Reuters

Luftverkehr bleibt durch Nahost-Konflikt gestört

15.04.2024
um 15:57 Uhr

Singapur/Paris/Frankfurt (Reuters) - Der Luftverkehr ist nach dem Angriff des Iran auf Israel am Wochenende durch Flugstreichungen und Umfliegen der Lufträume schwer gestört.

Mehr als ein Dutzend Airlines, darunter die Lufthansa, strichen Flüge oder nutzen längere Routen bei Verbindungen nach Asien. Am Sonntag wurden die Lufträume über Israel, Iran, Irak, Libanon und Jordanien wieder geöffnet, nachdem sie während des iranischen Angriffs auf Israel und dessen Abwehr geschlossen worden waren. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) mahnte dennoch weiter zu Vorsicht. Insbesondere über Irans Hauptstadt Teheran bestehe die Gefahr von Fehleinschätzungen oder falscher Identifizierungen im Flugverkehr.

Die Krisenstäbe von Fluggesellschaften analysieren zudem selbst ständig die Sicherheitslage. Die Lufthansa-Gruppe, zu der auch Swiss und Austrian Airlines (AUA) gehören, stellte bis Montag Flüge in die Hauptstädte Israels und des benachbarten Libanon, Tel Aviv und Beirut, sowie nach Erbil im Irak ein. Bis Montagnachmittag werde entschieden, ob der Flugverkehr am Dienstag wieder aufgenommen wird, sagte eine Lufthansa-Sprecherin. Schon ab dem 6. April setzte die Lufthansa wegen der angespannten Lage Flüge nach Teheran aus. Das gilt noch bis Donnerstag, seit dem Wochenende auch für die Iran-Flüge der AUA von Wien. Auch Beirut wird bis 18. April nicht angeflogen. So lange werde auch der iranische Luftraum für Überflüge gemieden, erklärte die Schweizer Tochter Swiss. Asien-Flüge dauerten deshalb bis zu 90 Minuten länger.

Von den Airlines aus Europa strichen unter anderem KLM, Easyjet, Wizz und Iberia Express Israel-Flüge. Die großen Fluggesellschaften des Nahen Ostens, darunter Emirates Airlines, Qatar Airways und Etihad Airways, nahmen am Sonntag den Flugverkehr nach der Unterbrechung während des Angriffs wieder auf.

"GRÖSSTE STÖRUNG SEIT 9-11"

Die jüngste Beeinträchtigung des Luftverkehrs durch die Eskalation im Nahost-Konflikt ist nach Einschätzung von Mark Zee, Gründer der Luftraumbeobachtung Opsgroup, die größte einzelne Störung seit dem Anschlag auf das World Trade Center in den USA am 11. September 2001. "Seitdem haben wir noch nie eine Situation erlebt, in der so viele verschiedene Lufträume in so kurzer Folge geschlossen wurden, und das schafft Chaos", sagte Zee. Nach dem Überfall der radikal-islamischen Hamas auf Israel am 7. Oktober stellten Airlines Flüge nach Israel für rund drei Monate ein. Auch Verbindungen zu Urlaubszielen in Ägypten oder Jordanien waren zeitweise gekappt, der Tourismus litt darunter.

Der iranische Luftraum wird von Airlines genutzt, die zwischen Europa und Asien verkehren und jetzt auf Alternativrouten über die Türkei oder Ägypten und Saudi-Arabien ausweichen, erklärte Zee. Der Luftweg nach Asien ist außerdem schon seit Ausbruch des Ukraine-Krieges Anfang 2022 verlängert, da der Luftraum über Russland gemieden wird.

(Bericht von Joe Brock, Tim Hepher, Inti Landauro, Büro Danzig, Ilona Wissenbach, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com)