FRANKFURT (dpa-AFX) - In einem weiterhin von Unsicherheiten geprägten Umfeld dürfte sich der Dax
Bis Mitte Januar hatte der Dax noch den geopolitischen Risiken getrotzt und ein Rekordhoch nach dem anderen erklommen. Seitdem aber agieren die Anleger vorsichtiger, denn einige Säulen der jüngsten Rally sind etwas ins Wanken geraten. So zeigt sich, dass der Boom rund um Künstliche Intelligenz aus Branchensicht auch potenzielle Verlierer produziert. Zudem befürchten die Anleger, dass die US-Notenbank Fed die Leitzinsen in diesem Jahr doch nicht so schnell senken könnte wie erhofft. Dies würde Aktien im Vergleich zu Anleihen wieder ein Stück unattraktiver machen.
"Nach dem jüngsten positiven Arbeitsmarktbericht ist die Geldpolitik der Fed noch schwieriger einzuschätzen", schrieb Analystin Claudia Windt von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Deshalb dürften sich die Anleger in der neuen Woche weiterhin um ein klares Bild der Wirtschaftslage sowohl in den USA als auch in Deutschland bemühen. Dabei richten sich die Blicke vor allem auf den Freitag.
Zum Wochenschluss steht unter anderem am Nachmittag die erste Schätzung für das Wachstum des US-Bruttoinlandsprodukts im Schlussquartal 2025 auf der Agenda. Derzeit sieht es Windt zufolge so aus, als hätte der bislang längste, teilweise Regierungsstillstand in den USA die Konjunktur weniger beeinträchtigt als befürchtet.
Bereits am Freitagvormittag werden die europäischen und deutschen Einkaufsmanagerindizes veröffentlicht, die als wichtige Frühindikatoren gelten. Dann werde sich zeigen, ob die Zuversicht der Anleger Risse bekommt oder ob sich die Optimisten am Aktienmarkt bestätigt fühlen können, sagte Fachmann Ortay Gelen vom unabhängigen Vermögensverwalter Axia Asset Management.
Aus Anlegersicht wäre dabei dem Experten zufolge ein Szenario am besten, in dem die Einkaufsmanagerindizes moderat steigen, aber keinen Boom signalisieren. Denn bei zu viel Optimismus könnte die Europäischen Zentralbank etwaige Zinssenkungen verschieben, was negativ für Aktien wäre. Falls andererseits die Indikatoren zu schwach ausfallen sollten, würde dies Rezessionsängste schüren, was schlecht insbesondere für zyklische Werte wäre.
Unabhängig davon sind zwar weiterhin der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine, die Spannungen im Nahen Osten und die unberechenbare Politik des US-Präsidenten Donald Trump wichtige Risikofaktoren. Doch Sebastian Raedler, leitender Anlagestratege der US-Investmentbank der Bank of America für Europa, sieht aktuell gerade in Deutschland Chancen. Denn das Fiskalpaket der Bundesregierung zur Konjunkturbelebung entfalte nun endlich auch in den Wirtschaftsdaten seine Wirkung. Am deutlichsten werde dies in den jüngsten Zahlen zum Auftragseingang in der deutschen Industrie.
Mit Blick auf den Aktienmarkt empfahl Raedler, deutsche Werte jetzt in den Portfolios überzugewichten. Sie seien dem europäischen Gesamtmarkt seit Mai vergangenen Jahres hinterhergehinkt. Wäge man die Chancen durch das Konjunkturpaket gegen die globalen Wirtschaftsrisiken ab, ergebe sich ein Chancen-Übergewicht.
Derweil melden sich in der neuen Woche auch noch einige Nachzügler der Berichtssaison der Unternehmen zu Wort. Recht dicht gepackt ist die Agenda am Donnerstag. Dann veröffentlichen unter anderem der Flugzeugbauer Airbus
--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---