FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach dem Kursrutsch an der Nasdaq besteht bei deutschen Aktien weiter kein Kaufinteresse. Schwache Konjunktursignale aus dem Krisenland Frankreich verstärkten am Freitag eher noch die Sorgen der Anleger. Der Dax knüpfte am Morgen mit einem Abschlag von 0,6 Prozent auf 25.225 Punkte an seine Vortagsverluste an. Das Wochenminus weitete sich auf 1,6 Prozent aus. Der MDax verlor am Freitag 0,2 Prozent auf 30.013 Zähler.
Anleger bleiben in Deckung ob der vielen Themen, die sie verunsichern. Neuerdings hinterfragen sie wieder kritisch, ob sich die Milliardeninvestitionen in den KI-Boom rentieren. Dabei spielen die gestiegenen Zinsen eine wichtige Rolle, während die Ölpreise zuletzt wieder für zusätzlichen Inflationsdruck sorgten. Anders als von Experten gedacht, wurden wichtige Einkaufsmanagerindizes in Frankreich unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten vermeldet. Das Land ist derzeit in Unruhe wegen eskalierender Protestbewegungen.
Nach oben steht der Dax immer noch unweit des Rekords und nach unten gerät seit einigen Tagen die 25.000-Punkte-Marke nicht mehr in Gefahr. Die Chartexperten von HSBC sehen den Leitindex dabei gefangen zwischen den besonders beliebten 50- und 200-Tage-Indikatorlinien. Sie sprechen von einem "Grad an Unentschlossenheit", sehen aber die Chance auf einen "Nährboden" für eine neue Trendbewegung, sofern die 200-Tage-Linie nachhaltig verteidigt wird.
Im Technologiesektor entwickeln sich europäische Werte unterdessen robust, die Aktien des Chipkonzerns Infineon gehörten mit einem Prozent zu den Dax-Gewinnern. Nachdem der New Yorker Nasdaq 100 am Vorabend auf das tiefste Niveau seit Mitte September abgesackt war, zeichnet sich am Freitag auch bei dem US-Technologieindex zumindest eine Stabilisierung ab. In Asien hatten maßgebliche Börsen ihre Anfangsverluste reduziert oder teilweise sogar aufgeholt.
Einige Dax-Werte standen aber mit US-Vorgaben unter Druck. Dazu gehörten die zwei Prozent schwächeren Adidas -Anteile, die laut Händlern unter einem gesenkten Ausblick des US-Unternehmens Deckers Outdoor litten.
MTU wurde mit einem Abschlag von 3,3 Prozent zum Index-Schlusslicht im Kielwasser durchwachsener Resultate des Wettbewerbers Safran .
Verbreitet waren aber auch Kursverluste im Autosektor, nachdem der von China kontrollierte schwedische Autobauer Volvo Cars von einem desaströsen Quartal berichtete. Dessen Kurs brach in Stockholm um fast 30 Prozent ein. Bei Volkswagen , Mercedes-Benz und der Porsche AG reichten die Kursverluste von 0,8 bis 1,9 Prozent.
Positiver erging es wegen Branchenvorgaben Heidelberg Materials . Die Titel des Baustoffkonzerns legten 0,6 Prozent zu, nachdem der Schweizer Konkurrent Holcim mit seinem Quartalsbericht zu überzeugen wusste. Der Beiersdorf -Kurs lag moderat im Plus nach einem starken dritten Quartal des Kosmetik-Konkurrenten L'Oreal .
Bei Sartorius bekam die Vortagsrally kaum noch neuen Schub von einer Hochstufung auf "Outperform" durch die kanadische Bank RBC. Mit einem nur knappen Anstieg um 0,4 Prozent blieb der Kurs des Laborausrüsters klar unter dem höchsten Stand seit Januar 2025, der am Vortag nach vorgelegten Zahlen erreicht wurde.
Bei Atoss Software entschieden sich die Anleger nach einer frühen Orientierungsphase mit fast vier Prozent Minus für die negative Richtung. Dem erhöhten Margenausblick stand gegenüber, dass der auf Personalmanagement spezialisierte Softwareanbieter den Gesamterlös nun eher am unteren Ende seiner Prognosespanne sieht./tih/jha/