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Allianz Trade: 83 % der deutschen Unternehmen rechnen trotz
Nahostkonflikt mit Exportwachstum
Hamburg (ots) -
- Deutsche Exporteure sind trotz des Nahostkonflikts optimistischer als ihre
weltweiten Pendants
- 83 % der deutschen Unternehmen erwarten auch nach der Eskalation wachsende
Exportumsätze (weltweit 75 %)
- US-Handelskrieg: Deutsche Unternehmen sind diesbezüglich pessimistischer als
direkt nach dem "Liberation Day" und skeptischer als andere europäische Länder
- 80 % der deutschen Unternehmen haben ihre Handels- und Lieferkettenrouten seit
dem "Liberation Day" angepasst, fast die Hälfte (49 %) erwartet für 2026
weiterhin negative Auswirkungen
- Etwa die Hälfte der deutschen Exportunternehmen rechnet mit schlechterer
Zahlungsmoral (47 %) und steigenden Zahlungsausfällen (40 %)
- Größte Risiken: geopolitische Risiken, Lieferketten-, Transport- und
Finanzierungsrisiken
Die weltweiten und insbesondere die deutschen Exporteure bleiben trotz einem
Jahr Handelskrieg, einer veränderten Risikolandschaft und Nahostkonflikt relativ
widerstandsfähig. Zu diesem Ergebnis kommt die fünfte Auflage der "Allianz Trade
Global Survey 2026", für die der weltweit führende Kreditversicherer Allianz
Trade in zwei Wellen im Februar und März 2026 rund 6.000 Unternehmen in
insgesamt 13 Märkten[1] zu ihren Erwartungen bei Exporten, Welthandel und
Lieferketten befragt hat.
"Die Allianz Trade Global Survey zeigt, dass 75 % der Exporteure für 2026
weiterhin ein positives Exportwachstum erwarten", sagt Aylin Somersan Coqui, CEO
von Allianz Trade. "Die Auswirkungen des Nahostkonflikts scheinen sich demnach
in Grenzen zu halten (-6 Prozentpunkte, pp; Deutschland: -1pp), insbesondere im
Vergleich zum Zollschock von 2025, als die Erwartungen um 40pp zurückgingen.
Dennoch ist dieser Optimismus weiterhin fragil und könnte schnell schwinden,
sollte sich der Konflikt hinziehen."
Tatsächlich haben vietnamesische, amerikanische und spanische Unternehmen
aufgrund des Konflikts jeweils mehr als 10pp an Zuversicht eingebüßt, bei
chinesischen Unternehmen waren es 9pp.
"Der Konflikt machte geopolitische und politische Risiken für 65 % der globalen
Unternehmen zur weltweit größten Bedrohung und verdrängte damit die Komplexität
und Konzentration der Lieferketten (45 %), die 2025 inmitten des Handelskriegs
das Hauptanliegen waren", sagt Somersan Coqui. "Versorgungsbezogene Probleme,
wie Lieferausfälle und Engpässe bei Vorleistungen, stiegen auf den zweiten Platz
(57 %). Allerdings sind weniger als ein Viertel der Unternehmen besorgt über die
Auswirkungen des Konflikts auf Energie und Schifffahrt: Entweder sind die
Unternehmen zuversichtlich hinsichtlich ihrer Bewältigungsmechanismen oder sie
gehen davon aus, dass der Konflikt nur von kurzer Dauer sein wird."
Trotz dieser Widerstandsfähigkeit verschärft der Nahostkonflikt die Bedingungen
für die Handelsfinanzierung. Die Zahlungszyklen verlängern sich, und der Anteil
der weltweiten Unternehmen, die ihr Geld innerhalb von 30 Tagen erhalten, ist
seit Beginn des Konflikts von 10 % auf 7 % gesunken. Gleichzeitig ist der Anteil
derjenigen, die länger als 70 Tage auf ihr Geld warten müssen, von 15 % auf 24 %
gestiegen. Mit Blick auf die Zukunft erwarten 43 % der globalen Unternehmen eine
weitere Verschlechterung der Zahlungsbedingungen (+5 pp gegenüber der Zeit vor
dem Konflikt). Auch das Zahlungsausfallrisiko hat sich verschlechtert: Der
Anteil der weltweiten Unternehmen, die ein höheres Risiko erwarten, ist auf 40 %
gestiegen (+6 pp gegenüber der Zeit vor dem Konflikt). Die Sektoren
Pharmazeutika, Bauwesen sowie Computer/Telekommunikation sind am stärksten
betroffen, während größere Unternehmen mit unverhältnismäßig längeren
Zahlungszyklen konfrontiert sind.
