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ROUNDUP: Sanofi erhöht auf der Suche nach neuen Kassenschlagern Forschungstempo

07.12.2023
um 13:17 Uhr

PARIS/NEW YORK (dpa-AFX) - Der Pharmakonzern Sanofi will sein lukratives GeschĂ€ft mit Immunkrankheiten durch eine beschleunigte Forschung vergrĂ¶ĂŸern. Ziel sei es, in diesem Bereich eine treibende Kraft zu werden, teilte der Hersteller am Donnerstag zu seinem Forschungs- und Entwicklungstag mit. Erst kĂŒrzlich auf den Markt gebrachte und kĂŒnftige Medikamente sollen es bis zum Jahr 2030 auf einen Jahresumsatz von mehr als zehn Milliarden Euro bringen; das ist doppelt so viel wie von Experten erwartet. FĂŒr seinen Kassenschlager Dupixent bei Asthma und Neurodermitis erhöhten die Franzosen unterdessen die Wachstumsprognose.

Nach dem Kurssturz Ende Oktober sorgten die Nachrichten an der Börse allerdings nicht fĂŒr den erhofften Schwung. Das im EuroStoxx 50 gelistete Papier gab gegen Mittag um 0,7 Prozent nach. Seit Wochen schon pendelt die Aktie in einem engen Korridor rund um 85 Euro, nachdem Konzernchef Paul Hudson zur letzten Quartalsbilanz die Investoren mit einem trĂŒben Gewinnausblick fĂŒr 2024 und der vagen AnkĂŒndigung höherer Investitionen in die Forschung und Entwicklung verschreckt hatte. Am selben Tag war das Papier um bis zu ein FĂŒnftel auf unter 81 Euro gefallen.

Sanofi hatte seinerzeit mehr Details zu den geplanten Investitionen fĂŒr das FrĂŒhjahr angekĂŒndigt. Einige Analysten hatten sich aber wohl bereits Genaueres zur aktuellen Veranstaltung in New York erhofft, mit der der Konzern auch seinen im September gestarteten neuen Forschungschef Houman Ashrafian einfĂŒhrt.

Unter Konzernchef Hudson hatte Sanofi bereits vor ein paar Jahren den Schwenk weg vom Diabetes-GeschĂ€ft vollzogen und seitdem durch zahlreiche Übernahmen die eigene Forschungspipeline gestĂ€rkt. Das Unternehmen konzentriert sich mittlerweile auf neuartige Arzneien vor allem in den Therapiefeldern der immun-entzĂŒndlichen Erkrankungen und der Neurologie sowie auf seltene Erkrankungen und Impfstoffe.

Der mit Abstand grĂ¶ĂŸte Kassenschlager ist Dupixent, das mittlerweile fĂŒr fĂŒnf Anwendungsbereiche zugelassen ist, unter anderem Asthma und Neurodermitis. Im vergangenen Jahr trug das Mittel mit mehr als 8 Milliarden Euro fast ein FĂŒnftel zum Jahresumsatz bei. Hier erwartet der Konzern nun im Zeitraum von 2023 bis 2030 im Schnitt ein niedriges prozentual zweistelliges jĂ€hrliches Wachstum, auch weil Sanofi sich noch weitere Zulassungen erhofft. Aktuell wird das Mittel etwa auch bei der Lungenkrankheit COPD getestet.

Über Dupixent hinaus haben es bisher jedoch nur wenige weitere Medikamente von Sanofi zum Kassenschlager mit mindestens einer Milliarde Euro Umsatz gebracht. Das soll kĂŒnftig anders werden: Der Konzern sitzt den eigenen Angaben zufolge auf einer "starken" Pipeline mit einer "Rekordzahl" von zwölf Medikamenten und Impfstoffen, die in klinischen Studien getestet werden und das Zeug zum Blockbuster hĂ€tten.

Bei neun davon erhofft sich Sanofi zwei bis fĂŒnf Milliarden Euro Jahresumsatz, drei weiteren "Mehrzweck"-Kandidaten traut Sanofi sogar noch mehr zu. Zu den HoffnungstrĂ€gern zĂ€hlen etwa die Wirkstoffe Amlitelimab und Frexalimab, die unter anderem bei Neurodermitis beziehungsweise Multipler Sklerose geprĂŒft werden und fĂŒr die Sanofi weitere Anwendungsbereiche im Visier hat. Dieses neue Portfolio soll kĂŒnftig das gut laufende GeschĂ€ft mit Dupixent und den Impfstoffen weiter aufpolstern.

Um diesem Ziel nÀherzukommen, macht der Konzern nun Tempo in der Forschung: Geplant ist etwa, die Zahl der zulassungsrelevanten Studien der Phase III in den kommenden beiden Jahren um 50 Prozent zu erhöhen. Zudem stellte das Management bis zu 19 ZulassungsantrÀge in den kommenden zwei Jahren in Aussicht sowie die Datenauslese aus 25 klinischen Studien im fortgeschrittenen oder mittleren Stadium.

Fachleute werteten diese Nachrichten positiv: Die erhöhten Prognosen fĂŒr den Spitzenumsatz mit Dupixent implizierten ein AufwĂ€rtspotenzial fĂŒr den Konzernumsatz von vier Prozent bis 2030, schrieb etwa Analyst Richard Vosser von der US-Bank JPMorgan. Neue Pharma-Produkte und die Ziele fĂŒr die Pipeline ließen womöglich noch mehr Spielraum nach oben, je nachdem wie die Franzosen hier vorankĂ€men.

Unterdessen konnte Sanofi in der Forschung einen Erfolg verzeichnen: Wie das Unternehmen ebenfalls am Donnerstag mitteilte, wurde mit dem Mittel Sarclisa bei Krebs-Patienten mit mutiplem Myelom in einer zulassungsrelevanten Studie das wichtigste Ziel der Forscher erreicht. Der Wirkstoff konnte in Kombination mit der Standard-Therapie das Fortschreiten der Krankheit signifikant verzögern./tav/nas/jha/

Sanofi S.A.

WKN 920657 ISIN FR0000120578