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Britische Inflation sinkt weiter - Weg für Zinswende aber noch nicht frei

17.04.2024
um 09:07 Uhr

London (Reuters) - Die britische Inflation ist im März auf den tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren gefallen, sinkt aber langsamer als erwartet.

Die Verbraucherpreise stiegen im März um 3,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistikamt ONS am Mittwoch in London mitteilte. Damit ist die Teuerungsrate zwar niedriger als im Februar mit 3,4 Prozent, wofür vor allem günstigere Nahrungsmittel sorgten. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten allerdings mit einem stärkeren Rückgang auf 3,1 Prozent gerechnet.

"Die Inflation hat auf dem Weg zurück zum Zielwert einen weiteren kleinen Schritt geschafft", sagte Ökonom Jake Finney von PwC UK. Zwar wachse der Druck auf die Zentralbank, ihre Zinsen angesichts des nachlassenden Preisdrucks zu senken. Allerdings werde sie wohl schlüssigere Beweise für einen nachhaltigen Rückgang der Inflation sehen wollen, bevor sie zu Zinssenkungen übergehe, sagte Finney.

HERAUS AUS DEM KONJUNKTURTAL

Die Bank of England (BoE), die am 9. Mai wieder über den Leitzins entscheidet, strebt eine Teuerungsrate von zwei Prozent an. Notenbankchef Andrew Bailey hatte am Dienstagabend gesagt, es gebe starke Hinweise darauf, dass der Preisauftrieb nachlasse. Für die BoE stelle sich jedoch weiterhin die Frage, wie viele weitere Hinweise notwendig seien, bevor sie mit Zinssenkungen beginnen könne. An den Terminmärkten wird mittlerweile erst für November fest mit einer Senkung gerechnet, nachdem sich die Spekulationen zuvor auf den September gerichtet hatten. Im März beließ die BoE das Zinsniveau bei 5,25 Prozent. "Wir sind noch nicht an dem Punkt, an dem wir die Zinssätze senken können, aber die Dinge bewegen sich in die richtige Richtung", erklärte Bailey damals.

Sinkende Zinsen machen Kredite billiger, etwa für Investitionen. Das könnte der britischen Wirtschaft neuen Schub geben. Sie ist in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres in eine Rezession abgerutscht, als das Bruttoinlandsprodukt zwei Quartale in Folge schrumpfte. In den beiden ersten Monaten dieses Jahres legte die Wirtschaftsleistung aber wieder zu, was für ein Ende der Rezession spricht. Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagt für das Gesamtjahr ein Wachstum von 0,5 Prozent voraus.

(Bericht von Suban Abdulla, geschrieben von Rene Wagner, redigiert von Reinhard Becker. - Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)