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OTS: Bertelsmann Stiftung / Europäer:innen gehen auf Distanz zu den USA: ...

07.05.2026
um 08:02 Uhr

Europäer:innen gehen auf Distanz zu den USA: Wunsch nach
Eigenständigkeit wächst (FOTO)
Gütersloh/Berlin (ots) - Nach Jahrzehnten enger Zusammenarbeit mit den
Vereinigten Staaten sagen inzwischen fast drei von vier EU-Bürger:innen, Europa
solle "seinen eigenen Weg gehen". Eine klare Mehrheit der Europäer:innen hält
die USA nicht länger für einen vertrauenswürdigen Partner. Eineinhalb Jahre nach
Beginn der zweiten Trump-Präsidentschaft ist der Anteil der Befragten, die die
USA als wichtigsten Partner Europas ansehen, um 20 Prozentpunkte gesunken.
Während China als alternativer Partner nicht an Bedeutung gewinnt, orientieren
sich Europäer:innen innerhalb des westlichen Bündnisses neu. Eine neue Studie
der Bertelsmann Stiftung zeigt diesen Wandel.

Im Vorfeld des Europatags am 9. Mai zeichnet sich in der öffentlichen Meinung
Europas ein klarer Trend ab. Eine neue Studie der Bertelsmann Stiftung auf Basis
von Umfragen zwischen September 2024 und März 2026 zeigt einen Kontinent, der
bereit ist, stärker auf eigenen Füßen zu stehen. 73 Prozent der EU-Bürger:innen
sind der Ansicht, die Union solle nach Jahrzehnten enger Anbindung an die
Vereinigten Staaten ihren eigenen Weg gehen; gegenüber 63 Prozent im Jahr 2024.
Dieser Trend zeigt sich über alle Bevölkerungsgruppen hinweg, mit besonders
starken Zuwächsen bei älteren Europäer:innen.

Die aktuelle US-Präsidentschaft hat tiefe Spuren im transatlantischen Verhältnis
hinterlassen. Das Vertrauen in die Vereinigten Staaten ist gering: 58 Prozent
der Europäer:innen sehen Washington nicht als vertrauenswürdigen Partner. Zwar
bleiben die USA in relativen Zahlen weiterhin der wichtigste Partner der EU (31
Prozent), doch ihr Ansehen ist seit 2024 um 20 Prozentpunkte gesunken. Ein
polarisierender US-Präsident und zunehmende geopolitische Spannungen haben die
öffentliche Meinung in Europa in Richtung größerer Eigenständigkeit verschoben.

Gleichzeitig führt Europas Streben nach Unabhängigkeit nicht zu einer stärkeren
Hinwendung zu China. China wird weiterhin mit Skepsis betrachtet. Große
Mehrheiten sprechen sich dafür aus, Abhängigkeiten zu verringern, auch wenn dies
wirtschaftliche Kosten mit sich bringt. Stattdessen verschieben sich die
Präferenzen innerhalb des bestehenden Bündnissystems. Das Vereinigte Königreich
und Kanada gewinnen als strategische Partner an Bedeutung. Dies deutet darauf
hin, dass Europäer:innen ihre Beziehungen neu ausbalancieren, anstatt sich vom
transatlantischen Rahmen insgesamt abzuwenden. Die Unterstützung für die NATO
bleibt stabil: Klare Mehrheiten sehen sie weiterhin als zentralen Pfeiler der
Sicherheit (63 Prozent).

Florian Kommer, Senior Expert für Europa bei der Bertelsmann Stiftung, erklärt:
"Die Botschaft im Vorfeld des diesjährigen Europatags ist eindeutig: Die
Europäerinnen und Europäer wollen unabhängiger von den Vereinigten Staaten
werden. Das Vertrauen ist gesunken, und mit ihm die Rolle Amerikas als zentraler
Partner Europas. Die Partnerschaft ist nicht unwiederbringlich verloren, doch
unsere Daten weisen auf eine tiefere, strukturelle Belastung der
transatlantischen Beziehungen hin. Die Bürgerinnen und Bürger fordern mehr
Unabhängigkeit, insbesondere in der Außen- und Sicherheitspolitik. Die Politik
sollte diesen Auftrag nun in konkrete Maßnahmen und substanzielle Investitionen
in Europas eigene Fähigkeiten übersetzen."

Brandon Bohrn, Senior Expert für transatlantische Beziehungen bei der
Bertelsmann Stiftung, ergänzt: "Der Aufbau eines stärkeren und eigenständigeren
Europas geht dabei Hand in Hand mit einer Ausweitung seiner Partnerschaften, um
Resilienz und strategische Stabilität zu sichern."

Pressekontakt:

Florian Kommer
+49(0)30 275788-201
mailto:florian.kommer@bertelsmann-stiftung.de

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