OTS: vbw - Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. / Reallohnplus für ...
Reallohnplus für die M+E Beschäftigten trotz Krise / Brossardt:
"Strukturschwäche gebietet Maßhalten in kommenden Tarifrunden"
München (ots) - Zum 01. April 2026 steigen die Entgelte der Beschäftigten in der
bayerischen Metall- und Elektro-Industrie um 3,1 Prozent. Dies ist die zweite
Stufe des im November 2024 abgeschlossenen Tarifvertrags. "Wir stehen zu dem
vereinbarten Abschluss. Gleichzeitig muss klar sein, dass im Kalenderjahr 2026
nicht mehr drin ist , auch wenn die Laufzeit des Entgelttarifvertrags bereits im
Oktober endet", betont Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer des vbm - Verband
der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie e. V.
Laut vbm haben viele Unternehmen die wirtschaftliche Belastungsgrenze
überschritten und waren in den vergangenen Monaten zum Stellenabbau gezwungen.
"Gut 21.000 Arbeitsplätze sind bereits 2025 in der bayerischen M+E Industrie
verloren gegangen. Für 2026 rechnen wir mit ungefähr der gleichen Größenordnung.
Die jetzige Entgeltsteigerung ist zwar eingepreist, kommt aber dennoch für viele
Betriebe zur Unzeit. Den Kampf um Wettbewerbsanteile werden die Unternehmen mit
steigenden Gehältern und rasant steigenden Lohnzusatzkosten nicht gewinnen
können. Wir brauchen endlich eine Reform der Sozialversicherung und einen
Rückgang der Arbeitskosten. Sonst laufen wir Gefahr, dass Investitionen nur noch
im Ausland getätigt werden und Standortverlagerungen zunehmen - mit den
bekannten negativen Beschäftigungsauswirkungen im Inland", erklärt Brossardt.
Mit Blick auf die großen konjunkturellen und strukturellen Herausforderungen
erwartet der vbm Zurückhaltung in der im Herbst anstehenden Tarifrunde. "Wir
wünschen uns einen Abschluss mit Augenmaß , der sowohl für Unternehmen als auch
für Beschäftigte einen guten Kompromiss darstellt. Maximalforderungen in die
eine oder andere Richtung nutzen niemandem. In Anbetracht der schwierigen
Standortbedingungen , der Herausforderungen durch die Transformation , der
überbordenden Bürokratie und der geopolitischen Unsicherheiten muss an einem
Strang gezogen werden - zum Wohle unseres Standorts", so Brossardt.
Der vbm bemängelt die hohen Sozialabgaben , die die Löhne belasten und für
Beschäftigte sowie Unternehmen toxisch wirken. So bekommt ein Facharbeiter
(Entgeltgruppe 5, ohne Kinder) durch die aktuelle Erhöhung von 3,1 Prozent
brutto monatlich 123 Euro mehr Geld. Nach Abzug der Lohnsteuer [inkl.
Kirchensteuer] (32,48 Euro) und der Sozialversicherungsbeiträge (26,75 Euro)
kommen bei ihm netto aber nur etwa 63 Euro an. Für den Arbeitgeber beläuft sich
die Gesamtbelastung inklusive des Arbeitgeberanteils zur Sozialversicherung auf
rund 150 Euro. "Es ist erschreckend, wie viel Geld den Menschen von der
Lohnerhöhung durch Steuern und Sozialabgaben wieder weggenommen wird und wie
hoch auf der anderen Seite die Kosten für die Arbeitgeber sind. Hier muss
dringend gegengesteuert werden, aber nicht durch weitere Entgelterhöhungen", so
Brossardt abschließend.
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