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Deutsche Börse-News: Anleihen: Karten neu gemischt nach US-Wahl

06.11.2026
um 14:14 Uhr

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Mit dem Crash am Tech-Markt sind Anleihen wieder gesucht, vor allem "sichere" wie US-amerikanische und deutsche. Außerdem dämpft der deutlich gesunkene Ölpreis die Inflationserwartungen, vielleicht sind nun weniger Leitzinserhöhungen nötig. 

6. November 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Der Erdrutschsieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen am Dienstag hat die Kurse von Staatsanleihen gestützt und die Renditen sinken lassen - in den USA, aber auch hierzulande. "Vor allem die Hoffnung auf eine Beilegung des Konflikts am Persischen Golf scheint dabei ein Treiber zu sein", kommentiert Helaba-Analyst Ralf Umlauf. Der Ölpreis ging stark zurück, was die Inflationsgefahr in die Wahrscheinlichkeit für weitere Leitzinserhöhungen sinken lässt. "Mit dem Ausverkauf an den Tech-Märkten heißt es ?raus aus Risiko?, es wird nach sicheren Häfen gesucht", stellt Arthur Brunner von der ICF Bank fest. "Davon profitieren US-, aber auch deutsche Staatsanleihen." 

Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen liegen am Freitagmorgen bei 3,23 Prozent nach 3,34 Prozent vor einer Woche. Damit haben sie sich noch weiter von den September-Hochs von über 3,60 Prozent entfernt. Die Rendite zehnjähriger US-Treasuries sank ebenfalls und liegt aktuell bei 4,84 nach 4,93 Prozent vor einer Woche. 

"Weitere Leitzinsanhebung ausgemacht"

In Großbritannien hat die Bank of England gestern erwartungsgemäß die Leitzinsen um weitere 25 Basispunkte auf nun 4 Prozent angehoben. "Für die EZB und die US-Notenbank gilt eine weitere Zinsanhebung dieses Jahr als mehr oder weniger ausgemacht", stellt Brunner fest. Weiter Auskunft über den Zustand der US-Wirtschaft dürfte der am heutigen Nachmittag anstehende US-Arbeitsmarktbericht geben. Noch wichtiger: die US-Verbraucherpreise für Oktober, die kommenden Dienstag veröffentlicht werden. 

Noch nicht vom Tisch ist das Thema Frankreich mit der hohen Staatsverschuldung. "Es gibt keine Entwarnung", erklärt Brunner. "Der Renditeaufschlag zehnjähriger französischer Staatsanleihen gegenüber deutschen liegt weiter bei 154 Basispunkten." Gut nachgefragt würden dafür spanische Staatsanleihen, etwa mit Laufzeit bis 2032 (ES0000012K61). 

Telekom stark gesucht

Für den Handel mit Unternehmensanleihen meldet Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank eine gute Nachfrage, und zwar "kreuz und quer und über alle Laufzeiten hinweg". ICF-Händler Brunner berichtet von "sehr starken Käufen" von Bonds der Deutsche Telekom (XS2024716099) nach Bekanntgabe aktueller Geschäftszahlen und Ankündigung eines Aktienrückkaufprogramms. Auch Daniel sieht Nachfrage nach Telekom-Anleihen (XS3244707272).

Kleine Erholung bei Homann, Formycon unter Druck

Zu einer kleinen Kurserholung kam es Daniel zufolge bei der vergangene Woche eingebrochenen Anleihe von Homann Holzwerkstoffe (NO0013536169). Das Unternehmen hat am Mittwoch über das dritte Quartal informiert und den Ausblick für 2026 bestätigt: Die Umsatzerlöse übertrafen das Vorjahresniveau, das bereinigte Ebitda war klar positiv. "Leider vermisst man hier die Aussage, ob der nächste Kupon planmäßig gezahlt wird", bemerkt Daniel. Der Kurs liegt am Freitagmorgen bei 64 Prozent nach im Tief 48 Prozent vergangene Woche. Im August waren es allerdings noch über 100 Prozent.

Nach unten ging es laut Daniel hingegen für Formycon (NO0013586024). Das Pharmaunternehmen hat Wertminderungen für zwei Nachahmerpräparate ("Biosimilars") vorgenommen und die Prognosen für 2026 nach unten angepasst. Der Kurs fiel von 96 auf 89 Prozent. Deutliche Schwankungen gab es Brunner zufolge bei The Platform Group (NO0013256834). "Nach den neuesten Geschäftszahlen legte der Kurs zu, dann kam es zu Gewinnmitnahmen."

Tech-Konzerne: Emissionsboom hält an

Was Währungsanleihen angeht, beobachtet Brunner eine gegenüber den Vorwochen deutlich nachlassende Nachfrage. "Das dürfte mit den Unsicherheiten nach der US-Wahl zu tun haben." Für Anfang der Woche meldet Walter Ludwig-Händler Daniel noch Käufe, etwa einer auf brasilianische Real lautende Anleihe der International Finance Corporation (XS3124532311) sowie der European Bank for Reconstruction and Development in indischen Rupien (XS2783648012).

Zudem hielten die milliardenschweren Neuemissionen von US-Tech-Konzernen an: Apple brachte neue Bonds im Wert von 7 Milliarden US-Dollar auf den Markt, wie Brunner berichtet, Oracle 23 Milliarden US-Dollar, Meta 11 Milliarden in US-Dollar plus 9 Milliarden in Euro sowie Alphabet 6 Milliarden US-Dollar. "Das hat die Zweifel an den Tech-Konzernen und deren extrem hohe Investitionen in Rechenzentren nochmals steigen lassen", bemerkt er. Neuemissionen mit kleinanlegerfreundlicher Stückelung gab es Brunner zufolge hingegen nicht. 

Von Anna-Maria Borse, 6. November 2026, © Deutsche Börse AG

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)