Ökonomen-Stimmen zum Rückgang des Ifo-Geschäftsklimas
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im März wegen des Iran-Kriegs deutlich verschlechtert. Das Ifo-Geschäftsklima fiel um 2,0 Punkte auf 86,4 Punkte, wie das Münchner Forschungsinstitut am Mittwoch in München mitteilte. Der Rückgang war von Analysten in etwa erwartet worden. Nach dem Stimmungsdämpfer gehen Ökonomen von einem vorläufigen Ende der konjunkturellen Erholung in Deutschland aus.
Einschätzungen von Bank-Volkswirten im Überblick:
Jens-Oliver Niklasch, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg
"Die Fortsetzung des verhaltenen Aufschwungs in der deutschen Industrie ist damit erst einmal vom Tisch. Ob sich in den Folgemonaten die Lage den Erwartungen annähert oder umgekehrt, die Erwartungen wieder der robusten Lage Rechnung tragen, wird wohl vor allem davon abhängen, ob die Straße von Hormus geschlossen bleibt oder geöffnet wird und wie stabil dieser Zustand sein wird. Wir rechnen bislang damit, dass die jetzige Lage nicht von Dauer ist und die Durchfahrt durch die Straße im April, spätestens im Mai, wieder möglich sein wird."
Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank
"Wie groß die konjunkturellen Schäden des Energiepreisanstieges letztlich tatsächlich sein werden, hängt entscheidend von der weiteren Entwicklung im Nahen Osten ab. Bei einem raschen Ende des Krieges und einem freien Warenfluss durch die Straße von Hormus blieben die wirtschaftlichen Blessuren überschaubar. Anders sieht es im Falle einer Eskalation und eines länger anhaltenden Konflikts aus. Dann müsste von deutlichen konjunkturellen Rückschlägen ausgegangen werden."
Marc Schattenberg, Analyst der Deutschen Bank
"Abhängig von der Dauer des Konflikts im Nahen Osten könnten die Auswirkungen auf die globalen Lieferketten, insbesondere für petrochemische Erzeugnisse, in den kommenden Wochen noch deutlicher hervortreten. Die von uns für 2026 erwartete Erholung der deutschen Wirtschaft dürfte sich nun spürbar verzögern."
Christoph Swonke, Analyst bei der DZ Bank
"Die zarten Konjunkturhoffnungen der deutschen Wirtschaft verpuffen aufgrund der Krise im Nahen Osten immer mehr. Je länger der Krieg dauert, desto schwerwiegender dürften die Auswirkungen auf die deutsche und die globale Wirtschaft werden. Denn: Die Straße von Hormus ist für mehr als nur Öl und Gas von Bedeutung. Zahlreiche andere wichtige Grundstoffe, etwa für die Landwirtschaft oder die Halbleiterproduktion, passieren normalerweise die Meerenge."
Ulrich Wortberg, Analyst bei der Landesbank Hessen-Thüringen
"Es steht zu befürchten, dass die konjunkturelle Erholung in Deutschland ausgebremst wird. Dies hängt maßgeblich davon ab, wie lange der Nahost-Konflikt anhält und ob die Öl- und Gaspreise auf dem erhöhten Niveau verharren oder sich wieder abschwächen. Zinssenkungserwartungen sollten mit dem Stimmungsrückgang allerdings nicht einhergehen, denn die Währungshüter sorgen sich vornehmlich um die Inflation und sie könnten diesbezüglich unter Zugzwang geraten."
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