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EQS-News: CSRD-Reporting: Deutsche Unternehmen veröffentlichen die längsten und detailliertesten Berichte (deutsch)

03.04.2025
um 10:26 Uhr

CSRD-Reporting: Deutsche Unternehmen veröffentlichen die längsten und detailliertesten Berichte

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EQS-News: Kirchhoff Consult GmbH / Schlagwort(e): Studie/ESG
CSRD-Reporting: Deutsche Unternehmen veröffentlichen die längsten und
detailliertesten Berichte

03.04.2025 / 10:25 CET/CEST
Für den Inhalt der Mitteilung ist der Emittent / Herausgeber verantwortlich.

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* Durchschnittlich wurden 7 Themen als wesentlich identifiziert

* Topthemen sind Klimawandel (E1), Arbeitskräfte des Unternehmens (S1) und
Unternehmensführung (G1)

* Durchschnittlich 44 "Impacts, Risks und Opportunities" (IROs)

* Deutsche CSRD-Berichte rund 30 Prozent länger als andere europäische
Berichte

Hamburg, 03. April 2025 - Rund 10.000 europäische Unternehmen haben für das
Geschäftsjahr 2024 erstmals auf Basis der European Sustainability Reporting
Standards (ESRS) berichtet. Kirchhoff Consult hat die Umsetzung der
Anforderungen in mehr als 100 Berichten* aus 18 Ländern und 11 verschiedenen
Sektoren untersucht und zum Teil große Unterschiede bei Umfang und
Detailtiefe gefunden: So haben die Berichte deutscher Unternehmen einen
deutlich überdurchschnittlichen Textumfang, obwohl sie nicht über
signifikant mehr wesentliche Themen berichten.

Im Rahmen der doppelten Wesentlichkeitsanalyse wurden europaweit
durchschnittlich sieben Themen als wesentlich identifiziert. Zu den
Topthemen gehören wie erwartet der Klimawandel (E1), die Arbeitskräfte des
Unternehmens (S1) und das Thema Unternehmensführung (G1). Diese drei Themen
sind in nahezu allen Berichten vorhanden. Aber auch Angaben zur
Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft (E5), zu Arbeitskräften in der
Wertschöpfungskette (S2) sowie zu Auswirkungen des Unternehmens auf
Verbraucher und Endnutzer (S4) sind Themen, die in einem breiten
Branchenumfeld wesentlich sind. Alle übrigen Themen sind deutlich
spezifischer und häufen sich vor allem in produzierenden Sektoren. Die
Varianz der Themenmenge ist hoch - knapp 7 Prozent der untersuchten
Unternehmen berichten das volle ESRS-Set, also zehn Themen, während
vereinzelt auch Berichte auf Basis von nur zwei wesentlichen Themen
veröffentlicht wurden.

Die Ergebnisdarstellung einer CSRD-Wesentlichkeitsanalyse ist komplex, daher
verzichtet eine Mehrheit der europäischen Unternehmen (60 Prozent) auf eine
grafische Darstellung. Sofern doch eine Grafik verwendet wird, bleibt die
Matrix die häufigste Darstellungsform. Allerdings haben einige Unternehmen
die Matrix-Darstellung weiterentwickelt, um sie zielgerichtet mit den
CSRD-Anforderungen zu verknüpfen.

Durchschnittlich wurden 44 "Impacts, Risks und Opportunities" (IROs)
berichtet. Auch hier variiert die Anzahl zwischen 10 und maximal 140 IROs
deutlich. 75 Prozent der Unternehmen haben ihre IROs in (mindestens) einer
zusammengefassten Gesamtübersicht dargestellt. Diese findet sich in der
Regel im Kapitel Allgemeine Informationen. 53 Prozent Unternehmen
beschreiben ihre IROs außerdem zum Einstieg in das jeweilige Kapitel. Dies
hilft dem Leser zu verstehen, warum der folgende Text relevant ist und
welche Themen grob behandelt werden.

Das Kapitel zur EU-Taxonomie unterscheidet sich im Aufbau vom übrigen
CSRD-Bericht. Um den "roten Faden" nicht abreißen zu lassen, platzieren die
meisten Unternehmen (47 Prozent) dieses Kapitel am Ende des Umwelt-Kapitels.

"Entity-Specific" Themen: Wo hört Nachhaltigkeit auf?
Zusätzliche, so genannte "Entity-Specific"-Themen, können einzelne
Kennzahlen aber auch ganze Themengebiete umfassen. Die Hälfte der
untersuchten Berichte haben solche unternehmensspezifischen Themen im
Bericht integriert. Sie werden zumeist den vorhanden wesentlichen Themen
bzw. Kapiteln zugeordnet. Die Gesamtheit dieser Themen weist allerdings eine
hohe Varianz auf - sie reicht von Themen wie Datenschutz und Cyber Security
über Steuern bis hin zu Innovation und Risikomanagement. Hier muss in vielen
Fällen klarer herausgearbeitet werden, inwieweit diese Themen tatsächlich
einen Nachhaltigkeitsbezug aufweisen. Steuern und Risikomanagement werden
bspw. in anderen Bereichen des Jahresabschlusses häufig ausreichend
gewürdigt - eine zusätzliche Abhandlung im Nachhaltigkeitsbericht erscheint
nicht zwingend sinnvoll.

