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ROUNDUP/Ifo: 'Ein bitterer Tag für die Weltwirtschaft'

03.04.2025
um 14:44 Uhr

MÜNCHEN (dpa-AFX) - Das Münchner Ifo-Institut hat scharfe Kritik an den US-Zöllen geübt. "Wenn die USA bei den angekündigten Zöllen bleiben, ist das der größte Angriff auf den Freihandel seit dem 2. Weltkrieg", sagt Ifo-Präsident Clemens Fuest. Schon im laufenden Jahr könnten die Zölle das deutsche Bruttoinlandsprodukt um 0,3 Prozent schmälern und das Wirtschaftswachstum damit "unter die Nulllinie drücken".

Fuest rechnet auch insgesamt mit Trumps Strategie ab: "Die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft misst sich an ihrer Produktivität, nicht am Außenhandelssaldo. Die Produktivität wird sinken, weil die Zölle die internationale Arbeitsteilung beeinträchtigen", sagt er. "Wenn Trump Investitionen in die USA locken und gleichzeitig das Handelsdefizit reduzieren möchte, müssen die Amerikaner selbst mehr sparen. Das erfordert schmerzhafte Anpassungen in Form von Konsumverzicht."

Auch die Idee, direkte Steuern mit Zöllen ganz zu ersetzen, sei illusorisch. Wenn Trump auch das Budgetdefizit senken wolle, "wird es nichts mit den Steuersenkungen".

Willkürlich festgelegt

Ifo-Handelsexpertin Lisandra Flach betont, dass es sich bei den Maßnahmen der USA nicht um wechselseitige Zölle handle. "Die Zolldifferenz zwischen den USA und der EU beträgt durchschnittlich nur 0,5 Prozentpunkte. Dass gegenüber der EU dennoch zusätzliche Zölle in Höhe von 20 Prozent verhängt wurden, zeigt, dass die US-Regierung das Niveau gegenseitiger Zölle willkürlich festgelegt hat und dabei auch handelsfremde Aspekte wie Mehrwertsteuersätze mit einbezogen hat."

Die geplante Zollerhöhung markiere "einen Wendepunkt für die Weltwirtschaft und gefährdet damit fast 80 Jahre des Multilateralismus", sagt Flach. Für die Deutsche Wirtschaft erwartet sie als Folge "zunächst einen dauerhaften Rückgang des BIP um 0,3 Prozent", wobei einige Schlüsselbranchen wie Pharma, Auto und Maschinenbau stärker betroffen seien.

Insgesamt leide der Deutsche Handel dreifach: "Erstens, weil Deutschland weniger in die USA exportiert, zweitens, weil Deutschland aufgrund der geringeren Wettbewerbsfähigkeit Chinas weniger nach China exportiert, und drittens durch einen Anstieg im Wettbewerb in Deutschland, wenn beispielsweise China nach neuen Märkten sucht, um die zuvor in die USA exportierten Produkte zu verkaufen."

Geschlossenheit gefordert

Der EU rät Flach mit "größtmöglicher Geschlossenheit" auf die neuen US-Zölle zu reagieren und konkrete Gegenmaßnahmen anzukündigen. Sie warnt aber: "Eine übereilte Reaktion mit Gegenzöllen wäre jedoch kontraproduktiv und könnte eine Eskalationsspirale anheizen."

Insgesamt sei eine Zollspirale "aktuell das größte Risiko für die Weltwirtschaft", sagt die Expertin. "Die US-Zollerhöhung ist wahrscheinlich die bedeutendste unilaterale Zollanhebung seit Jahrzehnten. Die entscheidende Frage ist, wie andere Länder reagieren
- nicht nur auf die US-Zölle, sondern auf Protektionismus im
Allgemeinen. Eine Eskalation könnte im schlimmsten Fall den Handel zum Stillstand bringen."/ruc/DP/mis