Deutsche Exporteure bei Wachstum optimistischer als ihre weltweiten Pendants
Deutsche Exporteure bleiben in den aktuell sehr herausfordernden Zeiten
überraschend optimistisch: Acht von zehn Unternehmen (83 %) rechnen trotz der
Eskalation des Konflikts im Nahen Osten mit steigenden Exportumsätzen. Damit
sind sie zuversichtlicher als ihre weltweiten Pendants (75 %). Die meisten
deutschen Unternehmen (41 %) erwarten in den kommenden zwölf Monaten ein
moderates Exportwachstum (um 2-5 %).
Gleichzeitig sind die deutschen Exporteure in Bezug auf den US-Handelskrieg
pessimistischer als direkt nach dem "Liberation Day": Rund die Hälfte der
Unternehmen (49 %, +2pp) erwartet auch 2026 negative Folgen. Damit sind sie
deutlich skeptischer als ihre europäischen Pendants (39-44 %). Nur chinesische
Unternehmen sind mit 50 % noch pessimistischer.
"Der Widerstandsfähigkeit der deutschen Exporteure stehen große Risiken
gegenüber", sagt Dr. Björn Griesbach, Head of Macroeconomic and Capital Markets
Research bei Allianz Trade. "Angesichts des US-Handelskriegs und der Eskalation
im Nahen Osten sind geopolitische Unsicherheiten (67 %) wenig überraschend
erneut das Top-Risiko, das deutsche Exporteure um den Schlaf bringt, gefolgt von
Lieferkettenrisiken. Fast die Hälfte der deutschen Exportunternehmen geht zudem
von einer schlechteren Zahlungsmoral (47 %) und steigenden Zahlungsausfällen aus
(40 %) aus."
Unsicherheit als "neues Normal" - Deutsche warten erst einmal ab
Deutsche Unternehmen warten aktuell ab, bevor sie drastische Maßnahmen
ergreifen. Seit der Pandemie sahen sie sich mehreren aufeinanderfolgenden Krisen
gegenüber. Dies hat ihre Widerstandsfähigkeit gestärkt und sie fühlen sich
offenbar besser gewappnet, den neuen Herausforderungen zu begegnen.
"Geopolitische Unsicherheiten sind die neue Normalität - und deutsche
Exportunternehmen zeigen sich nach einem erneuten Schock relativ
widerstandsfähig", sagt Griesbach. "Dass sie flexibel auf neue Herausforderungen
reagieren können, haben sie schon seit Beginn des Handelskriegs bewiesen: Acht
von zehn Unternehmen (80 %) haben seitdem ihre Handelsrouten und Lieferketten
angepasst. Allerdings erwartet knapp die Hälfte der Unternehmen angesichts der
drohenden Exportverluste und dem zunehmenden Wettbewerb aus China weiterhin
negative Folgen (49 %) und denkt deshalb angesichts der aktuellen geopolitischen
Konflikte über weitere Anpassungen von Warenströmen nach (47 %)."
Im Fokus der geplanten Maßnahmen als Reaktion auf geopolitische Unsicherheiten
stehen jedoch das sogenannte "Friendshoring", also der Ausbau von Marktanteilen
in geopolitisch "befreundeten" Ländern (52 %), die Entwicklung neuer Produkte
(51 %) sowie die Stärkung von lokalen Partnerschaften und dem eigenen
Risikomanagement (je 50 %). Etwa 40 % der befragten deutschen Exportunternehmen
überdenkt oder verzögert zudem Pläne von Produktionsstätten im Ausland.
Gegen Schocks in der Lieferkette setzen Unternehmen weltweit auf Lagerbestände
und Diversifizierung
Seit Beginn des Handelskriegs im Jahr 2025 haben globale Unternehmen Strategien
zur Risikominderung umgesetzt, um sich an das neue Umfeld anzupassen.
Unternehmen mit verhältnismäßig langen Lieferketten[2] haben am schnellsten
reagiert: Sie neigen deutlich stärker dazu, bei neuen Lieferanten zu beziehen
und Lieferwege umzuleiten als die Gesamtstichprobe.
Die weltweit insgesamt gängigsten Bewältigungsmechanismen sind der Aufbau von
Lagerbeständen (64 %, Deutschland: 60 %) und die Diversifizierung in neue Märkte
(64 %, Deutschland: 52 %) sowie die Beschaffung bei neuen Lieferanten (63 %,
Deutschland: 55 %), was auf breit angelegte Bemühungen hindeutet, sowohl das
Nachfrage- als auch das Angebotsrisiko zu verringern. Darauf folgt die Umleitung
über Drittmärkte (57 %, Deutschland: 50 %), was bestätigt, dass Unternehmen auch
ihre Logistik anpassen, um Handelskonflikte zu umgehen.