Der Umfang der CSRD-Berichte variiert zwischen 41 Seiten bis hin zu maximal
283 Seiten insgesamt sehr stark. Im Durchschnitt liegt der Umfang der
CRSD-Berichte bei 130 Seiten. Um tatsächlich valide und brauchbare Aussagen
zu Berichtsumfängen treffen zu können, wurden im Rahmen dieser Analyse nicht
nur die Anzahl von PDF-Seiten verglichen, sondern alle Wörter der Berichte
erfasst und daraus Normseiten abgeleitet. Die Wahl von bspw. Berichtsformat
und Schriftgröße führt somit zu keiner Verzerrung der Beobachtungen.

Führt "deutsche Gründlichkeit" zu umfangreicheren Berichten?
Auffällig ist, dass deutsche Berichte signifikant länger sind als der
durchschnittliche CSRD-Bericht. Während andere europäische Berichte mit
durchschnittlich 116 Seiten Textumfang auskommen, liegt der Umfang deutscher
Berichte im Mittel bei 148 Seiten, also 27 Prozent darüber. Gleichzeitig
übersteigt die Anzahl der wesentlichen Themen in deutschen Berichten mit
durchschnittlich 7,5 nicht deutlich die der Anzahl der wesentlichen Themen
bei den übrigen europäischen Berichten ( 6,7). In deutschen Berichten
werden demnach nahezu gleichviele wesentliche Themen deutlich umfangreicher
beschrieben.

"Deutsche Unternehmen haben die Vorgaben der CSRD-Berichterstattung mit
besonders viel Aufwand umgesetzt. Das kann aus unserer Sicht verschiedene
Ursachen haben: Zum einen könnte das Nachhaltigkeitsmanagement in deutschen
Unternehmen bereits sehr fortschrittlich sein, bei einem gleichzeitig hohen
Anspruch an Transparenz. Allerdings halten wir es für wahrscheinlicher, dass
vor allem die hohen Prüfungsanforderungen für deutsche Unternehmen ein
Treiber dieser Beobachtung sind," so Julian von Pressentin, Director
ESG/Sustainability bei Kirchhoff Consult. "Ein weiterer wichtiger Punkt
könnte ein fehlender Fokus auf wesentliche Informationen sein. Hier besteht
möglichweise ein Ansatzpunkt, um Komplexität und Umfang der Berichte zu
reduzieren."

Auf Basis eines erweiterten Samples soll diese Beobachtung in den kommenden
Monaten weiter untersucht werden, sodass sich belastbare Ursachen für diese
Untersuchungsergebnisse benennen lassen.

Interoperabilität gegeben: CSRD-Bericht ist auch ein GRI-Bericht
Bei der Entwicklung der ESRS wurden andere Standardsetzer aktiv und bewusst
mit einbezogen wurden: Die ESRS enthalten u.a. Referenzen zu GRI, IFRS oder
TCFD. Gemeinsam mit GRI hat die EFRAG bspw. schon im vergangenen Jahr
angekündigt, dass ein CSRD-Bericht ebenfalls die Anforderungen einer
Berichterstattung unter Bezugnahme auf die GRI-Standards (Reference-Option)
erfüllen wird - lediglich ein GRI-Index wäre zu erstellen, um diese
Interoperabilität sinnvoll zu nutzen.

Überraschenderweise spielen andere Rahmenwerke nur eine geringe Rolle in der
bisherigen CSRD-Berichterstattung. So wird GRI in 66 Prozent der
untersuchten Berichte nicht einmal erwähnt und ein zusätzlicher Index ist
eine Randerscheinung. SASB und IFRS spielen im untersuchten Sample ebenfalls
keine relevante Rolle. Lediglich die Sustainable Development Goals (SDGs)
und TCFD finden regelmäßig Erwähnung in den Nachhaltigkeitsberichten.

Wie geht es weiter? CSRD noch nicht in deutsches Recht umgesetzt
Nach wie vor ist die CSRD nicht in deutsches Recht umgesetzt. Diese
Verzögerung ist mit einer hohen Rechtsunsicherheit für aktuell und künftig
berichtspflichtige Unternehmen verbunden. Ein Aufschub um zwei Jahre für
solche Unternehmen, die noch keiner Berichtspflicht unterliegen, scheint
derzeit sehr wahrscheinlich. Außerdem sollen die ESRS bis Ende Oktober
überarbeitet werden. Ziel: eine deutliche Vereinfachung.
"Es ist zu erwarten, dass rechtliche Unsicherheiten vorerst bestehen
bleiben. Unternehmen sollten sich für die nächste Reporting Saison vor allem
darauf konzentrieren, ihre Berichtsprozesse möglichst effizient und
zukunftsorientiert aufzustellen. Das bedeutet: Komplexität zu reduzieren,
ohne Transparenz einzubüßen," so Claudia Herzog-Kamensky, Head of
ESG/Sustainability bei Kirchhoff Consult.

* Berücksichtigt wurden ausschließlich Berichte von Unternehmen, die bereits
vollumfänglich nach ESRS berichtet haben.

ÜBER KIRCHHOFF

Die Kirchhoff Consult GmbH ist mit rund 70 Mitarbeitenden eine führende
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Nachhaltigkeitsberichten, beim Börsengang, im Bereich der Investor Relations
sowie der ESG und Nachhaltigkeitskommunikation. 'Designing Sustainable
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