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BKA-Chef Münch: Keine Abhängigkeit von einzelnen IT-Firmen

11.03.2026
um 05:54 Uhr

BERLIN (dpa-AFX) - Das Bundeskriminalamt (BKA) soll bereits vorhandene Daten für Ermittlungen künftig besser nutzen können, ohne sich dafür von einzelnen ausländischen IT-Anbietern abhängig zu machen. "In dieser Zeit, wo Abhängigkeiten ausgenutzt werden, muss man überlegen, welche Produkte man nutzt und was man auch selber machen muss", sagte BKA-Präsident Holger Münch der Deutschen Presse-Agentur.

Dabei gehe es ihm nicht nur um die Hoheit über die eigenen Daten, sondern auch um Unabhängigkeit - etwa gegenüber Herstellern, die ihre Lizenzgebühren um ein Vielfaches erhöhen. Deutlicher wird der Präsident des BKA nicht. Die Behörde feiert an diesem Donnerstag in Wiesbaden den 75. Jahrestag ihrer Gründung.

IT-Fachleute treibt angesichts von Spannungen im transatlantischen Verhältnis zunehmend die Sorge um, dass politischer Druck eines Tages auch mit gesperrten Zugängen zu den eigenen Daten oder einer Fernabschaltung von US-Software ausgeübt werden könnte.

Verschiedene Werkzeuge unterschiedlicher Entwickler

Hersteller wie Palantir, für dessen Analysetool "Gotham" sich Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg entschieden haben, betonen zwar stets, die vollständige Datenhoheit liege bei der jeweiligen Polizeibehörde. Doch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) erweckt momentan eher nicht den Eindruck, als wolle er die US-Software zur Verknüpfung von Daten für die Bundessicherheitsbehörden nutzen.

Wer in der digitalen Welt souverän sein wolle, müsse eine IT-Landschaft mit verschiedenen Modulen aufbauen, sagt Münch. Er erklärt: "Wir setzen auf eine Datenintegrationsschicht, die wir kaufen können und auf der dann verschiedene Analysetools laufen, die wir teilweise schon haben, selbst entwickeln oder auch zukaufen". Denn erst dadurch würden bereits vorhandene Daten, "die in verschiedenen Töpfen liegen", auswertbar.

Nadel im Heuhaufen finden

Münch gibt ein Beispiel: Ein ausländischer Dienst gibt einen Hinweis wie "Da kommt ein Angehöriger der Terrormiliz Islamischer Staat nach Deutschland, der mit einer Frau mit einer Staatsangehörigkeit X verheiratet ist und eine Tätowierung auf dem linken Unterarm hat". In so einem Fall müsse es künftig einfacher sein, alle relevanten Informationen zu finden, sagt der BKA-Präsident.

Das hat mit IT-Infrastruktur zu tun und mit rechtlichen Vorgaben. Münch sagt: "Ich bin da optimistisch, dass das gelingen kann." Seit Jahren arbeiten das BKA und die Länderpolizeien an einem gemeinsamen "Datenhaus". Bislang sind allerdings noch nicht alle mit ihren Daten dort eingezogen./abc/DP/zb