K(l)eine Probiertour für den Kanzler
BERLIN (dpa-AFX) - Bei der vorherigen Kanzlervisite auf der Grünen Woche war die Stimmung nicht gerade entspannt: Kurz vor Agrarmesse hatten Landwirte mit Wut im Bauch gegen das Aus für Agrardiesel-Vergünstigungen protestiert. Der Kanzler war damals Olaf Scholz von der SPD, und sein Abstecher zur großen Schau der Ernährungsbranche 2024 sollte versöhnliche Signale senden. Die Diesel-Subvention ist seit Jahresbeginn wieder da - und nun der neue Kanzler.
Friedrich Merz (CDU) kommt am Nachmittag für einen Rundgang in die Hallen unter dem Funkturm. Schnell wird klar: Eine ausgiebige Probiertour entlang der Stände mit internationalen Spezialitäten wird es nicht, vielleicht passend zur angespannten Weltlage. Zuerst nimmt sich der Kanzler bei der Begrüßung mit Bauernpräsident Joachim Rukwied ein Häppchen und eine kleine Tomate.
Auf Tuchfühlung mit "Ukki"
Die Messetour führt zu mehreren Branchenverbänden. In bereit stehende Traktoren klettert Merz nicht hinein, informiert sich aber zum Beispiel über eine Einzelkornsämaschine für präzise Ackerarbeiten oder einen Elektrotraktor mit Wechselbatterien. Da bekomme man ein Gefühl dafür, wie technologische Entwicklungen auch in der Landwirtschaft Einzug gehalten hätten, meint er später. Am Stand des Jagdverbands werden drei Hunde herangeführt, und Merz streichelt beherzt den Deutsch-Langhaar "Ukki" und die beiden anderen.
Kulinarisch fällt die Messetour weitgehend karg aus. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer Schaubäckerei, in der Amtsvorgänger Scholz noch einen Teigzopf legte, sehen den Kanzler nur durch eine Scheibe aus der Ferne. In der Halle des Bundesagrarministeriums von CSU-Mann Alois Rainer kostet Merz Salz in den Geschmacksrichtungen Gemüse und Chili. Die ernste Lage klingt an, als er am Ende betont, dass die Landwirtschaft für die Ernährungssicherheit geschützt werden müsse. "Es ist eben nicht mehr alles selbstverständlich."/sam/maa/DP/mis