ROUNDUP/Menschenrechtler: Israel hat weißen Phosphor im Libanon eingesetzt
TEL AVIV/BEIRUT (dpa-AFX) - Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat Israel vorgeworfen, vergangene Woche bei einem Angriff auf ein Wohngebiet im Südlibanon verbotenerweise weißen Phosphor eingesetzt zu haben. Die Organisation habe sieben Aufnahmen verifizieren und geografisch zuordnen können, hieß es in einem Bericht. Ein Mitarbeiter sprach darin von schweren Folgen für Zivilisten. Die Brandeigenschaften von weißem Phosphor könnten zum Tod oder schweren Verletzungen führen, die lebenslanges Leid nach sich ziehen.
In einer Mitteilung der israelischen Streitkräfte (IDF) hieß es, der behauptete Einsatz von Granaten mit weißem Phosphor könne nicht bestätigt werden. "Im Allgemeinen enthalten die von der IDF primär verwendeten Rauchgranaten keinen weißen Phosphor", hieß es. Wie viele westliche Streitkräfte verfüge auch das israelische Militär über Rauchgranaten mit einem gewissen Anteil an weißem Phosphor, deren Einsatz nach internationalem Recht zulässig sei.
"Rauchgranaten mit weißem Phosphor können von der IDF zur Erzeugung von Nebelwänden eingesetzt werden, insbesondere zum Schutz israelischer Zivilisten und IDF-Truppen vor Angriffen feindlicher Kräfte aus angrenzenden Gebieten. Gemäß den IDF-Richtlinien werden diese Granaten nicht zur gezielten Bekämpfung von Zielen oder zur Brandstiftung verwendet." Es könnte "visuelle Ähnlichkeiten" zwischen Rauchgranaten mit und ohne weißen Phosphor geben, so das Militär.
Weißer Phosphor entzündet sich durch den Kontakt mit Sauerstoff in der Luft und brennt so lange weiter, bis entweder nichts mehr übrig ist oder die Sauerstoffzufuhr unterbrochen wird. Ein Zusatzprotokoll der Genfer Konventionen über das Kriegsvölkerrecht verbietet den Einsatz von Phosphorwaffen, wenn das Risiko besteht, dass sie vor allem Zivilisten treffen.
Vor dem Angriff am 3. März hatte das israelische Militär die Zivilbevölkerung zur Evakuierung und einem Abstand von mindestens tausend Metern vom Angriffsgebiet aufgerufen, heißt es in dem HRW-Bericht. Es habe nicht verifiziert werden können, ob Menschen in dem Gebiet durch weißen Phosphor zu Schaden gekommen seien./czy/DP/stw