Liebe Börsianer,
dieses Technologieunternehmen will in kürzester Zeit eine Infrastruktur von der Größe etablierter europäischer IT-Konzerne aufbauen. Arkady Volozh, Gründer und CEO von Nebius Group N.V. (NBIS), skizziert die Historie: Das Team, welches 25 Jahre lang eine der größten europäischen IT-Firmen mit 200 Megawatt an Rechenzentrumsleistung betrieb und größter NVIDIA-Partner außerhalb der USA und Chinas war, startete im Sommer 2024 quasi neu. Mit der Etablierung von 25 Megawatt Startkapital aus dem Verkauf früherer Vermögenswerte, beschleunigte Nebius den Ausbau nach dem Durchbruch von ChatGPT exponentiell.
Innerhalb von 18 Monaten steigerte das Unternehmen die betriebene Leistung auf das Zehnfache. Nebius kündigte an, die Kapazität dieses Jahr auf 800 Megawatt bis 1 Gigawatt zu erhöhen, mit einer Pipeline, die 2 bis 3 Gigawatt umfassen soll. Die Ambition ist nicht nur die reine Leistung, sondern der Aufbau einer vollständigen Full-Stack-Cloud-Plattform, die mit den Angeboten der Hyperscaler (AWS, Azure, GCP) konkurrieren soll. Nebius verfolgt einen integrierten Ansatz, der vom Grundstück über selbst entworfene Racks bis zur kundenspezifischen Cloud-Umgebung reicht. Diese vertikale Integration soll Kostenvorteile beim Gesamtbetrieb (Total Cost of Ownership, TCO) gegenüber Konkurrenten ermöglichen, die auf gemietete Standorte oder Komponenten von Drittanbietern setzen. Während aktuell rund die Hälfte der Kapazität durch Großaufträge, unter anderem von Microsoft und Meta, absorbiert wird, sieht Nebius diesen Teil als temporäre Unterstützung, um die Finanzierung für den Hauptfokus zu sichern. Chief Revenue Officer Marc Boroditsky meldet eine Verdopplung der Jahresverträge im letzten Quartal und eine Steigerung des durchschnittlichen Verkaufspreises (ASP) um 50 %. Ein wesentlicher Hebel ist die zunehmende Forderung nach Vorauszahlungen, teilweise 100 % im Voraus, was die Liquidität für die Kapitalausgaben sichert und die Kundenbindung stärkt.
Die Wachstumspläne sind extrem kapitalintensiv. Für das laufende Jahr wird ein CapEx-Bedarf von 16 Mrd. USD bis 20 Mrd. USD genannt. Obwohl 60 % dieser Anforderungen durch bestehende Möglichkeiten gedeckt sein sollen, bleibt die Finanzierung des verbleibenden Bedarfs kritisch. Zuletzt häuftigen sich interessante News: Nebius expandiert in die asiatisch-pazifische Region (APAC), um von deren enormem Wachstumspotenzial zu profitieren. Der Markt für Rechenzentren in der APAC-Region gilt als einer der am schnellsten wachsenden weltweit. Laut IDC-Daten soll die Kapazität dort bis 2029 um das Dreifache auf 142,6 Gigawatt ansteigen.
Am Mittwoch (11. März) wird bekannt, dass NVIDIA und Nebius eine strategische Partnerschaft schließen, um die nächste Generation von Hyperscale-Clouds für den KI-Markt zu entwickeln und einzusetzen. Durch diese Partnerschaft soll Nebius bis Ende 2030 Nvidia-Systeme mit einer Leistung von über 5 Gigawatt bereitstellen können. NVIDIA wird 2 Mrd. USD in Nebius investieren.

Nebius (ISIN NL0009805522): Nebius baut seine Kapazität durch eine kapitalintensive, vertikal integrierte Strategie massiv aus und zielt auf signifikante Marktanteile ab. Die Finanzierung des CapEx-Bedarfs ist eng an den Abschluss neuer, langfristiger Verträge inklusive Vorauszahlungen geknüpft. Die Aktie sollte trotz eines KUVs von über 7 und wenig Aussicht auf ein positives EPS in den nächsten drei Jahren aus der charttechnischen Konsolidierung ausbrechen.
Verwantwortlicher Redakteur: Stephan Bank