"Seit Beginn des Konflikts im Nahen Osten suchen mehr als die Hälfte (50 %,
Deutschland: 43 %) der Unternehmen nach alternativen Transportrouten oder
Spediteuren, insbesondere in Vietnam", sagt Ano Kuhanathan, Leiter der
Unternehmensanalyse bei Allianz Trade. "Die zweitbeliebteste Strategie (50 %,
Deutschland: 51 %) ist die Zusammenarbeit mit Zollagenten zur Beschleunigung der
Zollabfertigung, vor allem in Vietnam (64 %) und Indien (56 %). An dritter
Stelle steht die Anpassung der Lieferpläne für 48 % der Unternehmen
(Deutschland: 40 %), vor allem in Frankreich, Brasilien, Indien, Großbritannien
und den USA. Im Gegensatz dazu bleiben Änderungen an den Incoterms (36 %,
Deutschland: 40 %) eher begrenzt, was darauf hindeutet, dass vertragliche
Anpassungen hinter den operativen zurückbleiben."
Europa und Asien entwickeln sich zu den beiden führenden Regionen für
zukünftiges Wachstum
Der Handelskrieg hat die Attraktivität der USA für Exporteure gemindert: Nur 13
% (Deutschland: 12 %) betrachten die Vereinigten Staaten als
Export-Wachstumsmarkt. Vor dem Hintergrund der Umstrukturierung der Lieferketten
und der jüngsten Freihandelsabkommen stehen Europa und Asien im Fokus für
zukünftiges Wachstum, da Unternehmen zunehmend nach Stabilität und Marktöffnung
suchen.
Das Interesse an Europa als Exportziel hat auf breiter Front zugenommen, wobei
Exporteure aus Singapur (+10 pp gegenüber 2025) und den USA (+9 pp gegenüber
2025) den stärksten Anstieg verzeichnen. Asien bleibt insgesamt das bevorzugte
Offshore-Ziel, obwohl Chinas Attraktivität als Investitionsstandort eingebrochen
ist: Nur 23 % (-30 pp gegenüber 2025) der Unternehmen (Deutschland: 28 %)
planen, ihre Präsenz dort auszubauen, während 10 % (Deutschland: 14 %) aktiv
einen Rückzug planen.
"Wachstumschancen werden durch eine Welle neuer Handelsabkommen gestützt: 93 %
der Unternehmen (Deutschland: 95 %) planen eine Expansion im Rahmen kürzlich
unterzeichneter Freihandelsabkommen wie Indien-EU und MERCOSUR-EU, wobei Indien,
Brasilien, Vietnam und Frankreich als vorrangige Märkte in den Vordergrund
treten. Dennoch bleibt das volle Potenzial dieser Abkommen eingeschränkt:
Nichttarifäre Handelshemmnisse, insbesondere Lizenz- und
Zertifizierungsanforderungen, sind weiterhin das dominierende Hindernis, das
Unternehmen daran hindert, den durch Handelsabkommen ermöglichten Marktzugang in
tatsächliches Exportwachstum umzuwandeln", sagt Ana Boata, Head of Economic
Research bei Allianz Trade.
Die vollständige Exportumfrage Allianz Trade Global Survey finden Sie beigefügt
sowie hier:
https://bit.ly/41RvXzR
Die aktuelle Studie zu Zahlungs-, Länder- und Branchenrisiken im Zuge des
Nahost-Konflikts finden Sie beigefügt und hier:
https://bit.ly/4e9sNyP
Den aktuellen Wirtschaftsausblick "Economic Outlook" unter Einfluss des
Nahost-Konflikts "The fog of war" finden Sie beigefügt und hier:
https://bit.ly/3PYZBR4
Die Präsentation "Wirtschaftliche Auswirkungen des Nahostkonflikts" (ENG, pdf)
finden Sie hier:
https://bit.ly/47NeQCT
[1] Brasilien, China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Italien,
Polen, Singapur, Spanien, die Vereinigten Arabischen Emirate, die USA und
Vietnam
[2] Lange Lieferketten sind hier definiert als mehr als 50 % der Produktion im
Ausland.
