basis vorläufiger Berechnungen ebenfalls am Mittwoch mitteilte.
MBB hatte in der jüngeren Vergangenheit seinen Anteil an dem Pipeline- und Anlagenbauer Friedrich Vorwerk sukzessive reduziert, zum Stichtag 30. Juni hielt die Gesellschaft eigenen Angaben zufolge noch 40,48 Prozent - das niedersächsische Unternehmen wird gleichwohl weiterhin in der MBB-Bilanz voll konsolidiert.
Ihre endgültigen Zahlen wollen beide Unternehmen am 12. November veröffentlichen./tav/nas/stk