Gewerkschaft sieht wachsende Fachkräftelücke im öffentlichen Dienst
BERLIN (dpa-AFX) - Die Fachkräftelücke im öffentlichen Dienst ist nach Angaben des Beamtenbunds dbb innerhalb eines Jahres um rund 30.000 Beschäftigte gewachsen. Somit fehlen dem öffentlichen Dienst den Zahlen der Gewerkschaft zufolge etwa 600.000 Beschäftigte. Das geht aus dem Monitor öffentlicher Dienst 2026 des dbb hervor, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.
Bereits seit längerem warnt der dbb vor wachsendem Personalmangel. Dabei rechnet die Gewerkschaft die Zahl der Beschäftigten, die absehbar in den Ruhestand gehen, und die erwartbaren Neueinstellungen gegeneinander. Auch eine wachsende Aufgabenfülle für die Beschäftigten bezieht die Gewerkschaft ein. Dafür verantwortlich sind nach ihren Angaben unter anderem neue Gesetze mit neuen Regeln oder Leistungen. Belastungsgrenzen würden regelmäßig überschritten, etwa bei der Polizei, in Kindergärten und in Schulen, in der Pflege oder in den Jobcentern. Der neue dbb-Monitor hat die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamts (Juni 2024) als Hauptbasis.
Bundesregierung will Beschäftigung absichern
Auch das Bundesinnenministerium hat die Fachkräftegewinnung für den Staat als ein Problem identifiziert. "Die Beschäftigten im öffentlichen Dienst nicht nur des Bundes werden im Durchschnitt älter und gehen in den nächsten zehn Jahren in größerer Zahl in den Ruhestand", heißt es beim Dienstherrn der Bundesbeschäftigten. Mit der Privatwirtschaft stehe man in zunehmender Konkurrenz um den Nachwuchs. Derzeit würden "Maßnahmen zur Demografiesicherung" erarbeitet. Wie das geschehen soll, dürfte auch an diesem Montag zum Thema werden. Dann treffen Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und dbb-Chef Volker Geyer bei der dbb-Jahrestagung in Köln aufeinander.
Schon heute Millionen in Pension
Nach den jüngsten Zahlen waren zuletzt 5,4 Millionen Menschen in Deutschland im öffentlichen Dienst beschäftigt (Juni 2024) - laut Statistischem Bundesamt knapp 12 Prozent aller Erwerbstätigen. Schulen, Unis und Kindergärten/Kitas verzeichneten demnach hohe Zuwächse. Der größte Einzelbereich: die allgemeinbildenden und beruflichen Schulen mit über eine Million Beschäftigten.
Sorgen macht dem dbb vor allem, dass absehbar mehr Beschäftigte von Bund, Ländern und Kommunen altersbedingt ausscheiden dürften als neue Kräfte hinzugewonnen werden können. Laut Statistischem Bundesamt hat sich die Zahl der Pensionärinnen und Pensionäre bereits seit etwa 2000 stark erhöht. Zuletzt stieg sie innerhalb eines Jahres noch einmal leicht auf 1,4 Millionen im Jahr 2024 an.
Jeder Zweite scheidet in den nächsten 20 Jahren aus
Knapp 670.000 Beschäftigte waren dem dbb-Monitor zufolge zuletzt 60 oder älter (Juni 2024). 48,7 Prozent der Beschäftigten von Bund, Ländern und Kommunen scheiden in den kommenden 20 Jahren - bis Mitte der 2040er Jahre - aus, hat der dbb errechnet. Der Anteil der Unter-25-Jährigen: vergangenes wie vorvergangenes Jahr unverändert 6,8 Prozent.
dbb-Chef: Bürgerinnen und Bürger zweifeln
dbb-Chef Volker Geyer führt den bereits bestehenden Fachkräftemangel unter anderem auch auf gestiegene Anforderungen zurück - etwa durch die Sicherheitslage. Viele Behörden suchten händeringend Fachkräfte - auf ihren Websites finde sich ein "nicht enden wollender Quell an Stellenausschreibungen", sagte Geyer in der "Rheinischen Post". Im dbb-Monitor sagt er: "Dass die Politik in dieser Situation nur zögerlich Lösungen erarbeitet, lässt Bürgerinnen und Bürger an der Handlungsfähigkeit des Staates generell zweifeln."/bw/DP/zb