Allianz Trade ist weltweiter Marktführer im Kreditversicherungsgeschäft und
anerkannter Spezialist für Bürgschaften und Garantien, Inkasso sowie Schutz
gegen Betrug oder politische Risiken. Allianz Trade verfügt über mehr als 100
Jahre Erfahrung und bietet seinen Kunden umfassende Finanzdienstleistungen an,
um sie im Liquiditäts- und Forderungsmanagement zu unterstützen.
Über das unternehmenseigene Monitoring-System verfolgt und analysiert die
Allianz Trade Gruppe täglich die Insolvenzentwicklung von mehr als 83 Millionen
kleiner, mittlerer und multinationaler Unternehmen und hat sofortigen Zugriff
auf die Daten von 289 Mio. Unternehmen in mehr als 160 Ländern. Insgesamt
umfassen die Expertenanalysen Märkte, auf die 92% des globalen
Bruttoinlandsprodukts (BIP) entfallen.
Mit dieser Expertise macht die Allianz Trade Gruppe den Welthandel sicherer und
gibt den weltweit über 75.000 Kunden das notwendige Vertrauen in ihre Geschäfte
und deren Bezahlung. Als Tochtergesellschaft der Allianz und mit einem AA-Rating
von Standard & Poor's ist die Holding von Allianz Trade mit Sitz in Paris im
Schadensfall der finanzstarke Partner an der Seite seiner Kunden.
Das Unternehmen ist in über 40 Ländern vertreten und beschäftigt mehr als 5.900
Mitarbeiter weltweit. 2025 erwirtschaftete die Allianz Trade Gruppe einen
konsolidierten Umsatz von EUR 4 Milliarden und versicherte weltweit
Geschäftstransaktionen im Wert von EUR 1.400 Milliarden.
Weitere Informationen auf http://www.allianz-trade.de
Hinweis bezüglich zukunftsgerichteter Aussagen
Die in dieser Meldung enthaltenen Informationen können Aussagen über zukünftige
Erwartungen und andere zukunftsgerichtete Aussagen enthalten, die auf aktuellen
Einschätzungen und Annahmen der Geschäftsführung basieren, und bekannte und
unbekannte Risiken sowie Unsicherheiten beinhalten, aufgrund derer die
tatsächlichen Ergebnisse, Entwicklungen oder Ereignisse von den hier gemachten
Aussagen wesentlich abweichen können. Neben zukunftsgerichteten Aussagen im
jeweiligen Kontext spiegelt die Verwendung von Wörtern wie "kann", "wird",
"sollte", "erwartet", "plant", "beabsichtigt", "glaubt", "schätzt",
"prognostiziert", "potenziell" oder "weiterhin" ebenfalls eine
zukunftsgerichtete Aussage wider. Die tatsächlichen Ergebnisse, Entwicklungen
oder Ereignisse können aufgrund verschiedener Faktoren von solchen
zukunftsgerichteten Aussagen beträchtlich abweichen. Zu solchen Faktoren gehören
u.a.: (i) die allgemeine konjunkturelle Lage einschließlich der
branchenspezifischen Lage für das Kerngeschäft bzw. die Kernmärkte der
Allianz-Gruppe, (ii) die Entwicklung der Finanzmärkte einschließlich der
"Emerging Markets" einschließlich Marktvolatilität, Liquidität und
Kreditereignisse, (iii) die Häufigkeit und das Ausmaß der versicherten
Schadenereignisse einschließlich solcher, die sich aus Naturkatastrophen
ergeben; daneben auch die Schadenkostenentwicklung, (iv) Stornoraten, (v) Ausmaß
der Kreditausfälle, (vi) Zinsniveau, (vii) Wechselkursentwicklungen
einschließlich des Wechselkurses EUR-USD, (viii) Entwicklung der
Wettbewerbsintensität, (ix) gesetzliche und aufsichtsrechtliche Änderungen
einschließlich solcher bezüglich der Währungskonvergenz und der Europäischen
Währungsunion, (x) Änderungen der Geldpolitik der Zentralbanken bzw.
ausländischer Regierungen, (xi) Auswirkungen von Akquisitionen, einschließlich
der damit verbundenen Integrationsthemen, (xii) Umstrukturierungsmaßnahmen,
sowie (xiii) allgemeine Wettbewerbsfaktoren jeweils in einem örtlichen,
regionalen, nationalen oder internationalen Rahmen. Die
Eintrittswahrscheinlichkeit vieler dieser Faktoren kann durch Terroranschläge
und deren Folgen noch weiter steigen. Das Unternehmen übernimmt keine
Verpflichtung, zukunftsgerichtete Aussagen zu aktualisieren.
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