BAD HOMBURG (dpa-AFX) - Der Gesundheitskonzern Fresenius
Das Fresenius-Portfolio könne von heute 29 vermarkteten und in der Pipeline befindlichen Molekülen auf bis zu 66 im kommenden Jahrzehnt erweitert werden. Nach eigenen Angaben ist die Vereinbarung der bislang größte Vertrag dieser Art in der Branche. Bei dem Konzern zählen Nachahmer-Präparate zu den Wachstumstreibern.
An der Börse kam die Nachricht von der Partnerschaft gut an. Die Aktie legte am Vormittag um rund drei Prozent zu und erreichte mit 49,23 Euro zwischenzeitlich den höchsten Stand seit Anfang März. Seit dem Jahreswechsel steht damit nun ein kleines Kursplus zu Buche.
"Mit der heute geschlossenen Vereinbarung stärken wir unser Engagement im Biopharma-Geschäft und sichern uns Entwicklungskapazitäten in einem Markt, in dem Geschwindigkeit und Größe entscheidend sind", sagte Unternehmenschef Michael Sen. Zusammen mit der vollständigen Übernahme von mAbxience schaffe dies die Basis für weiteres Biopharma-Wachstum weit über 2030 hinaus. Im Dezember hatte Fresenius hier als Ziel ausgegeben, den Umsatz mit Biopharma 2030 im Vergleich zu 2025 zu verdoppeln und eine Ebit-Marge von rund 20 Prozent zu erzielen.
Fresenius behält die weltweiten Vermarktungsrechte für die künftigen Produkte, zahlt WuXi aber für die Entwicklungsarbeit. "Die Zahlungen hängen vom Fortschritt der jeweils einzelnen Entwicklungsprogramme ab", erläuterte Unternehmenschef Sen in einer Onlinekonferenz mit Journalisten. Anders als bei einer klassischen Einlizenzierung kaufe Fresenius kein bereits entwickeltes Produkt gegen eine hohe Vorabzahlung und spätere Meilenstein- oder Lizenzzahlungen. "Wir entscheiden selbst, welche und wie viele Biosimilar-Kandidaten entwickelt werden", betonte der Manager.
Mit dem Fortschritt ausgewählter Kandidaten steigen erst einmal die Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen von Biopharma. Das werde die Profitabilität während der Entwicklungsphase belasten, bevor die Produkte dann zu Umsatz- und Ergebniswachstum beitrügen, teilte Fresenius weiter mit.
"Wir rechnen mit den ersten Molekülen aus dieser Partnerschaft Anfang der 30iger Jahre, die im Markt vermarktet werden können", erklärte der Fresenius-Chef.
Biosimilars sind Nachahmer-Präparate biotechnologisch hergestellter Arzneimittel, deren Patente abgelaufen sind. Sie sollen vor allem die Gesundheitskosten senken. Entsprechend umkämpft ist der Markt, in dem Geschwindigkeit bei der Zulassung entscheidend ist.
"Der Deal mit WiXi Biologics ist strategisch sehr bedeutsam", kommentierte Markus Manns, Portfoliomanager beim Fondsanbieter Union Investment. "Fresenius verstärkt damit seine Biosimilar-Pipeline und positioniert sich ab 2030 neben Sandoz
Fresenius setzt auf Wachstum in der Biopharmazie und will mit dem Ausbau dieses Geschäfts die Abhängigkeit vom klassischen Dialyse- und Klinikgeschäft verringern. Die Vereinbarung ergänzt eigene Forschung, Kooperationen und Einlizenzierungen. Erst zuletzt hatte Fresenius verkündet, dass der Konzern seine Biopharma-Tochter mAbxience komplett übernimmt und für die übrigen Anteile von 45 Prozent bis zu 750 Millionen Euro bezahlt./mne/als/nas/mis