Russischer Öltanker soll vor US-Kontrolle geflohen sein
LONDON (dpa-AFX) - Ein mutmaßlich vor einer US-Kontrolle geflohener Öltanker sorgt für Spannungen zwischen Russland und den USA im Nordatlantik. Das Frachtschiff "The Marinera" soll sich unter russischer Flagge fahrend derzeit zwischen Island und Schottland befinden. Zuvor soll es - noch mit anderem Namen auf dem Weg nach Venezuela - plötzlich den Kurs geändert haben, um der Durchsuchung durch die US-Küstenwache zu entgehen, wie das "Wall Street Journal" und der Sender CBS berichteten.
Russland soll den Berichten zufolge ein U-Boot und weitere Schiffe zum Schutz des Tankers entsendet haben. Die Nachrichtenagentur PA berichtete, ein britisches Aufklärungsflugzeug soll entlang der Route des Schiffes unterwegs gewesen sein. Weder das Weiße Haus noch die britische Regierung antworteten konkret auf Nachfragen. "Die USA sind der wichtigste Verteidigungs- und Sicherheitspartner des Vereinigten Königreichs", sagte ein Sprecher des britischen Premierministers Keir Starmer.
Russland betrachtet die Lage mit Sorge
US-Präsident Donald Trump hatte bereits vor der militärischen Operation in Venezuela mit der Gefangennahme von Präsident Nicolás Maduro eine Seeblockade für sanktionierte Öltanker angeordnet, die Richtung Venezuela steuern oder einen Hafen des rohstoffreichen Landes verlassen. "The Marinera" soll den Berichten zufolge zuvor als "Bella 1" Öl aus Venezuela und dem Iran transportiert haben. Russland wird von den westlichen Alliierten beschuldigt, alte Tanker zu nutzen, um Sanktionen zu umgehen.
Das Außenministerium in Moskau teilte der russischen staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge mit, Russland betrachte die außergewöhnliche Situation mit Besorgnis. Das Schiff befahre derzeit unter der Flagge der Russischen Föderation in Übereinstimmung mit den Normen des internationalen Seerechts die Gewässer des Nordatlantiks. Aus unverständlichen Gründen schenkten das US-Militär und die Nato seinem zivilen Status nicht angemessene erhöhte Aufmerksamkeit, hieß es. Schon seit einigen Tagen folge dem Tanker ein Schiff der US-Küstenwache, obwohl er ungefähr 4.000 Kilometer von der US-Küste entfernt sei.
Dem "Wall Street Journal" zufolge wollte der Tanker ursprünglich in Venezuela anlegen und soll derzeit ohne Fracht unterwegs sein. Nach der Kursänderung soll die US-Küstenwache dem Schiff gefolgt sein - erst dann soll die Besatzung die russische Flagge auf die Seite des Schiffes gemalt und die Registrierung geändert haben. Das Southern Command der USA schrieb am Dienstag auf der Plattform X, sich sanktionierten Schiffen und Akteuren entgegenzustellen./mj/DP/nas