dpa-AFX Compact

Pressestimme: 'Schwäbische Zeitung' zu Merz/Neujahrsansprache

02.01.2026
um 05:35 Uhr

RAVENSBURG (dpa-AFX) - 'Schwäbische Zeitung' zu Merz/Neujahrsansprache

Deutschland kann seine strukturellen Schwächen nicht länger beschönigen: Gesundheitswesen, Rente, Bildung, Bundeswehr und Infrastruktur stehen zugleich unter Druck. Kanzler Friedrich Merz hätte den Bürgern eine ehrliche Bestandsaufnahme und eine belastbare Perspektive für einen Neustart geben müssen. Seine Neujahrsansprache wirkte dagegen beschwichtigend. Die Wahrheit ist den Menschen nicht zu viel - sie kann befreiend sein. Defizite in der Daseinsvorsorge gefährden die Demokratie, weil staatliche Leistungsfähigkeit das zentrale Vertrauenskriterium ist. Wenn Renten unsicher wirken, Operationen verschoben werden, Pflegeplätze fehlen, Beiträge steigen, Schulen, Straßen, Schiene und Wasserwege verfallen und Behörden monatelang blockieren, entsteht der Eindruck: teurer, aber nicht verlässlicher. 2026 wird zum Entscheidungsjahr: nötig sind Priorisierung, das Streichen überholter Versprechen, Investitionen in Kernbereiche sowie ein Schub bei Digitalisierung und KI - sonst droht ein kaum reparabler Vertrauensbruch in die Demokratie./yyzz/DP/zb