FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach der Dax
Kurz nach einer von US-Präsident Donald Trump angekündigten Verhandlungsbereitschaft mit Teheran hat das US-Militär einen iranischen Frachter angegriffen. Das Schiff habe versucht, die US-Seeblockade zu durchbrechen, schrieb Trump auf der Plattform Truth Social. Irans Militär sprach von "bewaffneter Seepiraterie" und kündigte an, man werde "bald reagieren", wie der regierungstreue Sender Press TV meldete. Kurz vor dem Ablaufen der Waffenruhe am Mittwoch sieht Teheran laut der Staatsagentur Irna "keine aussichtsreiche Perspektive für seriöse Verhandlungen". Der iranische Präsident Massud Peseschkian warf Washington Vertragsbruch vor.
Laut dem US-Regionalkommando Centcom war das Schiff auf dem Weg in die iranische Küstenstadt Bandar Abbas in der Straße von Hormus. Die USA hatten zuvor bereits 25 Schiffe angewiesen, umzudrehen oder in ihre iranischen Häfen zurückzukehren. Dies ist jedoch der erste bekannte Vorfall, bei dem Gewalt angewendet wurde.
Nach stundenlangen vergeblichen Warnungen habe das Kriegsschiff "USS Spruance" die Besatzung des iranischen Frachters aufgefordert, den Maschinenraum zu verlassen, teilte Centcom mit. Daraufhin sei der Antrieb außer Gefecht gesetzt worden. Das Schiff stehe nun unter US-Kontrolle. Nur Stunden zuvor hatte Trump angekündigt, dass seine Vertreter für neue Verhandlungen heute Abend in Pakistans Hauptstadt Islamabad sein würden.
Seitens der pakistanischen Regierung wurde derweil offiziell noch nichts zu neuen Verhandlungen in Islamabad mitgeteilt. Kurz nach Trumps Ankündigung neuer Gespräche hatte das Außenministerium aber mitgeteilt, Ressortchef Ishaq Dar habe in einem Telefonat mit seinem iranischen Kollegen Abbas Araghtschi betont, ein kontinuierlicher Dialog sei entscheidend, um die Spannungen rasch zu entschärfen und Frieden in der Region zu fördern.
In Islamabad laufen seit Tagen Vorbereitungen für eine neue Verhandlungsrunde. Sicherheitsvorkehrungen waren sichtbar: So wurde die sogenannte Rote Zone mit Botschaften und Regierungsgebäuden, in der bereits die erste Gesprächsrunde stattfand, wieder abgesperrt. Erste Verhandlungen waren eine Woche zuvor ohne konkrete Ergebnisse beendet worden.
Vor dem Hintergrund der Spannungen zwischen den USA und dem Iran kostet Rohöl wieder deutlich mehr. Die Nordseesorte Brent mit Lieferung im Juni ging mit einem Kurs von knapp 97 US-Dollar in die Handelswoche und war damit über sieben Prozent teurer als noch in der vergangenen Woche. Zuletzt notierte der Brent-Preis mit 5,57 Prozent im Plus bei 95,41 US-Dollar. Auch die US-Sorte WTI legte ähnlich stark zu. Zu Beginn des Krieges Ende Februar lag der Preis für Brent noch bei unter 70 Dollar.
"Alles, was die Börsen am Freitag gefeiert haben, ist aktuell wieder hinfällig", schrieb Marktexperte Thomas Altmann von QC Partners. "Die Situation in der Straße von Hormus bleibt unübersichtlich. Zudem ist zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt nicht klar, wann die USA und der Iran wieder miteinander reden werden." Die Phase der Unsicherheit gehe in die Verlängerung. Die Normalisierung der Energiemärkte werde noch weiter nach hinten verschoben.
Neue Spannungen rund um die Öffnung der Straße von Hormus drohen die Schwankungsintensität zu Beginn der neuen Woche abermals zu erhöhen, meint auch Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst Consorsbank. "Anleger sehen eine erneute Schließung der Straße von Hormus als Teil der Verhandlungen, und niemand rechnet damit, dass diese ohne Wendungen und Rückschläge auskommen werden." Solange jedoch der Iran auf Schiffe feuere und das ungewisse Fristende des Waffenstillstands näher rücke, wird die Nervosität auf dem Parkett nicht weiter abnehmen.
Zu Beginn der neuen Woche ist die deutsche Unternehmensagenda noch weitgehend leer. Am Dienstag informiert der Konsumgüterkonzern Beiersdorf
Am Donnerstag folgen der Labor- und Pharmazulieferer Sartorius
Potenziell marktbewegende Konjunkturdaten dürften laut Dekabank-Volkswirt Kater weiterhin im Schatten der Entwicklungen im Nahen Osten stehen. Stimmungsindikatoren aus Deutschland sollten "Aufschluss darüber geben, ob die Unternehmen die Lage ähnlich optimistisch sehen wie die Teilnehmer an den Finanzmärkten". Am Dienstag stehen die ZEW-Konjunkturerwartungen an, am Donnerstag Einkaufsmanagerdaten von S&P Global und am Freitag das Ifo-Geschäftsklima./gl/ajx/he/stk/nas
--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---